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Junge Union OWL über mögliche Kanzlerkandidaten

»Wer sagt denn, dass Merz gewählt wird?«

Paderborn/Detmold (WB). Der neue Bezirksvorsitzende der Jungen Union (JU) in Ostwestfalen-Lippe hat es am vorigen Sonntag in die ZDF-Sendung »heute journal« geschafft. Kevin Gniosdorz sprach sich am Rande des JU-Deutschlandtags in Saarbrücken vor der Kamera gegen CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer als Unions-Kanzlerkandidatin aus.

Andreas Schnadwinkel

Friedrich Merz spricht beim Deutschlandtag der Jungen Union. Foto:

»Wer Bundeskanzlerin werden will, der braucht ein gutes Krisenmanagement. Und das hat sie nicht. Die Kommunikation von der CDU-Spitze ist mangelhaft, ob auf das Desaster beim Rezo-Video oder die Reaktion auf das schlechte Europawahlergebnis«, sagt Kevin Gniosdorz und beklagt die fehlende Positionierung seiner Partei: »Wir werden zerrieben zwischen AfD und Grünen. Und es ist Aufgabe der Parteivorsitzenden, das zu verändern.«

Der 28-Jährige aus Paderborn hat den JU-Vorsitz in OWL vor kurzem von Lars Brakhage (29) übernommen, dessen Fokus als CDU-Kreisvorsitzender in Lippe auf der Kommunalwahl am 13. September 2020 liegt. »Ich möchte im nächsten Jahr die Kommunalwahlen in Lippe gewinnen. Und da wäre ein Bundestagswahlkampf vor der Kommunalwahl nicht hilfreich«, sagt Brakhage, der beim JU-Deutschlandtag gegen die Urwahl des Kanzlerkandidaten gestimmt hat.

Kevin Gniosdorz

Allerdings votierten 61,4 Prozent der Delegierten für den Antrag. »Ich habe gegen die Urwahl gestimmt, weil diese Diskussion im Moment nicht gut für uns ist und letztlich der Grund für dieses Schaulaufen der potenziellen Kandidaten war. Mitte der Legislaturperiode das Thema Urwahl so stark zu machen, schadet uns vor Ort«, meint Brakhage.

Dagegen befürchtet Gniosdorz, dass man über die Mitte der Legislaturperiode schon hinaus sein könnte – wegen des führungslosen Regierungspartners SPD. »Was die JU will, ist frühe Klarheit über das Verfahren, weil wir nicht wissen, ob und wann die SPD die Große Koalition aufkündigt. Und wir erkennen es nicht mehr als Automatismus an, dass der oder die Parteivorsitzende die Kanzlerkandidatur bekommt.«

Kevin Gniosdorz

Generell sieht der JU-Bezirkschef eine Urwahl nicht unkritisch und verweist auf die schlechten Erfahrungen der CDU mit dem Verfahren: Norbert Röttgen setzte sich 2010 in NRW gegen Armin Laschet durch und Guido Wolf 2014 in Baden-Württemberg gegen Thomas Strobl; Beide scheiterten bei den Landtagswahlen. »Daher ist die Urwahl kein Allheilmittel, aber ein starkes demokratisches Mittel«, sagt Gniosdorz.

Friedrich Merz nennt er einen »Mythos«, der in der Jungen Union eine starke Basis habe. »Ich bin 1991 geboren, und Merz hat sich Ende 2004 aus der ersten Reihe verabschiedet. So viel Einfluss hatte er nicht auf mich.«

Aber jetzt, so Gniosdorz, sei Merz wegen seiner Wirtschaftskompetenz, seiner USA-Verbindungen als Ex-Vorsitzender der Atlantik-Brücke und seiner klaren Positionen am ehesten als Kanzler geeignet: »Wir brauchen jemanden in der Union und in Deutschland, der sich auf internationalem Parkett gegen die Trumps, Putins und Erdogans dieser Welt durchsetzen kann. Und das traut man in der JU Friedrich Merz eher zu als anderen Kandidaten.«

Das weiß auch Lars Brakhage. Aber er hält es überhaupt nicht für ausgemacht, dass Merz aus einer Abstimmung unter CDU- und CSU-Mitgliedern als Kanzlerkandidat hervorginge. »Wer sagt denn, dass bei einer Urwahl automatisch Friedrich Merz gewählt wird? Beim Bundesparteitag«, so Brakhage, »hat AKK auch eine Mehrheit bekommen.«

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