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Paderborner IT-Dienstleister Mettenmeier hat schon vor dem ersten Lockdown digitales Arbeiten im Homeoffice eingeführt

„Wo jemand sitzt, ist nicht wichtig“

Paderborn

Kontakte vermeiden – das ist im Großraumbüro schwierig. Während viele Unternehmen sich aus verschiedenen Gründen noch schwer tun, den Mitarbeitern Arbeit im Homeoffice zu ermöglichen, sind bei der Paderborner Mettenmeier GmbH nur noch wenige, dort unverzichtbare Beschäftige vor Ort an der Klingenderstraße.

Maike Stahl

Philipp Tezlaff, Assistent der Geschäftsführung, tauscht sich mit Dirk Stelloh und Stefanie Mollemeier über ein Teams-Meeting aus. Foto: Jörn Hannemann

Ein Großteil der 200 Mitarbeiter arbeitet von zu Hause aus, Besprechungen laufen ebenso virtuell wie Kundenbesuche. „Der Werkzeugkasten unserer Mitarbeiter ist ein Computer mit einer guten Anbindung an unsere Server. Wo sie dabei sitzen, ist für die Arbeitsleistung nicht so entscheidend“, sagt Geschäftsführer Ulrich Mettenmeier. Deshalb hatte das Unternehmen bereits vor der Pandemie entschieden, im Zuge der Flexibilisierung mehr Homeoffice zu ermöglichen. „Das hatte den Vorteil, dass wir im ersten Lockdown direkt durchstarten konnten, weil wir bereits die entsprechende Infrastruktur geschaffen hatten.“

Damit die Mitarbeiter des IT-Dienstleisters unterein­ander, aber auch mit Kunden und Anwendern in Kontakt bleiben können, setzt Mettenmeier auf Microsoft Office 365 und nutzt für Besprechungen und gemeinschaftliches Arbeiten Microsoft Teams.

Headsets, Kameras, Laptops und weitere Ausstattung, damit auch Videokonferenzen reibungslos funktionieren, hat das Unternehmen angeschafft, um auch diejenigen Mitarbeiter entsprechend ausrüsten zu können, die zu Hause nicht über das nötige Equipment verfügen.

„Klar ist das eine Investition. Aber wenn wir Corona-Fälle mit den entsprechenden Ausfällen hätten, würde uns das auch teuer zu stehen kommen“, sagt Mettenmeier. Insofern sei die Investition in den Gesundheitsschutz auch wirtschaftlich sinnvoll. Ganz davon abgesehen, dass ein Arbeitgeber, der flexible Arbeitszeitmodelle biete, für viele interessanter sei.

Sorge, dass die Belegschaft die Zeit im Homeoffice auf dem Sofa vertrödeln könnte, statt am Rechner zu sitzen, hat Mettenmeier nicht. „Letztendlich entscheidet auch das Arbeitsergebnis über den Erfolg und nicht das Absitzen von Regelarbeitszeiten“, ist er überzeugt. Da mit den Mitarbeitern Ziele vereinbart würden, sei dieses Ergebnis viel aussagekräftiger als Präsenzzeiten im Büro.

Projektleiter Dirk Stelloh weiß die Flexibilität im Homeoffice zu schätzen, auch wenn dort räumlich mit zwei Kindern, die gerade auch von zu Hause aus lernen, kreative Lösungen gefunden werden müssten. „Aber das kennen die meisten. Und so lernt man von Kollegen und Kunden ein bisschen mehr kennen“, sagt er. Stefanie Mollemeier, als technische Geschäftsführerin derzeit ebenfalls im Homeoffice, freut sich, dass sich auch die Kameranutzung bei Online-Meetings inzwischen etabliert habe. „Anfangs gab es große Zurückhaltung, aber inzwischen haben alle gemerkt, dass etwas fehlt, wenn man sich gar nicht mehr sieht.“

Und auch für das fehlende informelle Miteinander sei inzwischen eine Pandemie-Lösung gefunden worden. „Vor dem ersten Meeting gibt es morgens eine Viertelstunde Gelegenheit, einfach mal so virtuell ins Gespräch zu kommen. Das ist ganz wichtig, weil sonst doch einiges verloren geht“, sagt Mollemeier.

Dass die Arbeit im Homeoffice zum Dauermodell werden könnte, kann sich bei Mettenmeier aber keiner so recht vorstellen. „Ich bin überzeugt, dass wir in unsere Büros zurückkehren werden. Aber ich glaube auch, dass die Frage, wo gearbeitet wird, künftig sehr viel flexibler gehandhabt wird, und davon können alle profitieren“, sagt Stefanie Mollemeier.

Und auch Ulrich Mettenmeier rechnet in absehbarer Zeit wieder mit deutlich mehr Leben in den Räumen an der Klingenderstraße, für die ein ausgeklügeltes Hygienekonzept entwickelt wurde. „Deshalb haben wir die Gelegenheit jetzt genutzt, um zu renovieren und für alle höhenverstellbare Schreibtische anzuschaffen.“

Doch das ist es gar nicht, worauf sich Dirk Stelloh und Stefanie Mollemeier am meisten freuen. „Sich wieder unbeschwert sehen zu können, mal eben zum Kollegen rüberzugehen mit seinem Anliegen oder am Rande einer Besprechung kurz zu plaudern – das fehlt.“

Dazu ein Kommentar von Maike Stahl

Auch diese Zeilen wurden im Homeoffice verfasst. Dass es möglich ist zuhause zu arbeiten, statt im Großraumbüro zu sitzen, ist im Kampf gegen weitere Corona-Infektionen zweifellos ein großes Pfund.

Doch es verlangt allen Beteiligten einiges ab: sowohl auf zwischenmenschlicher Seite als auch technisch. Nicht für jedes Unternehmen und jeden Mitarbeiter ist Homeoffice problemlos umzusetzen – von einer ungenügenden Datenanbindung bis zur nötigen Ausstattung, die im Moment auch oftmals nur mit langen Lieferzeiten zu bekommen ist. Klar ist aber, dass Betriebe und Behörden, die jetzt digitale Lösungen schaffen, eine Zukunftsinvestition tätigen.

Die Möglichkeit flexiblen Arbeitens wird nicht nur im Fall einer Pandemie wertvoll sein, sondern auch, wenn es darum geht, gut ausgebildete Fachkräfte zu gewinnen und zu binden. Selbst wenn nicht gleich alles perfekt und professionell funktioniert, ist dies eine gute Gelegenheit in der Hinsicht, beim digitalen und flexiblen Arbeiten gemeinsam einen großen Schritt weiter zu kommen.

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