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Schnelle Hilfe rollt Richtung Grenze

Salzkottener Schützen unterstützen Flüchtlinge aus der Ukraine direkt in Polen

Salzkotten

Erst Anfang der Woche hatten die Salzkottener Schützen ihre Pläne, wie sie den Kriegsflüchtlingen aus der Ukraine helfen wollen, konkretisiert. Inzwischen rollt die Hilfe bereits. Um 5 Uhr am Donnerstagmorgen sind Jens Fischer und Andreas Ciurkao mit einem Reisebus Richtung polnisch-ukrainische Grenze gestartet.

Von Marion Neesen

Insgesamt 160 Starterpakete haben die Salzkottener Schützen in Empfang genommen und auf die Reise geschickt. Im Bild (von links) Oberst Matthias „Sonne“ Kemper, Patrick Bachem, Reinhard Janhsen, Michael Kohlenberg und Major Hubert Brinkmann. Foto: Marion Neesen

„Für uns stellte sich nicht die Frage ob, sondern wie wir helfen wollen“, sagt Reinhard Janhsen, Schützenbruder und Fuhrparkleiter der Firma Auto-Bachem. Eigentlich hatte sich die St.-Johannes-Schützenbruderschaft Salzkotten der Paderborner Initiative in Verbindung mit der polnischen Partnerstadt Przemysl anschließen wollen. Doch dort steht ihr Hilfsangebot zunächst noch auf der Warteliste. Zeit sei nicht immer Geld – aber Zeit sei Leben, und das sei es, was die flüchtenden Frauen mit ihren Kindern, die alten Menschen und die zur Verteidigung gezwungenen Männer der Ukraine wollten, riefen die Schützen zur Mithilfe auf.

Motiviert durch den Hilfskonvoi der Stadt Paderborn und verstärkt durch den Aufruf der Stadt Salzkotten zur Hilfe, hatte daher auch der Schützenvorstand Ideen gesammelt, wie und wo am besten geholfen werden kann. Die zündende Idee hatte Major Hubert Brinkmann.

Kurzfristig riefen die Schützen über ihrer Kanäle dazu auf, Hilfsgüter zu sammeln. Nur das Nötigste, was Menschen auf der Flucht brauchen wie etwa Desinfektionsmittel, Feuchttücher, Windeln, Babynahrung, Hygieneartikel für Frauen und Kinder, Wasserflaschen und Wolldecken. „Es sollte nur so viel sein, wie die Menschen auch tragen können, quasi ein Starterpaket“, berichtet Reinhard Janhsen, der im Vorfeld von einer „Wundertüte“ sprach. In der Kürze der Zeit war nicht klar, wie viele gepackte Taschen am Donnerstag mit auf die Reise gehen konnten. Doch binnen kurzer Zeit reihte sich auf dem Betriebsgelände der Firma Bachem am Mittwochnachmittag ein Starterpaket an das andere. „Es sind sage und schreibe 160 Taschen und Tüten zusammengekommen“, freut sich Reinhard Janhsen.

Knapp 15 Stunden Fahrt lagen am Donnerstagmorgen vor Jens Fischer und Andreas Ciurkao. Am Zielort werden die beiden Busfahrer 50 bis 60 Flüchtlinge aufnehmen, die sie zunächst nach Warschau bringen werden, von wo aus diese dann per Zug weiterreisen können. An der polnisch-ukrainischen Grenzen kommen tausende Flüchtlinge an. Mit ihrer Aktion wollen die Salzkottener Transportmöglichkeiten bieten.

Geplant ist, dass die Busfahrer nach einer neunstündigen Pause noch einmal an die Grenze zurückkehren, um weitere Flüchtlinge aufzunehmen und nach Warschau zu bringen. Das sei der Plan jetzt, so Janhsen, doch der ändere sich manchmal stündlich. „Auch das eine Wundertüte, vielleicht gibt es auch noch Änderungen während der Tour“, sagt er.

Die Schützen arbeiten mit Florina Malso vom Verein der deutsch-ukrainischen Zusammenarbeit in Hamburg zusammen, die ihrerseits für die Koordinierung mit Ansprechpartnern vor Ort vernetzt ist. „Da sich schon jetzt kriminelle Banden das Leid der Flüchtenden zu Nutze machen, werden nur namentlich erfasste Personen und unter polizeilichem Geleit auf polnischen Straßen befördert“, berichtet Reinhard Janhsen, bei dem die Fäden zusammenlaufen. Mit dem Hamburger Verein, den Busfahrern und den Helfern in Polen ist er in ständigem Kontakt.

Die im Reisebus verstauten Starterpakete reichten für die zwei Fahrten hervorragend aus, ist Janhsen beeindruckt von der Hilfsbereitschaft. „Der deutsch-ukrainische Hilfsstab in Hamburg freut sich sehr über diese äußerst solidarische Hilfe von allen, und sendet neben Dank auch die herzlichsten Grüße an alle Helfer“, übermittelt Janhsen.

Über die aktuelle Entwicklung durch den russischen Angriff auf die Ukraine halten wir Sie in unserem Liveticker auf dem Laufenden.

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