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Martin Holzhausen im Interview – Hederlab in Salz­kotten bietet Gründern Raum, sich zu entwickeln

Im Brutkasten zündender Ideen

Salzkotten

Seit Januar hat das Hederlab in Salz­kotten einen neuen Geschäftsführer. Der 29-Jährige Martin Holzhausen kam aus Bonn an die Heder. Im Interview mit Redakteurin Marion Neesen spricht er über Ideen, Gründer und mehr.

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Martin Holzhausen leitet seit Anfang des Jahres die Geschicke des Hederlabs in Salzkotten. Hier sollen Gründern optimale Bedingungen geboten werden, um ihre Geschäftsidee auf den Markt zu bringen. Foto: Oliver Schwabe

Herr Holzhausen, was war bislang die beste Idee Ihres Lebens?

Martin Holzhausen: Die Entscheidung, nach dem Abitur nach Irland zu ziehen. Die grüne Insel hat zwar nicht den Ruf, das Land der unbegrenzten Möglichkeiten zu sein, aber die Denkweise dort ähnelt der „Can-Do“-Mentalität, die man den USA nachsagt. Dort habe ich im Grunde gelernt, dass nichts Schlimmeres passieren kann, als mal mit einer Idee auf die Nase zu fallen; außer sich zu ärgern, es nicht versucht zu haben. Und mit 29 Jahren habe ich in Zukunft hoffentlich auch noch genug Zeit für ein paar „beste“ Ideen.

Das Hederlab soll ein Ort sein, an dem Unternehmensgründer sich ganz auf Ihre Ideen konzentrieren und diese verwirklichen können. Worin sehen Sie dabei Ihre Aufgabe?

Holzhausen: Das Hederlab ist ein Inkubator. Eigentlich eine Bezeichnung aus der Medizin für einen Brutkasten, in dem Frühgeborene unter optimalen Bedingungen und geschützt vor äußeren Einflussfaktoren heranwachsen können. Im übertragenen Sinn machen wir nichts anderes: Unsere Frühgeborenen sind Gründer:innen und ihre Ideen, die wir in den ersten Entwicklungsphasen bei der Umsetzung ihrer Geschäftsidee ganzheitlich durch unser cross-funktionales Netzwerk unterstützen. Meine Aufgabe dabei ist es, das organisatorische Umfeld zu schaffen, das Netzwerk unserer Partnerunternehmen zu orchestrieren und den Start-ups als kritischer und fördernder Partner zur Seite zu stehen.

Der Verein Hederlab wurde im Oktober 2019 gegründet. Derzeit nutzen zwei Mieter das Angebot. Zehn wären möglich. Gibt es überhaupt Bedarf? Warum verläuft der Start so holprig?

Holzhausen: Den Bedarf gibt es. Ein Blick in den Start-up-Monitor Deutschland und im speziellen NRW zeigt, dass wir mitten in einer Start-up-Region leben. Mehr als 20 Prozent der relevanten Unternehmen haben ihren Sitz in Ostwestfalen-Lippe. Das ist Platz zwei noch vor Düsseldorf. Auch subjektiv betrachtet zeigt sich der Bedarf: Nach der Gründung gab es mehrere Interessent:innen für einen Platz im Hederlab. Aufgrund der Pandemie nahm dann zum einen das Interesse spürbar ab, zum anderen mussten sich die Geschäftsführer:innen in unserem Netzwerk, die sich alle ehrenamtlich im Hederlab engagieren, auch um die Widerstandsfähigkeit ihrer Unternehmen kümmern, damit die Gründer:innen auch in Zukunft von dem Wissen profitieren können, wie man ein Unternehmen erfolgreich durch eine Krise steuert. Hinzu kommt, dass wir erst im Dezember 2020 den Bescheid über die Leader-Förderung durch EU und Land erhalten haben, mit der auch ein großer Teil der Infrastruktur finanziert wird. Daher gibt es für uns neben der Vereinsgründung ein weiteres Startdatum, den 1. Januar 2021. Wenn ich diesen Maßstab anwende, hört sich ein Einzug von zwei Gründern nach vier Wochen im neuen Jahr gar nicht so holprig an.

Das erste Start-up im Haus beschäftigte sich mit Themenboxen für Kindergeburtstage. Entspricht dieser Branchenbereich überhaupt der Philosophie des Angebotes?

