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Zusätzliche Rettungsschwimmer ausgebildet

DLRG Salzkotten hat vorgesorgt

Salzkotten

Erwachsene ertrinken laut, mit Geschrei und gestikulierend – Kinder dagegen still. „Irgendwann kennt man diesen Blick, wenn die Kinder im Wasser plötzlich ganz große Augen, aber keinen Ton mehr heraus bekommen“, sagt Olaf Becker. Dann sind er oder seine Kollegen von der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) zur Stelle. Mit einem schnellen geübten Griff ziehen sie die Kinder aus dem Wasser.

Von Marion Neesen

Olaf Becker, Peter Dyga und Ralf Mollemeier (von links) werben für eine Ausbildung zum DLRG-Rettungsschwimmer. Trainiert wird im Salzkottener Freibad unter anderem auch in voller Bekleidung. Foto: Marion Neesen

Solche Situationen sind keine Einzelfälle in den Freibädern, weiß der Vorsitzende der DLRG-Ortsgruppe Salzkotten, Peter Dyga. Deshalb sind die Rettungsschwimmer in den Bädern so unverzichtbar.

Bis zu 2500 Menschen suchen derzeit an Spitzentagen Abkühlung im Salzkottener Freibad. „Das sind zwar rund 500 weniger als vor Corona, aber dann sind vier Leute für die Badeaufsicht notwendig“, sagt Schwimmmeister und DLRG-Rettungsschwimmer Ralf Mollemeier. Die Salzkottener DLRG hat vorgesorgt, damit es am Beckenrand der Sälzer Lagune keinen Personalengpass gibt wie in manch anderen Städten. Nach Auskunft der DLRG fehlt infolge der Pandemie ein kompletter Ausbildungsjahrgang. „Das Problem war abzusehen“, sagt Peter Dyga, „denn Rettungsschwimmer müssen ihre Rettungstauglichkeit alle zwei Jahre neu bestätigen.“ Da die Bäder aber geschlossen waren, konnte nicht trainiert und auch keine Prüfung abgelegt werden. „Wir haben deshalb einen Kompaktkursus im Maspernbad angeboten und so drei neue Rettungsschwimmer ausbilden können“, sagt Ralf Mollemeier. Rund 300 Mitglieder hat die DLRG in Salzkotten, davon sind 30 ausgebildete Rettungsschwimmer. Ihre Arbeit ist vorwiegend präventiv, sie achten darauf, dass es erst gar nicht zu lebensgefährlichen Situationen kommt. Denn zunehmende Schwimmunfähigkeit bei Kindern und mangelnde Aufsicht seitens der Eltern seien weitere große Probleme. Daher freut sich die DLRG über weitere Anwärter.

Retter müssen sich auch selbst schützen

Eine Ausbildung zum Rettungsschwimmer umfasst 16 Unterrichtseinheiten zu je 45 Minuten. Voraussetzung ist: Wer retten will, muss erst einmal selbst schwimmen können. „Wir bauen auf Grundlagen auf, ansonsten ist das alles kein Hexenwerk, jeder kann das lernen“, sagt Peter Dyga. Zum Training gehören unter anderem Schwimmen in Kleidung, Streckentauchen, ein Sprung aus drei Meter Höhe und das Schleppen einer Person im Wasser sowie die Handhabung der Rettungsgeräte wie Rettungsboje oder Wurfsack, mit dem Ertrinkenden ein Seil zugeworfen wird. Die künftigen Retter lernen aber auch, sich selbst zu schützen. „Wer zu ertrinken droht, ist in Panik und greift nach allem, was ihn über Wasser halten könnte“, erläutert Peter Dyga. Oft sei das aber der Hals des auf ihn zu schwimmenden Helfers. Um sich zu befreien, gibt es Techniken, die leicht zu erlernen sind. „Es kommt beim Rettungsschwimmen gar nicht so sehr auf die Kraft an. Mit der passenden Technik ist es viel leichter, einen Ertrinkenden aus dem Wasser zu schleppen, als man sich das vorstellt“, so Dyga.

Warnung vor Baggerseen

Ungewohnt sei sicher, in Kleidung zu schwimmen. Um sich daran zu gewöhnen, trainieren die Rettungsschwimmer in einer Art Judoanzug. „Einfach, um ein Gefühl dafür zu bekommen“, sagt der Vorsitzende der DLRG-Ortsgruppe Salzkotten. Denn wenn Menschen aus Flüssen oder Seen gerettet werden müssen, bleibt keine Zeit, erst Hemd und Hose auszuziehen. Vom Baden in unbeaufsichtigten Gewässern raten die DLRGler indes grundsätzlich ab. „Viel zu gefährlich“, sagt Dyga. Temperaturschwankungen etwa in Baggerseen aufgrund der unterschiedlichen Tiefen können schnell zu Herz- Kreislaufproblemen führen. Gleichzeitig verursache ein plötzlich auftretender Temperaturabfall den Verschluss des Kehlkopfes und somit Atemnot.

Attraktiv sei die Rettungsschwimmer-Lizenz aber nicht nur mit Blick auf das gute Gefühl, Menschenleben retten zu können. Einerseits sei mit der Badeaufsicht auch ein bisschen Geld zu verdienen. Und außerdem könnten Rettungsschwimmer etwa an Nord- und Ostsee oder Binnengewässern Wachdienste übernehmen. Dort bekämen sie dann eine kostenfreie Unterkunft und hätten außerhalb des Dienstes vielleicht ein paar schöne Tage. „Ich habe dabei auch immer die tolle Gemeinschaft sehr genossen“, wirbt Peter Dyga für ein sinnvolles Hobby, das Leben retten kann.

Rettungsschwimmer werden

Das Deutsche Rettungsschwimmabzeichen gibt es in Bronze, Silber und Gold. Silber ist dabei der Standard für die aktiven Wasserwacht-Mitglieder. Die Ausbildung beinhaltet theoretische wie praktische Elemente sowie Erste Hilfe. Wer das Abzeichen in Silber ablegen möchte, muss mindestens 14 Jahre alt sein. Um in der Sälzer Lagune eine Badeaufsicht zu übernehmen, ist ein Mindestalter von 18 Jahren gefordert. Training bietet die DLRG mittwochs und freitags im Salzkottener Freibad an. Die Rettungsschwimmer trainieren freitags von 19 bis 19.45 Uhr. Interessierte können sich wenden an: [email protected] Weitere Infos unter www.salzkotten.dlrg.de.

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