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Pilotprojekt entwickelt innovative App

Wie Twitter, Instagram und Facebook der Feuerwehr Paderborn helfen können

Paderborn

Wie Tausende andere Bürger der Stadt nutzt auch die Paderborner Feuerwehr die Sozialen Medien, um Beiträge zu veröffentlichen und sich zu präsentieren. Doch das ist längst nicht alles.    

Die Paderborner Feuerwehr nutzt ein neues digitales Unterstützungssystem. Zur besseren Lageeinschätzung fließen dort auch Informationen aus sozialen Medien in die App ein. Weitere Datenbereiche sollen hinzukommen.   Foto: Jörn Hannemann

Im Rahmen eines wegweisenden Pilotprojekts analysiert eine innovative Software unter anderem das Online-Verhalten der Mitmenschen. So sollen im Fall der Fälle, wie beispielsweise zuletzt beim Tornado, für Einsatzkräfte schnell der Ernst der Lage erkennbar werden und sie damit schneller reagieren können.

Das teilt die Stadt in einer Pressemitteilung mit.  Konkret geht es um die so genannte Inspire-App des Paderborner Unternehmens „Safety Innovation Center gGmbH“. Nach einer dreijährigen Projektlaufzeit, die im Oktober endete, begleitet die Software zur Gefahrenabwehr inzwischen die Feuerwehr den ganzen Tag über. Seit September 2022 wird sie im realen Einsatzdienst genutzt und hat bereits positives Feedback von Seiten der Führungskräfte erhalten, heißt es.

„Wenn Inspire bei dem Tornado bereits gelaufen wäre und Bilder den Ernst der Lage so frühzeitig übermittelt hätten, wäre die Feuerwehr der Stadt Paderborn sehr froh gewesen und hätte eine schnellere und zugleich umfassendere Lageeinschätzung vornehmen können“, wird Sebastian Winter zitiert, der bei der Feuerwehr für vorbeugende Gefahrenabwehr zuständig ist. Damals habe sich die Software noch im Testbetrieb befunden. Im Nachgang hätte daraus jedoch ein Lagebild aus den im Hintergrund gesammelten Daten erstellt werden können. Das Fazit der Stadt: „Hier sieht man in jedem Fall, wozu Social Media am Ende fähig ist und wie man es zur Gefahrenabwehr nutzen kann.“

Das neue digitale Unterstützungssystem könnte insbesondere bei Großschadenslagen wie dem Tornado im Mai 2022 hilfreich werden und frühzeitig einen Überblick über die Lage geben, hofft die Feuerwehr. Auch andere Hilfsorganisation sollen perspektivisch vom System profitieren. Foto: Jörn Hannemann

Auffälliger Anstieg von Beiträgen mit Hashtag #tornado

Anhand der Auswertungen konnte beispielsweise bei dem Tornado in Paderborn über Social Media festgestellt werden, dass bereits kurz vor dem ersten Einsatz der Feuerwehr erste Hinweise zum Stichwort Tornado auf Social Media vorlagen. In den Daten wurde damals ein auffälliger Anstieg von Beiträgen mit den Hashtags, also Stichworten, #tornado und #paderborn in diesem Zeitraum erfasst. Der als Plattform dienende Inspire-Hub ermöglicht, solche sich häufende Meldungen und Schlagwörter zu überwachen, um damit frühzeitig Krisensituationen zu erkennen und einsatztaktisch darauf reagieren zu können.

Außerdem bietet sie die Möglichkeit, Bilder aus Social Media zu sammeln, auszuwerten und in einer Karte darzustellen, um einen schnelleren Lageüberblick zu erhalten, da die Fotos mit einer Verortung durch Metadaten und GPS dargestellt werden können.

Die Inspire-App und der im Hintergrund agierende Inspire-Hub können der Feuerwehr somit helfen, Krisensituationen besser zu steuern, heißt es in der Pressemitteilung der Stadt. Gleichzeitig heißt es auch einschränkend: Ein völlig automatisierte Social-Media-Auswertung und Steuerung über 24 Stunden am Tag und an allen sieben Tagen der Woche könne jedoch „aufgrund der Komplexität der jeweiligen Herausforderungen“ auch mit Inspire nicht erreicht werden. „Letztendlich muss immer noch ein Mensch die Daten interpretieren und Entscheidungen treffen.“

Projekt wird mit 1,6 Millionen Euro gefördert

Das Inspire-Projekt wird vom Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung des Landes Nordrhein-Westfalen über einen Zeitraum von vier Jahren bis Juni 2023 mit rund 1,6 Millionen Euro gefördert. Nach Abschluss soll es auch anderen Gefahrenabwehrorganisationen im Land bereitgestellt werden.

Der Projektname steht dabei für „Integrierte Sicherheits-Pilot-Region". Dahinter steckt das so genannte „Safety Innovation Center Paderborn“. Die Firma wurde aus der Uni Paderborn ausgegründet, wobei sich Wissenschaftler und Interessierte der Gefahrenabwehr zusammengefunden haben, um Sicherheitsforschung zu betreiben. Projektpartner sind der Kreis Paderborn, die Digitale Heimat PB, die Universität Paderborn, die Firma Symcon aus Lübeck, die Firma RTB aus Bad Lippspringe sowie die Firma Multicopter & Drones mit Stammsitz in Essen im Verbund mit der Germandrones GmbH aus Berlin und die Feuerwehr der Stadt Paderborn sowie das Ordnungsamt des Kreises Paderborn als Anwender dieser Lösungen.

Mehr als eine Million Social-Media-Posts ausgewertet

In der bisherigen Testumgebung wurden unter anderem bereits 1,6 Millionen Datensätze zur Messung von Personenströmen, 100.000 Datensätze von Drohnen und mehr als 1,1 Millionen Social-Media-Posts ausgewertet, teilt die Stadt mit.

Frühlingsfest und Asta-Sommerfestival 
dienten bereits als Testumgebung

Bei mehreren Paderborner Großveranstaltungen wurde das neue System bereits getestet, beispielsweise beim Asta-Sommerfestival 2022. So wurde die Brandsicherheitswache der Feuerwehr Paderborn durch eine Drohne mit Bildern aus der Luft unterstützt, durch eine Personenstrom-Messung in einem Bereich des Festivalgeländes große Ansammlungen von Personen frühzeitig erkannt. Vervollständigt wurde das Lagebild der Einsatzkräfte durch Informationen von Social-Media-Beiträgen.

Ebenfalls im Pilotbetrieb war „Inspire“ auch beim Frühlingsfest vergangenen Jahres dabei, wo beim Auftritt von Josh („Cordula Grün“) vor der Hauptbühne des Rathausplatzes potenzielle Engstellen erkannt wurden.

Bereits beim Frühlingsfest wurde das neue System getestet, das beim Auftritt von Josh („Cordula Grün“) die Menschenmenge vor der Hauptbühne des Rathausplatzes in den Fokus nahm.   Foto: Jörn Hannemann
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