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Erzbischof Becker ruft an Heiligabend dazu auf, die Menschwerdung Gottes zur Motivation des Handelns zu machen

„Weihnachten darf kein flüchtiges Bühnenbild sein“

Paderborn (WB)

Erzbischof Hans-Josef Becker hat an Heiligabend dazu aufgerufen, das Weihnachtsfest für eine Neuausrichtung des eigenen Lebens zu nutzen. „Wir sollen uns in der Heiligen Nacht nicht nur Stimmungen hingeben, die wir sonst von unserem Lebensalltag gerne abkoppeln“, forderte Becker in dem über Live-Stream übertragenen Gottesdienst im Paderborner Dom.

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Dieses Bild zeigt Erzbischof Hans-Josef Becker während seiner Predigt im vergangenen Jahr. Foto: Besim Mazhiqi/Erzbistum Paderborn

„Wir müssen unserem Leben angesichts der Geburt Jesu eine andere Richtung geben, eine Richtung, die uns Gott in seinem Sohn zeigt“, sagte Becker laut einer Mitteilung des Erzbistums. Nur so sei es möglich, Konflikte im Großen und Kleinen dauerhaft zu überwinden.

Die Geburt des Erlösers werde vom Propheten Jesaja im Alten Testament vor dem Hintergrund eines Kriegsgeschehens angekündigt. Auch in der heutigen Gesellschaft gebe es vielerorts regionale und lokale Konflikte, die sich jederzeit zu „größeren Flächenbränden“ ausbreiten könnten.

„Gott mehr Platz geben“

„Ist also nicht alles beim Alten geblieben seit der Geburt Jesu?“, fragte Becker. Diese Frage gelte es jedes Jahr zu Weihnachten neu zu bedenken. Sie könne allerdings keineswegs als Vorwurf an den vor 2000 Jahren geborenen Jesus gerichtet sein: „Mit Jesus brach in ganz neuer Weise und in neuer Intensität ein göttlicher Lichtstrahl in diese Welt ein. Ein Lichtstrahl, der von uns zu allen Zeiten wohl zu wenig aufgenommen und aufgegriffen wurde“, sagte der Erzbischof.

Das Weihnachtsgeschehen in Betlehem dürfe kein „flüchtiges Bühnenbild“ bleiben: „Haben wir es vielleicht noch nie richtig angenommen, auch wenn wir jährlich diese Nacht im Lichterglanz und in Friedenssehnsucht im warmen Licht der Krippe feiern?“ Becker kritisierte, dass Gott oft nur „gewisse Regionen unseres Lebens“ betreten dürfe. Er forderte dazu auf, das Weihnachtsfest zum Anlass zu nehmen, Gott mehr Platz im persönlichen Leben einzuräumen und den in Jesus Mensch gewordenen Gott zur Motivation des eigenen Handelns zu machen.

Gottes Arm der Liebe reiche weiter

Die in Jesus Christus erschienene Güte Gottes strahle ab auf jeden Menschen und damit auch auf die immer von neuem belasteten Beziehungen zwischen Völkern, Kulturen und Religionen. „Wir erweisen uns als gläubige Realisten, wenn wir Weihnachten 2020 als das Fest des menschenfreundlichen Gottes und als das Fest des von ihm ausgehenden Friedens feiern. Und wenn wir daran festhalten, dass Gottes Arm der Liebe und Menschenfreundlichkeit viel weiter reicht als all das, was wir uns im Großen wie im Kleinen immer wieder antun“, sagte der Erzbischof zum Abschluss seiner Predigt.

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