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Salzkottener Schülerinnen wollen helfen und übernehmen Botenservice per Rad

Lesestoff kommt angeradelt

Salzkotten

Charlotte Liekenbröcker und Leni Ritzenhoff sind voller Tatendrang. Schon im vergangenen Herbst hatten sich die beiden 14-Jährigen gemeldet, um ehrenamtlich während der Coronapandemie zu helfen. So recht gab es jedoch keine Aufgabe.

Marion Neesen

Irgendwie passen die Buchtitel „Harte Jahre“ und „Ein wenig Leben“ gerade in die Zeit. Charlotte (links) und Leni sorgen dafür, dass ältere oder nicht mobile Menschen während der Pandemie im Stadtgebiet mit Lesestoff versorgt werden. Foto: Marion Neesen

Nun hat sie der Schnee zwar ein wenig ausgebremst, die jungen Mädchen wollen aber trotzdem so richtig Gas geben. Denn die beiden Schülerinnen werden als Fahrradkurierinnen in Salzkotten unterwegs sein und Unterhaltung in die Haushalte bringen. Die Stadtbibliothek freut sich auf Aufträge, die sie an die Schülerinnen weitergeben kann.

Bücher haben im Lockdown an Bedeutung gewonnen

Im Lockdown haben Bücher für viele Menschen, insbesondere auch Ältere, an Bedeutung gewonnen. Doch die Bücherei ist geschlossen, Click und Collect für manche zu schwierig, und auch nicht jeder ist mobil und kann zur Bücherei kommen.

„Viele unserer älteren Leser kommen auch einfach aus Angst vor Ansteckung nicht“, glaubt Bibliotheksleiterin Maria Breuer. Ihre Kollegin Inge Suerland weiß, dass manche ihrer Stammkunden nach Lesestoff hungern. Deshalb kommen Bücher, Spiele und andere Medien nun zu denjenigen, die in ihrer Mobilität eingeschränkt und mit den digitalen Möglichkeiten nicht vertraut sind.

Der Medienbotenservice funktioniert per E-Mail oder Anruf. So können die gewünschten Medien bestellt werden. Telefonisch ist die Bücherei montags, dienstags, donnerstags und freitags von 9 bis 13 Uhr und 14 bis 18 Uhr unter 05258/21151 erreichbar.

Übergabe und Rückgabe erfolgen kontaktlos

Wer das vorhandene Angebot und die konkreten Titel nicht so genau kennt, kann auch Themenbereiche wie historische Romane, Krimis oder Fantasyliteratur nennen. „Wir stellen dann etwas zusammen“, sagt Maria Breuer. Maximal dürfen zehn Bücher, Hörbücher, Filme oder Zeitschriften reserviert werden. Gleichzeitig wird ein Termin vereinbart, und sobald Charlotte und Leni das Medienpaket in die roten Büchereitaschen gepackt haben, radeln sie los – so lange der Schnee das nicht zulässt, machen sie sich auch zu Fuß auf den Weg. Übergabe und Rückgabe erfolgen kontaktlos.

Insgesamt können die Medien vier Wochen ausgeliehen werden. Bei Bedarf holen die Kurierfahrerinnen die Bücher auch wieder ab. Die Stadtbibliothek macht dieses kostenlose Angebot in Kooperation mit ihrem Förderverein. Voraussetzung ist ein gültiger Bibliotheksausweis. Wer noch keinen hat, kann sich per Mail in der Bücherei melden.

Helfer für die Ortsteile gesucht

„Wir wollten einfach irgendwie anderen helfen“, freuen sich Leni und Charlotte, die selbst seit Jahren Mitgliedsausweise der Bücherei haben, auf die Aufträge. Sie werden Kunden in der Kernstadt ansteuern. „Für die Ortsteile können wir noch gut ehrenamtliche Helfer gebrauchen“, würde Maria Breuer das Angebot gerne auf die Dörfer ausweiten. Möglicherweise soll der Botenservice auch nach dem Lockdown weiter angeboten werden.

Dass in Zeiten des Lockdowns viel gelesen wird, zeigt auch die gute Inanspruchnahme des Bibliothek-To-Go Services. Per Telefon oder Internet können Medien bei den Mitarbeiterinnen reserviert werden. Die Leserinnen und Leser bekommen dann einen Termin, an dem sie Bücher, Spiele und mehr an der Tür der Bücherei abholen können.

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