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Seit mehr als 15 Jahren Unterstützung für Bedürftige

Salzkottener Klingenthal-Stiftung legt Kapital vorausschauend an

Salzkotten

Nur wenige Stiftungen sind in Zeiten ausbleibender Zinsen oder sogar erhobener Strafzinsen in der Lage, Kapitalerträge auszuschütten. Die Felix-und-Hedwig-Klingenthal-Stiftung hingegen kann nach anfänglich bis zu 40.000 Euro inzwischen jedes Jahr 160.000 bis 180.000 Euro zur Verfügung stellen, um Bedürftige zu unterstützen. 

Von Marion Neesen

5000 Euro aus der Felix-und-Hedwig-Klingenthal-Stiftung, die Bernd Sprenger (Mitte) entgegennahm, kann die Speisenkammer gut gebrauchen. Im vergangenen Jahr bestand die Stiftung 15 Jahre. Darauf haben Bürgermeister und Beirat Ulrich Berger, Beirat Karl d‘Alquen, Stiftungsvorsitzender Frank d‘Alquen und Beirat Conrad Möller (von links) jetzt zurückgeblickt. Foto: Marion Neesen

Seit der Gründung der Stiftung bis einschließlich 2021 wurden Institutionen und hilfsbedürftige Menschen mit nunmehr 500.000 Euro unterstützt. Diese Zahlen stellten jetzt die Beiratsmitglieder Karl d‘Alquen, Conrad Möller und Ulrich Berger sowie Stiftungsvorsitzender Fank d‘Alquen in der Rückschau auf mehr als 15 Jahre Stiftungsarbeit vor. „Möglich ist diese Ausschüttung nur, weil das Kapital aktienbasiert ist“, erläuterte Karl d‘Alquen. Die Bezirksregierung als Anerkennungsbehörde habe die Anlage des Stiftungsvermögens in Aktien nicht gerne gesehen, erinnert sich der Rechtsanwalt und Notar a.D. Denn oberstes Gebot einer Stiftung sei, das Kapital zu erhalten, was bei Kursschwankungen womöglich nicht gewährleistet sei. „Der Aktienindex steigt jedoch seit zehn Jahren stetig. So ist genügend Geld da, um Zuwendungen machen zu können“, so d‘Alquen. Das Kapital in Aktien anzulegen sei herausfordernd, aber auch vorausschauend gewesen.

Hedwig Klingenthal hatte nach dem Tod ihres Mannes die Stiftung 2006 ins Leben gerufen. Sie stellte das Startkapital in Höhe von 300.000 Euro zur Verfügung und erhöhte es bis 2019 durch Zustiftungen auf eine Million Euro. Da die Stiftungsarbeit Hedwig Klingenthal nach dem Tod ihres Mannes einen neuen Lebensinhalt gegeben habe, setzte sie die Stiftung zu ihrer alleinigen Erbin ein, informierte Karl d‘Alquen. Nach ihrem Tod 2019 summierte sich das Vermögen der Stiftung auf rund vier Millionen Euro. Der größte Teil sei in Aktien angelegt, 400.000 Euro seien Barvermögen. Seite 2018 ist Frank d‘Alquen Vorsitzender der Stiftung, sein Stellvertreter ist Stefan Müller, ein Großneffe der Stifter. Überwacht wird die Tätigkeit der Stiftung über den Beirat.

In den Genuss der Zuwendungen können ausschließlich Salzkottener Bedürftige und Einrichtungen kommen. So sollen hilfsbedürftige Personen über 60 Jahre, Alleinerziehende, anerkannte soziale Einrichtungen der Stadt und hilfsbedürftige Personen, die keinen gesetzlichen Anspruch auf soziale Hilfeleistungen haben, bedacht werden. Auch die Altenwohnheime der Salzkottener Schützenbruderschaft sind Begünstigte. Mit Hilfe des Jobcenters und der Stadt Salzkotten werden alljährlich die Zuwendungsbedürftigen ermittelt.

„Für diese Zusammenarbeit sind wir sehr dankbar“, sagte Karl d‘Alquen. „Die bedachten Personen empfinden es sehr segensreich, wenn sie kurz vor Weihnachten eine Geldzuwendung bekommen. Wir spüren große Dankbarkeit dafür“, bestätigte Beiratsmitglied und Bürgermeister Ulrich Berger. Das Geld wird in Form von Stadtgutscheinen übergeben, so dass Geld auch wieder in den heimischen Handel zurückfließt. Übergeben werden an die Bedürftigen anrechnungsfreie Beträge. In den Coronajahren wurde ein Extrabetrag ausgeschüttet werden. Etwa 250 Bedürftige werden in diesem Jahr berücksichtigt.

Mit 5000 Euro wurde jüngst auch die Speisenkammer Salzkotten bedacht. „Aufgrund des Krieges in der Ukraine versorgen wir zwei Drittel mehr Bedürftige als zuvor. Diesen Bedarf können wir nicht mehr mit den eingesammelten Lebensmitteln decken und müssen zukaufen“, ist Bernd Sprenger von der Speisenkammer dankbar für das Geld.

Einmal pro Woche versorgen die Ehrenamtlichen etwa 500 Personen. Nach Auskunft des Salzkottener Bürgermeisters leben derzeit 330 Menschen aus der Ukraine in Salzkotten.

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