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Eine Krippe für den Klostergarten – junge Christen feiern das etwas andere Weihnachten 2020

Die Botschaft bleibt

Salzkotten

„Nicht wir müssen Weihnachten retten, Weihnachten rettet uns“, erinnert Vivien Szentner (19) an die ursprüngliche Botschaft der Geburt Jesu und bringt damit die Diskussionen der vergangenen Wochen, wie 2020 das Hochfest der Christen gefeiert werden kann, auf eine einfache Formel. „Weihnachten und die Botschaft bleiben. Es ist nur anders, und wir können es anders erleben“, sagt Vivien, die eigentlich jetzt in Indien wäre.

Marion Neesen

Schwester M. Alexa sowie Leonie Wulf (links) und Marie-Luice Liebenau haben in diesen Tagen bereits einige fertige Krippenfiguren im Klostergarten aufgestellt. Foto: Jörn Hannemann

Die 19-Jährige hatte sich bei den Franziskanerinnen als Missionarin auf Zeit (MaZ) beworben. Statt im August nach Indien zu fliegen, verbringt sie das Jahr nun in Salzkotten. Gemeinsam mit zwei weiteren „gestrandeten“ Mazlern hat sie eine Wohngemeinschaft im Antoniushaus auf dem Klostergelände bezogen. Die jungen Frauen helfen im Altenheim St. Clara und in der Astrid Lindgren Schule. „Das ist für mich kein negativer Plan B. Wir sind sehr glücklich hier und wollen eigentlich gar nicht mehr weg“, lacht Vivien, „und Gutes bewirken kann man überall.“

Seit dem ersten Advent haben die Mazler gemeinsam mit Marie-Luice Liebenau (26), die derzeit ein freiwilliges Ordensjahr im Kloster verlebt, und Pastoralassistentin Leonie Wulf (26) ihr Augenmerk auf die Gestaltung einer Krippe im Klostergarten gelegt. „Wir wollten draußen etwas machen, das alle Bewohner im Kloster und St. Clara sehen können“, erklärt Schwester M. Alexa Furmaniak.

Sie betreut die Missionare auf Zeit. Entstanden sind in handwerklicher und künstlerischer Arbeit zahlreiche Figuren. Dafür haben die Krippenbauerinnen die ehemalige Wäscherei im Antoni­ushaus zur Werkstatt umfunktioniert. Die Heilige Familie, Hirten, die Könige, Schafe, einen Hund und auch den Heiligen Franziskus haben sie auf Spanplatten gemalt, die zuvor als Trennwände beim Umbau des Altenheims St. Clara verwendet worden waren.

Neben der Auseinandersetzung mit der eigenen Kreativität haben die Frauen bei dieser Arbeit auch einen ganz neuen Zugang zum Glauben und zu den Protagonisten der Weihnachtsgeschichte gefunden. „Wie sollen die Figuren sein, welche Haltung sollen sie einnehmen und welche Bedeutung hat Maria überhaupt – das waren Fragen, die sich ganz automatisch eingestellt haben“, sagt Schwester M. Alexa. Auch meditative Momente habe es gegeben. „Die Arbeit hat uns näher gebracht, und wir haben Spaß daran, anderen eine Freude zu bereiten“, berichtet Leonie Wulf von ihrer Erfahrung.

Marie-Luice Liebau bemalt eine der Spanplatten. Foto: Jörn Hannemann

Die Stunden in der Werkstatt gaben allen auch Gelegenheit, über das vergangene Jahr nachzudenken, das doch so anders verlaufen ist als geplant. Marie-Luice Liebenau hatte sich ihr freiwilliges Ordensjahr schon anders ausgemalt. „Aber ich habe keinen Moment bereut und würde es immer wieder machen. Es war eine ganz intensive Zeit in der Gemeinschaft, und ich habe sehr viel über mich gelernt“, sagt sie.

Auch für Schwester M. Alexa war es angesichts der Pandemie ein herausforderndes Jahr. Schließlich gehören fast alle Bewohner zur Risikogruppe. „Eigentlich ist das Haus hier immer voll mit verschiedenen Gruppen und Schwestern, die zu Besuch sind. Wir haben jetzt trotzdem keine Langeweile und beschäftigen uns nicht nur mit uns selber, sondern schauen auch, dass niemand in St. Clara zu kurz kommt“, sagt die Ordensfrau.

Ganz besonders wichtig sei es geworden, aufeinander achtzugeben. Sie selbst habe auch ihre Mitschwestern noch einmal besser kennengelernt. „Auf einmal ist die Zeit dafür da, und es entsteht Neues. Wer hätte gedacht, dass eine 98-jährige Ordensschwester den Mazlern per Laptop von Berufung und Mission erzählt“, sagt Schwester M. Alexa. Jeder Tag hätte neue Überraschungen und Begegnungen gebracht.

Vivien Szentner sieht ihr Jahr als Missionarin auf Zeit in Salzkotten nicht als Notlösung. Sie zeigt hier die Heilige Familie. Foto: Jörn Hannemann

„Ich erlebe den Ort hier nicht als Stillstand. Es bewegt sich sehr viel“, sagt Leonie Wulf. Auch sie glaubt, „dieses Jahr bietet uns einen ganz anderen Zugang zum Weihnachtsfest. Es ist an uns, uns auf die Botschaft, die uns geschenkt wurde, einzulassen“. Vivien Szentner vermisst zwar die zwischenmenschlichen Begegnungen. Das könne aber auch im Gedächtnis bleiben und zeigen, dass diese wichtiger seien als Geschenke.

In den vergangenen Tagen haben bereits die ersten hölzernen Besucher Einzug in den Klostergarten gehalten, wo sie unterwegs sind zur Krippe. „Wir haben schon viel positive Resonanz von den Bewohnern bekommen“, freut sich Leonie Wulf. In den Abendstunden werden die Figuren beleuchtet, was für eine schöne Stimmung im Klostergarten sorgt. „Es sind die täglichen kleinen Begegnungen und Gespräche, die Hoffnung schenken“, meint Leonie Wulf. Und so finden Bewohner und Besucher auch in diesem denkwürdigen Jahr Zeichen der Hoffnung.

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