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Die Schattenseite der weißen Pracht: Bauern appellieren, nicht ihre Felder und Äcker platt zu trampeln

Winter-Ausflügler ärgern Landwirte

Paderborn

Wenn Schnee fällt, zieht es viele Menschen nach draußen in die weiße Pracht. Gerade in Corona-Zeiten, wenn dies oft die einzige Möglichkeit der Freizeitgestaltung ist und Fahrten zu Ski- und Rodelgebieten vermieden werden sollen, fahren viele Familie einfach zur nächsten Freifläche

Jörn Hannemann

Landwirte wie Eduard Gockel (links) und Elmar Nagel beklagen Schäden durch Schnee-Touristen – wie hier am Querweg am Monte Scherbelino. Foto: Jörn Hannemann

So auch am Paderborner Querweg am Monte Scherbelino, wo sich auch in den vergangenen Tagen wieder Dutzende Menschen auf dem Acker ausgelassen tummelten, Schneemänner bauten und Kinder auf dem Schlitten durch den Schnee zogen.

„Das zerstört aber unsere Äcker“, ärgern sich die Landwirte und Grundstückseigentümer Eduard Gockel und Elmar Nagel. Sie haben durchaus Verständnis dafür, dass die Menschen in der trostlosen Corona-Zeit, in der alles geschlossen hat, Spaß haben wollen. An vielen Stellen werden dadurch aber die kleinen Ackerpflänzchen plattgetrampelt und beschädigt. „Ich unterstelle nicht einmal eine böse Absicht, sondern viel mehr Gedankenlosigkeit in den meisten Fällen“, sagt Eduard Gockel. Vielen sei vielleicht auch nicht bekannt, dass die die dort angebaute Gerste sehr empfindlich und „nachtragend“ sei.

Was den 58-Jährigen und den 44-Jährigen allerdings richtig sauer macht, ist, dass außerdem noch Hinterlassenschaften der Schnee-Touristen zurückbleiben wie leere Getränkeflaschen, Handschuhe oder auch armdicke Stöcker, die das Schneidwerkzeug der Mähdrescher bei der Ernte beschädigen können. Als ein weiteres Problem führen die beiden Landwirte Hundebesitzer auf, die ihre vierbeinigen Lieblinge über ihr Grundstück frei laufen lassen und so das dort in der Nähe lebende Rehwild in Panik versetzen und aufscheuchen. „Hier liegt nebenan die viel befahrene B64. Da kann es ganz schnell zu schweren Unfällen kommen.“

Die Schnee-Touristen lassen oft auch Müll zurück. Foto: Jörn Hannemann

Bereits in der Vergangenheit haben sie den „Respekt vor dem Eigentum anderer Leute“ vermisst. Auf einem Acker eines Nachbarn sei mit einem Geländewagen „gedriftet“ worden, außerdem seien ihre Äcker als illegale Müllkippen genutzt worden, um eine Wohnzimmer- und Schlafzimmerausstattung zu entsorgen. Bei Großveranstaltungen am Mone Scherbelino seien die landwirtschaftlichen Nutzflächen außerdem als wilde Parkflächen genutzt worden. „Als ich einzelne Personen darauf angesprochen habe, ist mir sogar gedroht worden, aber man kann doch nicht alles so hinnehmen“, sagt Gockel.

Elmar Nagel hatte am Montag auch das Ordnungsamt und die Polizei auf die Situation aufmerksam gemacht. Doch helfen hätten sie auch nicht können.

Und so richten beide den Appell an alle Winterfreude: „Bitte baut die Schneemänner doch beispielsweise am Hang des Monte Scherbelino oder im angrenzenden Naherholungsgebiet – aber nicht auf unseren Äckern und Feldern.“

„Alles plattgetreten“. Darunter leidet die angebaute Gerste. Foto: Jörn Hannemann
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