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»Der andere Prophet«: Christlicher und muslimischer Theologe schreiben Buch

Wie der Koran Jesus sieht

Paderborn/Münster (WB). Jesus spielt im Koran eine bedeutende Rolle: In 108 Versen in 15 Suren wird er direkt erwähnt. Der christliche Theologe Klaus von Stosch (Paderborn) hat gemeinsam mit seinem muslimischen Kollegen Mouhanad Khorchide (Münster) darüber ein Buch geschrieben.

Theologe Klaus von Stosch (Rechts, Paderborn) hat gemeinsam mit seinem muslimischen Kollegen Mouhanad Khorchide (Münster) ein Buch geschrieben.

Im jetzt erschienenen Buch »Der andere Prophet. Jesus im Koran« (Herder-Verlag) kommen beide zu interessanten Ergebnissen: Der Koran beinhaltet den Wissenschaftlern zufolge viel weniger Polemik gegen das Christentum als bisher angenommen. Sechs Jahre lang haben die beiden Theologen dieses Buch in einem gemeinsamen Prozess geschrieben, und verantworten bis auf die persönlichen Reflexionen am Schluss gemeinsam den Inhalt. Sie wurden in ihrer Arbeit von einem christlich-muslimischen Forscherteam unterstützt.

Christusvorstellungen im 7. Jahrhundert

In einem ersten Kapitel setzen sie sich mit den Christusvorstellungen auseinander, die auf der arabischen Halbinsel im 7. Jahrhundert zur Zeit der Entstehung des Islams existierten. Damals befand sich das Christentum noch in einem erbitterten Streit um die rechte Christologie, auch in Mekka und Medina dürften diese innerchristlichen Auseinandersetzungen bekannt gewesen sein.

Selbstkritisch fragt sich Klaus von Stosch, katholischer Professor für Systematische Theologie, ob die koranische Irritation über die christologischen Streitigkeiten nicht auch als Appell an die Christen heute verstanden werden könnte, noch mehr als Einheit aufzutreten und »nach einer sichtbaren Ökumene der Kirche zu streben«. Kernstück des Buches ist die Auslegung der Suren 19, 3 und 5. Hier zeigten die Ergebnisse den Forschern zufolge, dass die koranische Kritik am Christentum ausdrücklich nur bestimmten Gruppierungen, nicht aber dem Christentum insgesamt gelte.

Neue Interpretationen

Auch den Vers 5,51, der es Muslimen nahezulegen scheint, keine Freundschaften mit Juden und Christen einzugehen, interpretieren die Theologen anders als etwa salafistische Kreise: Ein paar Verse später, in Vers 57, werde klar, dass die Aufforderung, sich von Freundschaften mit Christen und Juden fernzuhalten, sich nur an diejenigen richte, die mit der islamischen Religion Spott treiben.

Die besondere Rolle Jesu im Koran wird ebenfalls herausgearbeitet: seine besondere Geburt, seine Wundertaten. Jesus wird als einziger Prophet als »Gott Nahestehender« sowie als Wort und Geist Gottes bezeichnet. Der Koran und Jesus gelten beide als Zeichen, die Gott den Menschen gibt, um ihnen Barmherzigkeit zu erweisen.

Trotz aller Wertschätzung Jesu im Koran bleibt er allerdings nur eines unter mehreren Zeichen Gottes, und ist nicht wie im christlichen Sinne die Offenbarung Gottes schlechthin. Er bleibt ein Mensch und wird in die Reihe der Propheten gestellt. Diese erlaube es, Jesu »Rolle zu relativieren, zugleich aber auch seine Besonderheit genauer zu konturieren«.

In dem Buch wird auch von den »Leerstellen des Korans« gesprochen: Die Passion Jesu sowie sein Leiden am Kreuz werden im Koran nicht erwähnt. Es bleiben also Unterschiede. Ob diese ein unversöhnbarer Gegensatz sind oder »eine produktive Verschiedenheit beider Religionen« (Khorchide) muss jeder selbst entscheiden. Das Buch will ein erster Schritt zu einer »lernbereiten, dialogischen und friedensfördernden Neubestimmung des Verhältnisses von Islam und Christentum« sein, heißt es im letzten Satz.

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