Holzhausen: Das Hederlab schließt prinzipiell keine Branche aus. Allein schon deswegen nicht, weil die Digitalisierung auch Branchengrenzen verschiebt. Wer bestimmt, dass in fünf bis zehn Jahren die Arbeit eines Radiologen nicht durch einen IT-Dienstleister mittels Künstlicher Intelligenz übernommen wird? Die Philosophie meiner Arbeit spiegelt sich an zwei Anforderungen: Löst die Idee ein relevantes Problem und/oder Bedürfnis und ist eine definierte Zielgruppe bereit, dafür zu zahlen. Wenn ich dazu noch ein motiviertes Team aus Gründer:innen, eine wertige, sinnhafte Begründung der Idee, nachhaltiges Skalierungspotenzial und eine begründete Aussicht auf Wachstum antiproportional zum verbundenen Risiko erkennen kann, ist mir die Branche erstmal herzlich egal.

Warum sind Unternehmensgründungen so wichtig? Was versprechen sich die Vereinsmitglieder und Unterstützer davon?

Holzhausen: Start-ups fördern mit neuen Ideen, Produkten und Dienstleistungen Fortschritt, Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit unserer Region. Etwa 15 Prozent der Existenzgründungen in Deutschland basieren auf einer Neuheit. Im Umkehrschluss tun 85 Prozent das nicht und ihr Geschäftsmodell basiert darauf, dass entweder der Markt groß genug ist für mehrere Akteure mit einer ähnlichen Idee oder sie etwas besser machen als der Wettbewerb. Neuheiten erweitern das Lösungsportfolio und schaffen Fortschritt durch Innovation, die restlichen Existenzgründungen optimieren das Angebot. In beiden Fällen gewinnen die Region und die Wirtschaft dadurch zusätzliches Angebot und neue Arbeitsplätze. Unsere Partnerunternehmen sehen darin die positive Kraft für die eigene Weiterentwicklung. Für die Gründer:innen schaffen sie Marktzugänge, unterstützen mit ihrer Kompetenz und ihrem Netzwerk. Im Gegenzug profitieren sie von den Start-ups beim Technologie- und Wissenstransfer.

Wie wollen Sie weitere Mieter ins Haus bekommen? Schließlich können Sie ja nicht Ideen anderer Leute erzwingen.

Holzhausen: Ideen und Zwang sind zwei Begriffe, die für mich nicht komplementär sind. Zwang und Hederlab übrigens auch nicht. Ideen haben Sie beim Spaziergang, beim Joggen, bei der Arbeit, an der Supermarktkasse – in alltäglichen Situationen, wenn Sie denken: „Wieso gibt es dafür nicht etwas?“ Oder: „Das geht irgendwie besser!“ Aufbauend auf der Idee unterstützen wir dann in den vier Gründungsphasen eines Unternehmens und übergeben es schließlich in eigene Geschäftsräume. Auf dieses Angebot gilt es aufmerksam zu machen, durch Kommunikation auf allen Kanälen von Print bis Social Media.

Welche kurzfristigen und welche langfristigen Ziele haben Sie?

Holzhausen: Kurzfristig geht es um die weitere Etablierung des Hederlabs, wir erwarten die letzten Möbellieferungen für unseren Think-Tank Heder-Cube. Hinzu kommen die Erweiterung des Netzwerkes und die Durchführung relevanter Workshops und Veranstaltungsformate für Gründer:innen. Gleichzeitig soll das Hederlab kein Elfenbeinturm in der Salzkottener Kernstadt sein. Wir planen den aktiven Austausch mit der Stadtgesellschaft und ich würde mich freuen, wenn in 2021 ein irgendwie gearteter Tag der offen Tür stattfinden kann. Langfristig gesehen geht es um die Etablierung des Hederlabs über 2023 und den aktuellen Förderzeitraum durch EU und Land hinaus. Dazu gilt es, zum einen auch Partnerschaften in der Region zu knüpfen und das Hederlab als komplementäres Angebot etwa zu einer Garage 33 in der Region Südliches Paderborner Land zu verankern.

Noch eine gute Idee zum Schluss?

Holzhausen: Wir sollten das Gespräch beizeiten wiederholen.

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