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Grüne wollen wieder mehr Grün in die Vorgärten bringen

Steine des Anstoßes

Salzkotten (WB). Weißer Kies, futuristisch geformte Zierbäume und kein Unkräutchen auf den Pflastersteinen – so mancher Vorgarten sieht zwar edel und modern aus, verdient aber eigentlich seinen Namen nicht mehr. Den steinharten Trend der Kies- und Schottergärten haben die Grünen auch in Salzkotten beobachtet. Sie nehmen den nächsten Bau- und Planungsausschuss zum Anlass, über Steinwüsten und pflanzenlose Gärten ins Gespräch zu kommen.

Marion Neesen

Vorgärten sollen ihrem Namen wieder Ehre machen, findet auch unser Karikaturist Heinrich Schwarze-Blanke. Vögel, Bienen und Co. wären sicherlich sehr dankbar. Die Grünen bringen das Thema in Salzkotten auf die Tagesordnung.Karikatur: Heinrich Schwarze-Blanke

Die weit verbreitete Vlies- oder Folienabdeckung des Bodens führe zu einer Verarmung des Bodenlebens, weisen die Grünen auf die Kehrseite der Schottergärten und losen Steinschüttungen hin. »Viele Lebensräume gehen verloren. Das wollen wir thematisieren und den rechtlichen Rahmen ausloten, etwa, welche Grenzen es schon gibt, um der Entwicklung entgegenzuwirken«, erläutert der neue Fraktionsvorsitzende Marc Svensson. Denn für viele Tiere, wie Singvögel, Schmetterlinge und Bienen, könnten Gärten in Wohnsiedlungen Nahrungsquelle sowie wichtige Lebens- und Rückzugsräume sein und damit dem allgegenwärtigen Artenrückgang entgegenwirken.

In einzelnen Straßen präge die sterile Art der Vorgartengestaltung bereits das Erscheinungsbild

In der nächsten Sitzung des Bau- und Planungsausschusses am Montag, 18. Februar, (18 Uhr Sitzungssaal des Rathauses) erhoffen sich die Grünen Antworten auf die Fragen, wie bereits geltendes Recht angewandt und von den Behörden ausgelegt wird. »Der Wortlaut der Landesbauordnung liest sich zwar recht eindeutig und eine Begrünung könnte schon jetzt durchgesetzt werden. Die Praxis sieht aber offensichtlich anders aus«, so Svensson. In einzelnen Straßen präge die sterile Art der Vorgartengestaltung bereits das Erscheinungsbild und damit zunehmend den Gesamteindruck der Stadt. Dabei müsse auch in einen vermeintlich pflegeleichten mit Schotter und Kies gestalteten Garten Arbeit investiert werden, so Svensson zu möglichen Problemen mit Unkraut und Algenbildung auf den Steinen.

Die derzeitige Entwicklung laufe zudem der Zielsetzung der Landesbauordnung zuwider, Stadtökologie und Kleinklima zu verbessern und einer Versiegelung des Bodens entgegenzuwirken. Hinzu komme, dass Schotterflächen im Sommer die Sonnenwärme speichern und zur Überhitzung der Städte beitrügen, weil Schattenwurf durch Pflanzen und die Verdunstung des im Boden gespeicherten Wassers wegfielen.

Jeder einzelne könne einen Beitrag für die Umwelt leisten

Den Grünen gehe es nicht darum, die Keule der Verbote zu schwingen. »Natürlich möchte jeder für seinen Garten einen Gestaltungsspielraum haben«, so Svensson. Doch vielleicht könnten die Hauseigentümer auch positiv motiviert werden. Denn jeder einzelne könne einen Beitrag für die Umwelt leisten. Ideen haben die Grünen viele: So könnte etwa die Stadt eine öffentliche Grünfläche als Anschauungsbeispiel bepflanzen oder in einer Vortragsveranstaltung mit renommierten Gärtnern, Biologen oder Landschaftspflegern informieren. Auch eine Selbstverpflichtung sei denkbar, mit der die Stadt auf weitere Steingärten etwa auf Kreisverkehren verzichte. Ebenso könne ein Flyer mit Beispielen und Vorschlägen, die sich unter den Boden- und Klimaverhältnissen gut umsetzen lassen, helfen, wieder mehr Grün in Vorgärten zu bringen. »Vielleicht kann man sogar einen Preis ausloben für eine biologisch wertvolle Vorgartengestaltung«, meint Marc Svensson.

Für Gehölze gebe es in Salzkotten in einigen Bebauungsplänen bereits Pflanzgebote. Das ließe sich möglicherweise auch auf Vorgärten anwenden, etwa indem 30 Prozent der Fläche, die nicht für Zuwegungen benötigt werden, mit Stauden zu bepflanzen seien. Wenn das nicht machbar sei, könne eine Fassadenbegrünung eine Alternative sein. »Oder man geht den umgekehrten Weg und deckelt den Flächenanteil für lose Steinschüttungen. Wichtig ist, dass unterm Strich genügend Gestaltungsspielräume verbleiben. Das alles muss diskutiert werden, bevor weitere Schritte folgen«, so Svensson. Viele Städte und Gemeinden diskutierten Anreize und Reglementierungen bei der Vorgartengestaltung oder hätten bereits entsprechende Beschlüsse gefasst. »Auch die Stadt Salzkotten muss hier ihre ökologische Verantwortung wahrnehmen«, so die Grünen.

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