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Grüne in Salzkotten kritisieren Rodungsarbeiten im Grünzug am Rothebach

„Pflegeaktion war unverhältnismäßig“

Salzkotten (WB/sen).

Der Ortsverband der Salzkottener Grünen kritisiert das Fällen zahlreicher Bäume im Grünzug am Rothebach und bezeichnet die städtische Pflegeaktion als unverhältnismäßig.

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Die Grünen in Salzkotten bezeichnen die Pflegemaßnahmen am Rothebach als „unnötigen Kahlschlag“. Foto:

„Wir haben großes Verständnis dafür, dass gerade ein hochwassersensibler Bereich wie am Rothebach intensiv gepflegt werden muss. Alles andere wäre auch aufgrund der nahen Wohnbebauung nicht zu verantworten. Einige Anwohner mussten dort leider schon Hochwassererfahrungen sammeln. Und selbstverständlich müssen auch die angrenzenden Gärten der Anwohner von Überwuchs frei gehalten werden“, erklärt Ratsfrau Katharina Stelbrink. „Bedingt durch die nahe Intensivlandwirtschaft östlich des Dreckburgweges und des damit verbundenen hohen Nährstoffeintrags, wächst es in diesem Bereich auch noch besonders gut – da kommt eins zum anderen“, so Stelbrink weiter.

Laut den Grünen sei das Fällen ganzer Baumgruppen, auch abseits des Bachlaufes und der Wege, dagegen nicht notwendig gewesen.

Lebensraum für Tiere und Pflanzen verloren gegangen

„Dass fast alle Bäume mit einem Stammdurchmesser von 50 Zentimetern und mehr der Kettensäge zum Opfer gefallen sind, ist nicht nur schade, sondern war auch unverhältnismäßig. Darunter waren viele Weiden, denen gerade im Frühjahr als erste Nektarquelle eine hohe Bedeutung für die Insektenwelt zukommt. Hier ist ein weiteres Mal Lebensraum für Tiere und Pflanzen verloren gegangen. Der Bereich ist kaum wiederzuerkennen. Das ist schade, diese Ecke war im Sommer ein echter Glühwürmchen-Hotspot“, ergänzt der Vorsitzende der Grünen-Ratsfraktion, Marc Svensson.

„Nach dem Kahlschlag auf einem Lärmschutzwall am Eichsfeld vor zwei Jahren und dem Beitritt der Stadt Salzkotten zum Bündnis Kommunen für biologische Vielfalt, hatten wir gehofft inzwischen weiter zu sein – dem ist leider nicht so. Wenigstens hat die Verwaltung auf unsere Nachfrage hin eingeräumt, dass die Pflegeaktion nicht gut gelaufen ist. Wir hoffen jetzt, dass das endgültig der letzte Totalausfall bei der Grünpflege war“, so Ratsfrau Christina Wilmes.

Verkehrssicherheit nicht mehr gegeben

Heiner Mersch, im Fachbereich Stadtentwicklung verantwortlich für Umweltschutz und Grünplanung, räumt auf WV-Anfrage ein, dass ein Idealeingriff nicht in allen Beständen möglich, der Rückschnitt am Rothebach aus fachlicher Sicht aber vertretbar sei. In diesem Bereich sei der Bewuchs schon sehr dicht gewesen. Bei einigen Bäumen sei Kronenbruch festgestellt worden, so dass man diese entsprechend zurückgeschnitten habe. Gerade bei den Weichholzarten wie Pappel und Weide bestünde die Gefahr des Auseinanderbrechens, so dass die Verkehrssicherheit nicht mehr gegeben sei. Da auch Kinder gern in diesem Bereich spielten, sei die Maßnahme erforderlich gewesen.

Auch Mersch bestätigte, dass aufgrund des Nähstoffeintrages in diesem Bereich günstige Wachstumsbedingungen herrschten, es bei Hochwasser aber nicht zu einem Rückstau kommen dürfe und diese Retentionsflächen entsprechend frei gehalten werden müssten. Die Pflanzen seien auf den Stock gesetzt, also auf etwa 20 Zentimeter abgesägt worden, so dass sie im Frühjahr wieder ausschlagen können.

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