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Zum 25. Geburtstag stellt das Paderborner Computermuseum die Veränderungen in der Dauerausstellung vor

Willkommen im neuen HNF

Paderborn

Im Paderborner Computermuseum sieht es jetzt ein bisschen so aus wie in Stonehenge. Aber anders als in England bestehen die Stelen in Paderborn nicht aus Stein, sondern aus Acrylglas und sind blau beleuchtet.

Von Dietmar Kemper

„Wir haben versucht, den verschachtelten und in die Jahre gekommenen Eingangsbereich luftig und modern zu gestalten“, betont Evelin Thomik. Foto: Oliver Schwabe

Im Eingangsbereich der Dauerausstellung im Heinz-Nixdorf-Museumsforum geleiten sie die Gäste dorthin, wo die Geschichte beginnt – in die Zeit, in der Schreiben und Rechnen erfunden wurden.

„Wir wollten eine Art Strudel oder Tunnel gestalten, der die Besucher in den gesamten Ausstellungsbereich hineinzieht“, sagte die zuständige Kuratorin des HNF, Evelin Thomik, am Donnerstag bei der Vorstellung der Neuerungen.

Der Eingangsbereich war seit 1996 unverändert geblieben, zum 25. Geburtstag des Museums wurde er mit maßgeblicher Unterstützung des Paderborner Tischlers Alexander Ostermann neu konzipiert. Nicht zuletzt für Kinder ist auch inhaltlich etwas verändert worden. An einer Multimediastation können sie zum Beispiel mit einem Kerbholz nachrechnen, wie viele Mammuts ein Urzeitmensch erlegt hat und wie viele Schafe in ein Gehege gelaufen sind. HNF-Geschäftsführer Jochen Viehoff war es wichtig, „dass am Anfang nicht sofort alles flimmert, Monitore haben wir in der Ausstellung noch genug“.

Der ruhige, aber gleichzeitig stimmungsvolle Tunnel ist nicht das einzige neue Element in der Dauerausstellung. Zu sehen ist künftig ein Nachbau des Elektronensaldierers ES 24 von Heinz Nixdorf aus dem Jahr 1953. Es war einer der ersten elektronischen Rechner in Deutschland überhaupt. „Er konnte nur addieren und wurde in Banken und bei der Lagerhaltung eingesetzt“, erläuterte David Woit­kowski vom HNF. Dank des ersten serienmäßig vertriebenen Geräts von Heinz Nixdorf hätten die Bankmitarbeiter für den Tagesabschluss nur noch zwei Stunden gebraucht statt den ganzen Tag. Der ES 24 wurde mit einem Lochkartensortierer kombiniert und verarbeitete bis zu 42.000 Karten in der Stunde.

Rainer Glaschick (links), der den Nachbau konstruierte, und HNF-Chef Jochen Viehoff schauen auf die Maus im Labyrinth. Foto: Oliver Schwabe

Nachgebaut hat ihn der Geschäftsführer der Tigris Elektronik GmbH, Henry Westphal. Er erläuterte: „Wir zeigen alles, was in dem Gerät drin ist. Wir haben es flächig aufgebaut, so dass man alles nebeneinander sehen kann, was im Original hintereinander war.“

Die Museumsgäste können selbst in die Rolle von Bankangestellten in den 50er Jahren schlüpfen und mit dem ES 24 mit seinen 204 Röhren rechnen. Westphal geht davon aus, dass der Nachbau 20 Jahre durchhält. Für den Fall, dass Röhren kaputtgehen, hat er 1200 in Reserve. Eine neue Attraktion ist die Maus „Theseus“, die der Mathematiker Claude Shannon 1950 entwickelte. Sie fand selbständig aus einem Labyrinth heraus. „Sie war nicht mehr als ein Spielzeug und hatte keinen industriell verwertbaren Zweck, aber es war eines der ersten Male, dass ein Gerät ein Problem lösen konnte“, sagte Woitkowski.

David Woitkowski mit dem Nachbau des Elektronensaldierers von Heinz Nixdorf. Er beschleunigte die Buchhaltung. Foto: Oliver Schwabe

Den Weg zum Ziel speicherte die elektromechanische Maus in Relais unterhalb des Labyrinths. Für Jochen Viehoff ist sie „ein wunderschönes Beispiel dafür, wie man Maschinen lernfähig machen kann“. Von „Theseus“ sind zwei Nachbauten vorgesehen, eine für die Dauerausstellung des Massachusetts Institute of Technology in den USA. Das HNF in Paderborn zählte seit der Eröffnung vor 25 Jahren 2,8 Millionen Besucher. Wegen Corona brachen die Zahlen 2020 auf 56.000 ein. Der neue Eingangsbereich und die zusätzlichen Attraktionen sollen das Interesse neu wecken.

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