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Tierische Pädagogen sind in Scharmeder Förderschule auch während der Pandemie im Einsatz

Wideys Hunde langweilen sich nicht

Salzkotten-Scharmede

Seit mehreren Wochen ist der Präsenzunterricht eingestellt. Für die meisten Schüler heißt das: selbstständiges Lernen von Zuhause aus, Online-Unterricht, Videokonferenzen und eine Menge Selbstdisziplin – so auch für die Kinder und Jugendlichen an der Schule Haus Widey, einer Förderschule in Scharmede. Hier gehören Hunde fest zum pädagogischen Team – auch in der Pandemie.

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Zwergpudel Lui und Sonderpädagogin Barbara Beverungen haben sich an die Alltagsmasken schon gewöhnt. Foto: Haus Widey

Viele der Schüler in Widey sind psychisch stark belastet. Fehlende technische Möglichkeiten und mangelnde häusliche Unterstützung erschweren für sie das selbstständige Lernen im Distanzunterricht. Im oft tristen Alltag fehlt der persönliche Kontakt zu wichtigen Bezugspersonen. Das sind häufig die speziell ausgebildeten Pädagogen. An der Schule Haus Widey handelt es sich dabei aber nicht nur um menschliche Fachkräfte, sondern auch um die zwei Schulhunde Lui und Venus. Mal sind sie Begleitung bei Spaziergängen, mal Seelentröster, häufig Gesprächsöffner und Lernspielpartner, immer aber sind sie wichtiger Bestandteil der besonderen pädagogischen Arbeit.

Lui, ein fünfjähriger Zwergpudel, ist bei den Schülern des Hauptschulbereichs sehr beliebt. Von klein auf begleitete er die Sonderpädagogin Barbara Beverungen bei ihrer Arbeit.

Luis Aufgaben in der Schule sind vielfältig. Er unterstützt die Kinder beim Lernen, er bringt Ruhe und Entspannung ins Klassenzimmer und er hilft, Herausforderungen zu meistern. So ist etwa eine Plakatpräsentation mit einem Zuhörer auf vier Pfoten erstmal einfacher, als die Arbeitsergebnisse direkt der ganzen Klasse vorzustellen. „Mit Lui können sich viele Schüler viel besser auf den Unterricht einlassen“, erzählt Barbara Beverungen.

Das Highlight des Tages ist die Hundestunde. Hier bringen die Kids dem Zwergpudel allerhand Tricks bei. Von „Pfote geben“ über „Etuis tragen“ bis hin zu „Skateboard fahren“ – Lui begeistert Groß und Klein. „Kommt Frau Beverungen mit Lui in den Unterricht, steigt die Lernmotivation“, schwärmt eine Klassenlehrerin.

Hauptsächlich im Förderberufskolleg arbeitet Venus, eine Europäische Schlittenhündin, geführt von der Sonderpädagogin Daisy Melzer. Venus ist ausgebildete Schulbegleithündin gemeinsam mit ihrer Besitzerin beim Qualitätsnetzwerk Schulbegleithunde. Im Unterricht hilft Venus, eine freundliche Lernatmosphäre zu schaffen und unterstützt so die Jugendlichen, sich besser zu konzentrieren. Außerdem kann sie dazu beitragen, die Beziehungen zwischen Schülern und Lehrern zu verbessern.

Was aber machen die beiden Schulhunde, wenn kein Präsenzunterricht stattfindet und die meisten Schüler von zu Hause aus arbeiten müssen? Hier ist Kreativität gefragt.

Venus übt fleißig neue Tricks ein, damit sie noch vielseitiger wird im Einsatz als Lernpartnerin. Das Glücksrad zu bedienen, ist solch eine neue Herausforderung für die Hündin. „Ich bringe Venus immer wieder Neues bei, um den Lernanreiz bei der Klasse hoch zu halten“, meint Daisy Melzer, „außerdem tut es Venus gut, dazu zu lernen.“

Lui versucht, trotz des Lockdowns Kontakt zu den Schülern zu halten. Aktuell vermissen sie ihren Schulhund sehr und er freut sich, die Klasse bei den Videokonferenzen zu hören. Seit dieser Woche aber hat Lui noch eine neue Aufgabe: Er besucht die Kinder und Jugendlichen zu Hause und bringt neue Arbeitsmaterialien vorbei. Endlich gab es mal wieder ausreichende Streicheleinheiten für den Zwergpudel. Und sein Besuch zauberte ein Lächeln in die Gesichter, als der vierbeinige Postbote die Aufgaben für eine weitere Woche Distanzunterricht überreichte.

Die Aufgaben im Home-Office sind für die Schulhunde also durchaus vielseitig. Dennoch freuen sich die menschlichen und die tierischen Pädagogen auf die Zeit nach dem Lockdown.

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