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Virus beschert dem Kreis Paderborn finanziellen Schaden in Millionenhöhe

Weniger Rettungsfahrten

Paderborn (WB). Die Corona-Pandemie kommt den Kreis Paderborn teuer zu stehen. Die Verwaltung geht für 2020 von „Coronaschäden“ in Höhe von 4,28 Millionen Euro aus. Diese Summe ergibt sich aus zusätzlichen Kosten und geringeren Einnahmen. Rechnet man den Rettungsdienst und das Jugendamt hinzu, sind es sogar mehr als 6,5 Millionen Euro.

Dietmar Kemper

Weil wegen des Coronavirus weniger Verkehr auf den Straßen im Kreis Paderborn herrscht als üblich, werden die Einnahmen aus den Gebühren für den Rettungsdienst voraussichtlich deutlich niedriger ausfallen. Foto: Jörn Hannemann

Die Prognose, die von einem dreimonatigen Ausnahmezustand wegen des Virus ausgeht, wird den Mitgliedern des Kreis- und Finanzausschusses in der Sitzung am kommenden Montag vorgestellt. Für die Hochrechnung meldeten die Ämter Ende März Abweichungen von der bisherigen Haushaltsplanung. So rechnet das Straßenverkehrsamt mit 975.000 Euro weniger Einnahmen aus Verwaltungsgebühren sowie Buß- und Verwarngeldern. In der Ausschussvorlage heißt es zur Begründung: „Insbesondere im Bußgeld-/Verwarngeldbereich ist mit einem deutlichen Ertragsrückgang in Höhe von 650.000 Euro zu rechnen. Dieser resultiert aus den coronabedingt deutlich zurückgegangenen Fallzahlen der stationären Geschwindigkeitsmessanlagen. Von Mitte März bis cirka Mitte April brach der Autoverkehr fast vollständig ein.“ Bei den Gebühren, die zum Beispiel in der Zulassungs- und Führerscheinstelle zusammenkommen, kalkuliert der Kreis 325.000 Euro weniger ein. Das Schulamt rechnet mit 250.000 Euro weniger als ursprünglich. Hier schlagen die zusätzlich erforderlichen Desinfektionsmittel zu Buche. Desinfektionsmaßnahmen und -mittel seien vom Kreis zusätzlich zu zahlen und nicht in den aktuellen Verträgen mit den Reinigungsfirmen enthalten, heißt es.

Mehrausgaben von 700.000 Euro für Dienst- und Schutzkleidung

Weil wegen des Coronavirus der Außendienst im Bereich Schwarzarbeit ausgesetzt ist und weniger Lebensmittelkontrollen vorgenommen werden, geht auch das Ordnungsamt davon aus, dass Ende des Jahres nur 315.000 statt 420.000 Euro auf der Habenseite stehen werden. Gar mit Mehrausgaben von 700.000 Euro rechnet die Kreisverwaltung für Dienst- und Schutzkleidung. Dazu werde der steigende Verbrauch von Atemschutzmasken, Schutzkitteln, Einmalhandschuhen und Desinfektionsmitteln führen, verbunden mit „deutlichen Preissteigerungen aufgrund der Corona-Krise“. Auch im Sozialhaushalt schlägt sich die Pandemie nieder. Im Bereich „Bildung und Teilhabe“ werden die Kosten wegen der Schulschließungen sinken. Klassenfahrten und Nachhilfe fallen aus, in den Schulen wird kein Mittagessen angeboten. Zudem liegt das kulturelle Leben brach. Coronabedingt werde die Zahl der Bedarfsgemeinschaften steigen, prognostiziert die Verwaltung.

Wegfall von Elternbeiträgen für die Kitas auffangen

Was den Rettungsdienst betrifft, könnte die finanzielle Belastung etwa 2,1 Millionen Euro betragen. Die Gebühren aus dem Krankentransport und Rettungsdienst werden voraussichtlich deutlich niedriger ausfallen als in normalen Zeiten. Der Kreis geht von „sinkenden Einsatzzahlen aufgrund der Corona-Krise“ aus. Das Virus sorge für weniger Verkehr auf den Straßen und damit für weniger Unfälle, es komme zudem zu weniger Betriebsunfällen und die Angst vor Ansteckung reduziere die Zahl der Notrufe.

Schließlich muss der Kreis den Wegfall von Elternbeiträgen für die Kitas auffangen. Sie wurden für April und Mai ausgesetzt. Kostenpunkt: eine Million Euro. Hoffnung macht dem Kreis, dass die Einnahmen aus Elternbeiträgen grundsätzlich steigen werden, weil die Kitas stärker belegt sind als ursprünglich angenommen.

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