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Junges Reh offenbar von einem Hund gerissen

Kitz erbärmlich verendet

Niederntudorf (WB). „Ich habe für vieles Verständnis, aber dafür ganz bestimmt nicht.“ Der Niederntudorfer Jagdaufseher Gerhard Steinkuhle ist bestürzt darüber, was sich am Montag unterhalb des Osterberges in Niederntudorf ereignet haben soll. Dort hat – davon ist er überzeugt – ein Hund ein Rehkitz gerissen.

Marion Neesen

Deutliche Bissspuren weisen darauf hin, dass das Reh offenbar von einem Hund gerissen wurde. Foto:

Doch nicht allein der Riss mache ihn wütend. Bevor Steinkuhle das Tier von seinen Leiden befreien konnte, sei es aufgrund seiner Verletzungen offenbar stundenlangen Todesqualen ausgesetzt gewesen. Ein Spaziergänger hatte den Jagdaufseher am Montag über das im Feld liegende Reh informiert. Als dieser gegen 13 Uhr zur Fundstelle kam, lebte das Tier nach seinen Angaben noch. Der Jagdaufseher vermutet, dass ein großer, schneller Hund das Kitz zwischen 11 und 13 Uhr gerissen haben muss. Um 11 Uhr sei er mit dem Rad noch an der Stelle vorbeigekommen und habe nichts bemerkt.

„Die Bisswunden am Hals des Tieres waren eindeutig“, hat der Jagdaufseher keinen Zweifel, dass ein Hund das Kitz gerissen hat. Es sei „widerwärtig“, ein Tier dann so leiden zu lassen. Keine Seltenheit sei es, dass Hunde in Waldgebieten Tiere aufscheuchten und hetzten. Oft sehe er Rehe mit panischem Blick in Feldern stehen, sagt Steinkuhle. Ein gerissenes Reh habe er in seiner 40-jährigen Tätigkeit bisher zweimal gefunden. „Ich habe nichts dagegen, wenn Hundebesitzer, die ihre Tiere im Griff haben, diese auf den Wegen im Wald frei laufen lassen. Doch in den Lebensbereich der Waldbewohner dürfen sie nicht eindringen. Schließlich möchte auch niemand, dass jemand in seinem Wohnzimmer Tische und Stühle umwirft“, sagt der Jagdaufseher, „und der Wald ist nun einmal der Wohnort des Wildes.“

Leiden des Tieres in Kauf genommen

Besonders verwerflich findet er im Fall des jüngst gerissenen Rehs aber, dass der Hundehalter die Leiden des Tieres achtlos in Kauf genommen und sich nicht gekümmert habe. „Wenn einmal etwas passiert, sollte man wenigstens die Courage haben, das zu melden“, verurteilt er die Tierquälerei. Als bestätigter Jagdaufseher ist der Niederntudorfer sowohl mit der Jagdausübung als auch mit der Revieraufsicht und dem Jagdschutz beauftragt. Im Lauf der Jahre habe er schon so manches erlebt. Regelmäßig würden etwa Wildkameras gestohlen oder Hochsitze zerstört. Erlegten Hunde Wildtiere, sei der Tatbestand der Wilderei erfüllt, so Gerhard Steinkuhle.

Fälle wie der am Montag würden meist mit einer Geldstrafe von etwa 1000 Euro geahndet. Wilderei kann aber auch mit einer Gefängnisstrafe belegt werden. Darum geht es dem Jagdaufseher aber nicht, er hat keine Anzeige erstattet, weil es aus seiner Sicht auch keinen Ermittlungsansatz gibt. Doch er ruft zu mehr Verantwortungsbewusstsein auf.

Leinenpflicht abseits der Wege

„Solange Hundebesitzer mit ihren Tieren auf den Wegen bleiben, dürfen sie ohne Leine laufen; abseits der Wege sind Hunde an der Leine zu führen“, erläutert Salzkottens Stadtförster das Waldbetretungsrecht. Auch Wanderer und Spaziergänger dürfen den Wald abseits der Wege zum Zwecke der Erholung betreten, müssen sich dabei aber so verhalten, dass sie die Lebensgemeinschaft Wald so wenig wie möglich beeinträchtigen. Eine erhöhte Zahl an von Hunden getötetem Wild ist dem Salzkottener Stadtförster nicht bekannt. Er verweist aber auf die Aufsichtspflicht der Hundebesitzer.

Seit der Corona-Krise entdecken immer mehr Menschen den Wald für sich. Nicht alle verhalten sich dabei jedoch naturbewusst. So findet der Stadtförster neben dem üblichen Müll, den manche Wanderer zurücklassen, inzwischen immer häufiger Hundekotbeutel im Wald. „Thema verfehlt“, sagt dazu der Stadtförster. Auch der Grünschnitt aus dem eigenen Garten werde häufig im Plastikmüllbeutel im Wald deponiert.

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