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In Paderborn hat sich eine Regionalgruppe der Gemeinwohl-Ökonomie gegründet

Ziel: Ein gutes Leben für alle

Paderborn

Es geht ihnen um Nachhaltigkeit, Ökologie, aber auch um soziale Gerechtigkeit: In Paderborn gibt es nun eine Regionalgruppe der Gemeinwohl-Ökonomie (GWÖ). Nach eigenen Angaben will sie Unternehmen und Institutionen dazu gewinnen, sich mit der Gemeinwohl-Bilanzierung zu beschäftigen.

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Die GWÖ-Combo sorgte mit dem Lied bei der Gründungsveranstaltung für gute Stimmung (von links): Uli Kloppenburg, Klaus Schüssler und Hans-Werner Hüwel Foto: Christoph Brockmeyer

Ein konkretes Projekt der Gemeinwohl-Ökonomie sei in Paderborn die gemeinwohl-orientierte Quartiers­entwicklung in der ehemaligen Dempsey-Kaserne in Schloß Neuhaus. Als zentrales Instrument der GWÖ gilt die Gemeinwohl-Bilanzierung. Sie bewertet den Beitrag von Unternehmen und Institutionen mit Blick auf Werte wie Menschenwürde, Solidarität, ökologische Nachhaltigkeit, soziale Gerechtigkeit oder demokratische Mitbestimmung. Gemeinwohl-Ökonomie stärke und stütze Regionen, Städte und Dörfer, weil sie daran arbeite, Natur, Konsum und soziale Gerechtigkeit in ein Gleichgewicht zu bringen, teilte die GWÖ-Regionalgruppe mit. Das seien Langzeitziele. Zurzeit leide die Regionalgruppe wie alle unter der Pandemie.

Auch die Gründungsveranstaltung musste digital stattfinden, was der Aufbruchsstimmung aber nicht geschadet habe. Die Organisatoren hatten ein musikalisches Trio zusammengestellt, das die Teilnehmer der Veranstaltung mit ihrer Version des Songs „Bruttosozialprodukt“ überzeugen sollte. Ermutigung sei von den Gästen gekommen, die der neuen Paderborner Gruppe Ideen und Ratschläge auf den Weg gegeben hätten.

Christian Felber, Gründer der Gemeinwohl-Ökonomie-Bewegung in Deutschland, war mit einem Video zugeschaltet. Die Umorientierung vom reinen Profit- und Wachstumsdenken hin zu dem Ziel eines „guten Lebens für alle“ entspreche den ethischen Überzeugungen der Mehrheit der Menschen und der Unternehmen, betonte Felber.

Einer der regionalen Pioniere für die Gemeinwohl-Ökonomie ist Albrecht Binder, Apotheker aus Steinheim. Er habe zuerst sein Unternehmen nach den Regeln der Gemeinwohl-Ökonomie zertifiziert und dann den Anstoß zu einer flächendeckenden Entwicklung im Nachbarkreis Höxter gegeben. Der Kreis Paderborn könne vom Kreis Höxter in dieser Beziehung noch viel lernen. Das es auch westlich der Egge Ansatzpunkte für eine andere Wirtschafts- und Sozialethik gibt, sagte René Fahr, Wirtschafts­professor an der Uni Paderborn. Studierende sind an dem Projekt in der Dempsey-Kaserne beteiligt. Fahr will die Zusammenarbeit von Uni und Stadt ausweiten.

Eigeninitiative zähle, wenn Veränderungsprozesse sich durchsetzen sollen. Die Unternehmerin Petra Kaiser berichtete über die Zertifizierung ihrer „Linsen-Manufaktur“ nach den GWÖ-Richtlinien. Regionaler ökologischer Anbau als Basis für nachhaltige und gesunde Lebensmittel – das sei ganz im Sinne der Gemeinwohl-Ökonomie.

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