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Stadt Salzkotten will Hausbesitzer überzeugen – und Verbote bei Neubauten planerisch festschreiben

Natur statt Schottergärten

Salzkotten

Mit Empfehlungen, Hilfsangeboten, aber auch mit klaren Verordnungen soll die Stadt Salzkotten versuchen, Steingärten künftig im gesamten Stadtgebiet zu vermeiden. Diese Vorgabe haben die Mitglieder des Bau- und Planungsausschusses jetzt bei ihrer jüngsten Sitzung der Verwaltung ins Aufgabenbuch geschrieben.

Hans Büttner

Ob geschotterte Vorgärten nun ästhetisch und aufgeräumt oder kahl und tot aussehen, darüber kann man geteilter Ansicht sein. Unstrittig ist aber, dass sie keinen Lebensraum für Insekten bieten und dazu beitragen, die Städte im Sommer aufzuheizen. Die Stadt Salzkotten will gegen diese Art der Gartengestaltung nun vorgehen – mit Empfehlungen, aber auch mit klaren Regeln. Foto: dpa

Viele Hausbesitzer setzten bei der Vorgartengestaltung auf die (vermeintlich) pflegeleichteren Kies- und Schottergärten. Derart versiegelte Flächen schaden nach Überzeugung von Experten und Stadtplanern aber nicht nur dem Artenreichtum und beschleunigen das Insektensterben. Sie wirken sich auch negativ auf das Mikroklima aus, da die Steine die Wärme speichern und wieder abstrahlen, sodass es im Sommer noch heißer wird. Pflanzen dagegen beschatten den Boden und sorgen für Verdunstungskühle.

Die SPD-Ratsfraktion hat das Thema auf die Tagesordnung des Bauausschusses gebracht. In den vergangenen Jahren habe die Gestaltung der Vorgärten und Gärten durch Stein-und Kiesbeete in Salzkotten zugenommen, verwies Fraktionsvorsitzender Michael Sprink auf eine dringende Handlungsnotwendigkeit hin. Durch die Versiegelung von Grundstücken, etwa für Auto-Abstellflächen, verkleinerten sich die Lebensräume für Pflanzen- und Tiervielfalt deutlich. Daher sei es im Sinne der Artenvielfalt, des Naturschutzes und zur Begrenzung der Folgen des Klimawandels erforderlich, dass die Stadt sicherstelle, dass nicht immer mehr Flächen verloren gingen, sagte Sprink.

Zudem stellte er Fragen an die Verwaltung: Wie wolle die Stadt um künftig gegen eine solche Gestaltung in alten und neuen Wohnbaugebieten vorgehen? Was werde getan, um Eigentümer davon zu überzeugen, bereits versiegelte Flächen der Natur zurückzugeben?

„Das Problem ist bekannt, aber es ist nicht einfach, die notwendigen Maßnahmen, besonders bei bestehenden Anlagen umzusetzen“, gestand Stadtplaner Martin Westermeier ein. Der Gesetzgeber empfehle den Kommunen, zur Vermeidung der Verschotterung entsprechende Festsetzungen in Bebauungsplänen zu treffen. Doch das sei nur möglich bei der Ausweisung von Neubaugebieten, in bestehenden Baugebieten sei die Umsetzung schwieriger. „Hier muss viel Überzeugungsarbeit geleistet werden“, ist Westermeier überzeugt.

Zustimmung für ihr Anliegen erhielten die Sozialdemokraten auch von den anderen Parteien. So regte Michel Fechtler (CDU) an, ein Förderprogramm aufzulegen, um wieder mehr Leben in die Vorgärten zu bringen.

Als Beispiel könnte hier die Stadt Korschenbroich dienen. Die Stadt hat ein solches Förderprogramm zur Entsiegelung von Vorgärten aufgelegt. Danach sollen Hauseigentümer und Eigentümergemeinschaften finanziell unterstützt werden, die ihre Vorgärten durch Rückbau von versiegelten Flächen und Schotterflächen in Grünbereiche wieder naturnah gestalten.

Wer seinen Garten neu gestalten möchte, kann sich schon jetzt auch an die Stadt Salzkotten wenden. Zudem sollen mit Informationsbroschüren Tipps zum Thema Gartengestaltung an die Haushalte verteilt werden.

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