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Ältestes Salzkottener Stadtfest fällt weitgehend aus – Schausteller in großer Sorge

Martini ruft diesmal nicht

Salzkotten (WB). Das einzige, was derzeit offenbar Hochkonjunktur hat, ist der Konjunktiv. „Eigentlich hätten wir heute bekanntgeben wollen, dass wir gut gerüstet sind für den Martinimarkt light 2020“, greift Salzkottens Bürgermeister Ulrich Berger gleich zu Beginn eines Pressegespräches am Dienstag im Rathaus zum ersten Mal zur Möglichkeitsform. Damit und vor allem vor dem Hintergrund der sich weiter ausbreitenden Pandemie war jedoch eines Tatsache: Die 52. Auflage des ältestes Salzkottener Stadtfestes fällt (fast) aus. „Martini ruft Dich“ – in diesem Jahr nicht.

Marion Neesen

Nur noch Altpapier: Flyer und Plakate, die für den Martinimarkt in Salzkotten werben sollten, sind vergebens gedruckt worden. Bürgermeister Ulrich Berger (links) und der Vorsitzende des Verkehrsvereins Dirk Witulski haben am Dienstag das älteste Salz­kottener Stadtfest abgesagt. Foto: Marion Neesen

Das Marketing-Team rund um Geschäftsführerin Stefanie Herting hatte angesichts der Pandemie und der notwendigen Hygienemaßnahmen bereits eine Lightversion des Martinimarktes gestrickt. Doch auch in abgespeckter Form und mit guten Ideen für den Schutz vor Corona kann das vom 5. bis 8. November geplante Stadtfest aufgrund der jetzt geltenden Allgemeinverfügung zur Bekämpfung der Pandemie nicht über die Bühne gehen. „Wir wollen auch nicht nur den Ansatz bieten, dass die derzeit noch recht niedrigen Infektionszahlen in Salzkotten gefährdet werden“, sagt der Bürgermeister.

Ein bisschen hatten die Stadtvertreter auch eingeladen, um den Frust zu teilen. Denn monatelange Arbeit und Vorbereitung sind nun hinfällig. „Das fängt schon im Januar mit der Bestellung der Martinsgänse für die Verlosung an“, sagt Berger.

7000 Flyer sind gedruckt worden und liegen bereit zur Verteilung, zum Teil wurden Werbeplakate bereits aufgehängt. Sie alle sind jetzt nur noch Altpapier. „Nach dem Ausfall des Sälzerfestes und des Hederauenfestes hatten wir alles auf Martini gesetzt“, bedauert der Bürgermeister.

„Unsere Rücklagen sind aufgebraucht“

Einer, dem die Enttäuschung besonders deutlich ins Gesicht geschrieben steht, ist Robert Petter – Schausteller in fünfter Generation. Weil schon früh im Jahr klar war, dass Alternativen zum üblichen Martinimarkt notwendig werden würden, sollte es diesmal einen Fun-Park auf 7500 Quadratmetern an der Sälzerhalle geben – mit Autoscooter, Musikexpress, Clowns, Geisterbahn, Zauberei und allem, was zu einer kleinen Kirmes dazugehört. „Das hätte funktioniert, ich bin sicher“, sagt Petter. „Doch jetzt wäre es wirtschaftlicher Selbstmord“, weiß er, dass die schon jetzt getroffene Entscheidung richtig ist. Er und seine Kollegen in der Branche müssten sich aber viel „Mist“ anhören. „Habt ihre keine Rücklagen – wird uns immer vorgeworfen“, berichtet Petter und ergänzt: „Unsere Rücklagen sind aufgebraucht. Brechen jetzt noch die Weihnachtsmärkte weg, sind 50 Prozent unserer Branche kaputt.“

Inzwischen fühlen sich die Schausteller auch diskriminiert. Weil Wochenmärkte öffnen dürfen, eine Kirmes aber gleich als erstes verboten werde. „Dabei haben wir alle Schutzmaßnahmen durchgezogen“, erinnert Petter an das Tivoli-Wunderland in Schloß Neuhaus, „die Branche steht nicht mehr kurz vor dem Abgrund, viele sind schon runtergefallen. Das geht ans Eingemachte. Wir sind alle fix und fertig.“ Was eine Kirmes ausmache sei, ein Lächeln in die Gesichter der Kinder und Glanz in die Augen der Menschen zu zaubern. „Das fehlt uns auch“, sagt Petter.

Lange Gesichter auch bei den Einzelhändlern. Sie hatten für den Freitag und Samstag ein Late Night Shopping bis 21 Uhr geplant. „Für alle Beteiligten ist es eine ganz schwierige Situation. Einige wissen teilweise nicht, wie es weitergehen soll“, sagt Dirk Witulski, Vorsitzender des Verkehrsvereins. Trotz Krise hielten die Einzelhändler jedoch zusammen.

Höhepunkte eines jeden Martinimarktes waren der Martinszug und das anschließende Martinsspiel. Um der Infektionsgefahr zu entgehen, waren diesmal sechs Martinsspiele mit jeweils maximal 299 angemeldeten Teilnehmern auf der Sälzerwiese geplant. 300 Anmeldungen lagen bereits vor, obwohl die Stadt noch gar nicht offensiv dafür geworben hatte.

1200 Stutenkerle bleiben ungebacken

Doch auch aus den Martinsspielen wird nichts. 1200 Stutenkerle bleiben ungebacken. Das Hüttendorf wird ebenso wenig aufgebaut wie der letzte Tanz zur Eröffnung auf dem grünen Teppich des Rathauses getanzt werden kann.

Und doch soll der 52. Martinimarkt nicht so ganz ausfallen. „Unsere Einzelhändler haben signalisiert, dass sie am Freitag und Samstag ihre Geschäfte länger öffnen wollen“, berichtet Stefanie Herting. Dazu wird zwar nicht wie im vergangenen Jahr die Innenstadt unter dem Motto „Salzkotten leuchtet“ illuminiert. Ein oder zwei Gebäude sollen aber symbolisch angestrahlt werden.

Auch die 180 Martinigänse sollen verlost werden. Die Lose dafür können bis Sonntag, 8. November, im Rathaus eingeworfen werden. Am Montag werden die Gewinnlose dann aus der Lostrommel gezogen und die Nummern veröffentlicht. Die Gewinner können sich ihre tiefgefrorene Gans im Combimarkt abholen. Stutenkerle für Kinder wird es nicht geben. Stefanie Herting verspricht aber, dass sich das Marketing-Team für den Martinstag irgendetwas einfallen lassen will. Ein Fotowettbewerb für die schönste Laterne ist auf jeden Fall schon einmal geplant. „Wir wollen den Kopf nicht so ganz in den Sand stecken und hoffen auf bessere Zeiten“, sagen Ulrich Berger und Dirk Witulski.

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