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Kreisverband Paderborn: Bilanz der heimischen Landwirte fällt im Corona-Jahr ernüchternd aus

„Weiter so darf es nicht geben“

Paderborn

„Wir werden dieses Corona-Jahr noch lange in Erinnerung behalten“, resümiert der Bauernpräsident und Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Paderborn, Hubertus Beringmeier, zum Jahresende. 2020 habe allen, der gesamten Gesellschaft, viel abverlangt. Auch für die Landwirte sei es ein anstrengendes Jahr gewesen.

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Sehr traurig stimmt Hubertus Beringmeier, dass das Coronavirus vielen Menschen persönliches sowie wirtschaftliches Leid gebracht habe. Foto: Lessmann

Die Preise für viele landwirtschaftliche Produkte seien im Keller und die Stimmung auf den Höfen vielfach bedrückend. Für den Vorsitzenden ist es ein nachdenkliches Jahr.

2020 habe den Menschen aber auch deutlich gemacht, dass volle Regale im Supermarkt keine Selbstverständlichkeit seien. „Wir haben gelernt, wie wertvoll Nahrungsmittel sind und dass sie ihren Preis haben müssen“, so der Vorsitzende. Die Verwundbarkeit der globalen Lieferketten und die Wichtigkeit der hiesigen Erzeugung seien in diesem Corona-Jahr sehr bewusst geworden.

Mit der Ernte seien die Bauern zum Glück dann noch relativ glimpflich davongekommen. Allerdings sei die Spannbreite enorm groß. Große Sorgen bereiten den Landwirten die Schweine-, Rind-, Geflügelfleisch-, Milch- und Eierpreise. So hätten drei trockene Jahre insbesondere bei den Milchbauern und Bullenmästern die Kosten stark steigen lassen – bei nichtauskömmlichen Erzeugerpreisen. Die Bullenmäster würden unter der Schließung der Gastronomie und dem Wegfall des Weihnachtsgeschäfts massiv leiden. Ebenso habe auf dem Geflügel- und Eiermarkt ein Preisverfall eingesetzt. Bei den Sauen- und Schweinehaltern führten Corona und die hohen Vorsichtsmaßnahmen in der Schlachtbranche sowie der Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest in Deutschland im September zu extremen Preiseinbrüchen. Auch bei den Waldbauern sei die Situation durch drei Dürrejahre und den Befall des Borkenkäfers desaströs.

Corona, Afrikanische Schweinepest (ASP), Vogelgrippe, Preisverfall, immer mehr Auflagen, Gesetze, Bürokratie, die die Kosten erhöhen – die Lage sei absolut ernst. „Wir sehen eine wirtschaftlich schwierige Situation, mit einer sich weiter öffnenden Kosten- und Erlösschere. Auf der anderen Seite wird zunehmend mit unseren Produkten vom Lebensmitteleinzelhandel (LEH) gutes Geld verdient. Es kann und darf kein ‘Weiter so‘ geben, dass schaffen unsere Bauernfamilien nicht mehr“, beschreibt Beringmeier den existenziellen Druck.

„Wir müssen mit unseren Familien von unserer Arbeit leben können.“ Gerade der Nachwuchs brauche verlässliche Perspektiven. „Wir sind für ein verantwortungsbewusstes Miteinander, doch wir müssen es auch durchhalten.“ Deshalb gehöre zur Nachhaltigkeit auch das Soziale und die Ökonomie dazu. Lebensmittel hätten ihren Preis. Auch vom Lebensmittel-Einzelhandel fordert Beringmeier einen fairen Umgang und eine angemessene Bezahlung für schon jetzt zu erfüllende höhere Qualitätsstandards.

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