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Trio überzeugt mit Sprachwitz und Wortspiel – Kabarettfest mit gebührendem Abschluss

»Wo gehobelt wird, da fällt der Spahn«

Paderborn (WB). Mit zwei ausverkauften Aufführungen von »Storno – Die Sonderinventur« ist am Donnerstagabend das Kabarettfestival zu Ende gegangen. Tritt Storno sonst eher auf kahler Bühne mit schwarzer Aushängung auf, so hatte der Westdeutsche -Rundfunk (WDR) für die Aufzeichnungen ein prunkvolles Bühnenbild spendiert.

Michael Welling

Faszinierenden Sprachwitz, urkomische Mimik, skurrile Wortspiele: Thomas Philipzen (von links) Harald Funke und Jochen Rüther überzeugen das Publikum zum Abschluss des diesjährigen Kabarettfestes in der Paderhalle. Foto: Michael Welling

Auf glänzend schwarzem Bühnenboden prangten ist verschiedensten Beleuchtungen die Buchstaben von Storno, Lichteffekte zauberten eine scheinbar endlose Bühnentiefe und auch der Publikumsbereich war illuminiert. Die »Sonderinventur« hatte gegenüber der bereits im vergangenen Dezember an gleicher Stelle zu sehenden Jahresabrechnung zwar nicht viel Neues zu bieten, war aber trotzdem unterhaltsam. Ein Geheimnis des Erfolges liegt sicher in den unterschiedlichen Charakteren der drei Künstler, die sich geschickt die Bälle zuwerfen und so wesentlich abwechslungsreicher und vielfältiger sein können als ein Solo-Kabarettist. Jeder spielt seine ihm eigene Rolle: Jochen Rüther den Intellektuellen, Thomas Philipzen den Quirlig-Wuseligen und Harald Funke den etwas Naiv-Komischen. Sprachwitz, urkomische Mimik, skurrile Wortspiele aber auch Kalauer und Lieder faszinieren wie immer.

Sie bringen Martin Schulz in Erinnerung, jenen »Heiland aus Würselen«, den Erzengel Gabriel einst verkündet hatte. Zu Christian Lindners Frisur fällt ihnen ein »Wahlkampftransplantationsgesetz« ein und Sahra Wagenknecht mutet ihnen aufgrund der Omnipräsenz in Talkshows wie ein Bildschirmschoner an. »Seehofer haben sie aus Bayer ausgesödert« und »Wo gehobelt wird, da fällt der Spahn« kalauern sie weiter.

Überhaupt habe Deutschland viel zu wenig Lichtgestalten, »selbst Franz Beckenbauer ist nur noch eine Energiesparlampe«, während England für sie »Brexikistan, ein inkontinenter Kontinent« ist.

In Dieselfahrern erkennen sie die Raucher unter den Autofahrern, die nur noch tief in der Nacht tanken, wenn es keiner sieht. »Dieselautos will doch keiner mehr haben, zum neuen Navi kriegste doch heute einen Diesel dazu« sind sie sicher. Die rasante Entwicklung in der Technik fand ebenfalls ihren Niederschlag. Da schickt die Zahnbürste dem Fön auch mal eine Mail und wenn der Opa plötzlich in der Kirche während des Orgelkonzertes anfängt Hip-Hop zu tanzen, wurde sein Herzschrittmacher wohl von Jugendlichen gehackt.

Thomas Philipzen, gebürtiger Driburger, streute immer wieder Lokalkolorit mit ein, besonders der Ort Schwaney hatte es ihm angetan. Zum »Running Gag« wurde Helmut aus der ersten Reihe, der für manchen Spaß herhalten musste. Zum Schluss gab es dann noch eine urkomische Lindenberg- und Grönemeyer-Parodie und nach tobendem Schlussapplaus zusammen mit dem Publikum das unverzichtbare »Halleluja«. Ein genauer Sendetermin steht noch nicht fest.

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