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Gegner der Erweiterung in Niederntudorf erwirken Überprüfung

Landschaftsschutz soll Steinbruch-Pläne verhindern

Salzkotten-Niederntudorf

Mit erhöhten Auflagen zum Natur- und Landschaftsschutz hoffen Einwohner Niederntudorfs, die geplante Erweiterung des Steinbruchs verhindern zu können. Die Bürgerinitiative, die Gegner des Projekts gegründet hatten, lud jetzt zu einer Infoveranstaltung ein.

Die Firma Reese möchte ihren Steinbruch in Niederntudorf erweitern, die Stadt Salzkotten müsste dazu ein Grundstück zur Verfügung stellen. Bürger wehren sich gegen die Pläne. Mit einem erhöhten Schutzstatus für die Kulturlandschaft, so ihre Hoffnung, könnte die Erweiterung verhindert werden. Foto: Oliver Schwabe

Während  der Versammlung im Heimathaus Spissen mit etwa 100 Besuchern forderte die Bürgerinitiative die Politik dazu auf,   den Verkauf und  die Verpachtung der städtischen Grundstücke im geplanten Steinbruchgebiet zu verhindern.

„Heute geht es darum, dass wir mal unsere Perspektive vortragen und nicht nur auf das reagieren, was andere uns vorgeben. Und dabei geht es besonders um die Schutzwürdigkeit unser Landschaft“, sagte Rolf Wiegand, einer der Referenten des Abends. Doch zuvor rief Michael Wilmes in Erinnerung, was die Niederntudorfer erwarte, wenn es zu der beabsichtigten Erweiterung des Steinbruchs kommen sollte. Die jetzige Betriebsfläche, so Wilmes,  werde um fünf Meter tiefer ausgebaggert, die Abbruchkante am Ende der zukünftigen Grabungsfläche werde eine Höhe von 48 Meter haben.

Oberflächenwasser könne bei Starkregen zu Problemen führen, die Alme könnte durch die Abschwemmungen in Mitleidenschaft gezogen werden, hinzu kämen Staub, Lärm und Umweltbelastungen, so die Befürchtungen der Gegner. „Welchen Schaden  die Menschen und die Natur nehmen, ist nur zu erahnen“, sagte Wilmes.

„Wir sind stolz auf unser Dorf und haben es in den vergangenen Jahrzehnten kontinuierlich und mit Sensibilität und vereinten Kräften zu einem Golddorf gestaltet“, erinnerte Christiane Rensing. „Dass das jetzt von einem Großunternehmer kaputt gemacht wir, das bringt mich auf die Palme“, schimpfte die langjährige ehemalige 2. Vorsitzende des Heimatvereins unter dem Applaus der Zuhörer.

Einmal in Rage, bekam auch die Stadt Salzkotten, von der kein Vertreter an der Versammlung teilnahm, ihr Fett weg. „Dass die Stadt das nicht verhindert, werden wir in 30 Jahren noch zu spüren bekommen“, so Christiane Rensing. An die Ratsvertreter, von denen einige vor Ort waren, appellierte sie eindringlich, dem Verkauf oder der Verpachtung der städtischen Grundstücke nicht zuzustimmen: „Entscheiden Sie für die Bürger vor Ort und nicht für einen Unternehmer aus Niedersachsen.“

Öffentlich – nichtöffentlich

Eine neue Chance, den Steinbruchausbau doch noch zu verhindern, sieht Rolf Wiegand. Das Naherholungsgebiet Unterm Wiesberg/Burscheid brauche den Titel „Historische Kulturlandschaft“, um seinen Bestand zu schützen, so sei Vorschlag.

Mit zwei Anträgen der Gegner der geplanten Steinbrucherweiterung hat sich am Donnerstagabend auch der Salzkottener Hauptausschuss befasst. Dem Wunsch der Bürger, die Entscheidung über Verkauf oder Verpachtung der städtischen Fläche in öffentlicher Sitzung zu treffen, wurde entsprochen.

Es sei ohnehin geplant gewesen, die wichtige Entscheidung über das  Ob in öffentlicher Sitzung zu treffen, erläuterte Bürgermeister Ulrich Berger auf Nachfrage dieser Zeitung. Über das Wie, also die vertragliche Ausgestaltung zwischen Stadt und Unternehmen werde – wie bei allen Grundstücksangelegenheiten üblich – dann jedoch im Falle eines positiven Votums nichtöffentlich gesprochen.

Abgelehnt hat der Hauptausschuss den Wunsch der Steinbruch-Gegner, vor einer Entscheidung in einem politischen Gremium ein Rederecht eingeräumt zu bekommen. Das, so Berger, sei juristisch nicht möglich, weil in der Gemeindeordnung nicht vorgesehen.

Schutzwürdigkeit des Gebiets wird überprüft

Die Bürgerinitiative habe aber die Möglichkeit, Ratsvertreter  zu einem Gespräch und Gedankenaustausch einzuladen und ihre Sicht darzustellen. Für die Infoveranstaltung in dieser Woche sei allerdings keine Terminabsprache erfolgt, so dass kein Vertreter der Stadt habe teilnehmen können.

Dem Wunsch der Niederntudorfer, die Schutzwürdigkeit des gesamten Naturraums überprüfen zu lassen, hat der Hauptausschuss einstimmig entsprochen. Die Stadt Salzkotten wird nun den Kreis Paderborn und die Bezirksregierung Detmold um eine entsprechende Begutachtung bitten.

Eine Entscheidung, ob die Stadt ihre Grundstücke zur Verfügung stellt, könnte um die Jahreswende fallen, erwartet Berger. In jedem Fall werde damit gewartet, bis die Stellungnahme zum Status in Sachen Landschaftsschutz vorliege. Denn die, so Berger, gehöre zur Abwägung der Interessen der Niederntudorfer und des Unternehmens Reese, das die Steinbrucherweiterung plant, dazu.

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