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Selten gehörte Musik der Frühklassik

Werke von Wagenseil und Haydn sorgen in der Kaiserpfalz für heitere Atmosphäre

Paderborn

Unter der bewährten musikalischen Leitung von Thomas Berning hat das Orchester der Philharmonischen Gesellschaft Paderborn am vergangenen Sonntag in der Kaiserpfalz das 6. Konzert des ausklingenden Konzertzyklus 2021/2022 mit teilweise recht unbekannten Werken der Frühklassik aufgeführt. Als Gastsolistin konnten die Veranstalter die renommierte Cellistin Olivia Jeremias gewinnen, seit 2005 Solocellistin des Philharmonischen Staatsorchesters Hamburg.

Olivia Jeremias und das Orchester der Philharmonischen Gesellschaft Paderborn führen in der Kaiserpfalz unter Leitung von Thomas Berning Haydns Cellokonzert auf.

Das Orchester der Philharmonischen Gesellschaft eröffnete den Konzertabend mit der dreisätzigen Sinfonia in g-moll WV 418 (um 1760) von Georg Christoph Wagenseil. Zu seinen Lebzeiten war dieser als Hofkomponist und Hofklaviermeister unter anderem von Kaiserin Maria Theresia eine bedeutende Persönlichkeit der österreichischen Musikszene. Mit kompositorischen Neuerungen gab er wegweisende, perspektivische Impulse für die aufkommende Wiener Klassik. Solche Neuerungen konnten Wagenseils damals jüngere Kollegen wie Haydn und Mozart gern aufgreifen und weiterentwickeln. Es ist daher folgerichtig, dass Thomas Berning Werke von Joseph Haydn aufs Programm setzte.

Haydns Cellokonzert Nr.1 in C-Dur (um 1761) gehört heute zum Standardrepertoire von Konzertsolisten, obwohl es lange Zeit als verschollen galt. Erst 1961 tauchte eine Stimmenabschrift im Prager Nationalmuseum auf, und im Rahmen des „Prager Frühling“ 1962 fand die gleichsam zweite „Uraufführung“ statt. Die dezent wirkende Cellistin Olivia Jeremias gestaltete den Solopart dieses Konzertes überzeugend, spielte die schwierigen Passagen bravourös, hoch konzentriert, empathisch und schöpfte das enorme Klangpotential ihres wertvollen Instrumentes optimal aus, sehr zur Begeisterung der Konzertbesucher.

Erfreulich auch, dass Thomas Berning und das Orchester mit Haydns Sinfonie Nr. 47 in G-Dur (1772) ein eher selten gehörtes Werk einstudiert hatten. Zuvor wies Thomas Berning auf einige interessante Sonderheiten dieser Sinfonie hin und erläuterte kurz die Variationstechnik des langsamen Satzes sowie die Originalität des 3. Satzes, den man gleichermaßen auch von seinem Ende her spielen könnte. Wegen dieser geistreichen Komposition erhielt die Sinfonie auch den Beinamen „Palindrom“. Insofern hätte „Papa“ Haydn, ein kluger und humorvoller Geist, diesen Menuett-Satz im besten Sinne des Wortes auch als „Scherzo“ bezeichnen können.

Den Schlusssatz „Finale. Presto assai“, ein ungewohnt rasantes und von Thomas Berning zügig dirigiertes Stück, meisterte das hoch motivierte Orchester spieltechnisch souverän. Mit der gelungenen Interpretation konnten die Mitwirkenden sowohl das eigene hohe musikalische Niveau wie auch das dieser Sinfonie eindrucksvoll präsentieren. Das ist umso erfreulicher, denn oft genug werden anderweitig Haydn-Sinfonien leider zu beiläufigen „Programm-Füllern“ in Konzerten abgewertet.

Für ein ausgeprägt heiteres Saison-Abschlusskonzert gab es einen spürbar dankbaren Applaus. Es sei darauf hingewiesen, dass am 3. Oktober dieses Jahres das Orchester der Philharmonischen Gesellschaft mit einem Festkonzert zum Tag der Deutschen Einheit in der Paderhalle seinen nächsten Konzertzyklus 2022/2023 eröffnen wird.

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