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Unternehmensgruppe Reese will die Abbaufläche im Natursteinbetrieb Stelbrink in Niederntudorf fast verdreifachen

Steinbruch: Pläne schockieren Anwohner

Salzkotten-Nieder...

Die Unternehmensgruppe WRM-­Reese aus Rinteln will den Natursteinbetrieb Stelbrink in Niederntudorf großflächig erweitern. Seit Anfang Februar liegen die Antragsunterlagen dazu beim Kreis Paderborn aus. Reese will die Abbruchfläche von derzeit 3 Hektar auf 8,6 Hektar vergrößern. Im Salzkottener Bau- und Planungsausschuss am Dienstag, 23. Februar, (18 Uhr Mensa Gesamtschule) steht die Bauvoranfrage auf der Tagesordnung.

Marion Neesen

Nachbarn des Niederntudorfer Steinbruchs fürchten enorme Beeinträchtigungen, sollte die Abbruchfläche vergrößert werden. 220 Lkw-Fahrten pro Tag werden erwartet. Eine neue Zufahrt soll an dieser Stelle gebaut werden. Foto: Oliver Schwabe

Bei den Anwohnern sind die Pläne des niedersächsischen Unternehmens Anlass zu großer Sorge. Sie befürchten enorme Verkehrsbelastungen an der Ortsdurchfahrt, Lärm und Staub sowie eine Minderung der Lebensqualität, einen Wertverlust ihrer Immobilien sowie eine ökologische Zerstörung des Gebietes.

Nach eigenen Angaben will Reese den vorhandenen Steinbruch vertiefen, ihn in südöstlicher Richtung erweitern und dort in den nächsten 16 Jahren rund 1,3 Millionen Kubikmeter Kalkgestein abbauen. Gleichzeitig soll eine neue Zufahrt oberhalb des Burscheidweges den Steinbruch mit der Haarener Straße verbinden. Parallel zum Gesteinsabbau soll der Steinbruch mit Fremdboden wieder verfüllt werden. Der Verfüllzeitraum wird auf etwa 20 Jahre kalkuliert. Diese Arbeiten sollen im Jahr 2025 beginnen und voraussichtlich 2045 abgeschlossen sein.

Wilfried Ewers‘ Elternhaus steht an der Haarener Straße am Rande des Betriebsgeländes. Er ist schockiert von den Erweiterungsplänen und kritisiert die zusätzliche Zufahrt durch bestehende Waldflächen sowie eine Waldumwandlung in Straßen. Mit der Steinbrucherweiterung gehe eine unwiederbringliche Vernichtung landwirtschaftlich hochwertiger Flächen einher. Gleichzeitig werde der Lebens- und Nahrungsraum geschützter Vögel, insbesondere des Uhus und Rotmilans gefährdet. Der zusätzliche Lkw-Verkehr komme zum bereits vorhandenen des benachbarten Asphaltmischwerkes, Straßenbauunternehmens und Betonwerkes noch hinzu. Andere Anwohner haben bereits seit 2018 vermehrte Staub- und Lärmbelästigungen festgestellt. Sie fürchten nun noch größere Beeinträchtigungen. „Bisher hat uns der Steinbruch nie gestört, aber jetzt wird dort Natur auf Jahrzehnte zerstört“, sagt eine Anwohnerin. 80 Jahre werde es dauern, bis wieder ein stabiles Ökosystem entstehe, meint Wilfried Ewers. Die Wertschöpfung hingegen bleibe nicht im heimischen Raum, sondern fließe nach Niedersachsen.

Seit 2017 gehört der Niederntudorfer Steinbruch zur Unternehmensgruppe Reese. Jetzt soll er auf 8,6 Hektar wachsen. Foto: Oliver Schwabe

„Ich habe vollstes Verständnis für die Sorgen und Ängste der Anwohner, möchte sie aber gleichzeitig auch nehmen“, sagt auf WV-Anfrage Philipp Reese, Geschäftsführer des Rintelner Unternehmens. Im ersten Bauabschnitt werde Reese zwei bis drei Millionen Euro in Niederntudorf investieren. Unter anderem in die neue Zufahrt, wodurch der Lkw-Verkehr aus dem Ort herausgehalten werden soll. In Spitzenzeiten rechnet Reese mit 110 Lastwagen, also 220 Fahrten, pro Tag. Reese weist darauf hin, dass die bestehende Genehmigung sogar deutlich mehr Lastwagenverkehr zuließe. „Wir wollen die Verkehrsfrequenz jedoch darunter halten und verpflichten uns außerdem, den überwiegenden Verkehr Richtung Autobahn abzufahren“, so der 40-jährige Unternehmer. Hintergrund der Steinbrucherweiterung sei es, den „äußerst interessanten Tudorfer Stein“ (blauer und grauer Scaphitenpläner) abzubauen. Daraus stelle Reese hochwertige Natursteinprodukte für den Garten- und Landschaftsbau her. Auch Split und Kies werde gefertigt. Neben der Schaffung von etwa zwölf Arbeitsplätzen will Reese außerdem in die Abbruchtechnik investieren. „Mit zunehmendem Abbau werden die Immissionen geringer, weil künftig nicht mehr Richtung Ort sondern gegen eine Wand gearbeitet wird“, informiert der Geschäftsführer. Gleichzeitig wolle man bei den Lockerungssprengungen (etwa 20 pro Jahr) die Sprengrichtung ändern und Schutzmatten nutzen.

Für die Steinbrucherweiterung benötigt das Unternehmen Flächen, die unter anderem im Besitz der Stadt Salzkotten sind. Die Anwohner hoffen, dass die Stadt einem Verkauf nicht zustimmen werde. Philipp Reese kündigt jedoch an, dass man dann andere Lösungen für eine Erweiterung finden werde, das sei kein k.o.-Kriterium. Eine Zerstörung des Naturraumes weist Reese zurück. Es sei erwiesen, dass ein Biotop, das in einem ausgebeuteten Steinbruch entstehe, ökologisch höher zu bewerten sei als Ackerflächen. Gleichzeitig sei Reese im Naturschutz und insbesondere im Schutz des Uhus engagiert. Im Steinbruchbereich würden bereits Amphibien und Reptilien geschützt, Arten im Randbereich seien nicht betroffen.

Den Mandatsträgern im Bauausschuss kommt am Dienstag die Aufgabe zu, das städtebauliche Einvernehmen für die Steinbrucherweiterung zu erteilen oder abzulehnen. Bürgermeister Ulrich Berger weist darauf hin, dass die Entscheidung gesetzlichen Vorgaben unterliege. Letztlich könne der Kreis Paderborn das Einvernehmen ersetzen.

An der Sitzung am Dienstag will neben Anwohnern auch Philipp Reese teilnehmen und das Vorhaben vorstellen. Auch Gutachter werden dabei sein. Reese bietet außerdem an, sich bei Fragen an das Unternehmen zu wenden. Ansprechpartner dort sei Heinz-Jürgen Requardt (Tel. 05751/9246011).

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