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Die Corona-Lage im Kreis Paderborn am Donnerstag, 14. April: 11.300 Infizierte

Situation weiterhin angespannt – Verantwortliche appellieren: "Abstand, Hygiene, Impfen!"

Paderborn

Angesichts der Corona-Situation, die  weiterhin angespannt sei, appellieren der Kreis Paderborn, die Kliniken und die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe, vorsichtig zu sein, und werben für Verständnis. In einer Mitteilung des Kreises von Freitag heißt es: "Die Corona-Pandemie hält an, die Fallzahlen sind trotz sinkender Inzidenz weiterhin hoch."

Bearbeitet von Lars Rohrandt

Symbolbild. Foto: dpa

Die Verantwortlichen raten demnach eindringlich zu Vorsichtsmaßnahmen. Eine Hotspot-Regelung komme für sie allerdings nicht in Frage. Vermehrt seien in den vergangenen Tagen Stimmen laut geworden, die eine sogenannte Hotspot-Regelung für den Kreis Paderborn forderten. Diese würde zu strengeren, lokal begrenzten Regelungen führen. Wie berichtet, hatte der Bielefelder Rat einen Hotspot-Antrag gestellt. NRW-Gesundheitsminister Karl Josef Laumann betonte die Aussichtslosigkeit des Antrages.

„Die Infektionszahlen im Kreis Paderborn befinden sich unbestritten auf einem hohen Niveau, auch wenn die Inzidenz aktuell leicht rückläufig ist“, erklärte Landrat Christoph Rüther am Freitag. Doch eine Hotspot-Regelung würde die angespannte Lage nicht lösen. Da sind sich den Angaben zufolge  Rüther und die Leitungen der Krankenhäuser  (St. Johannisstift, Brüderkrankenhaus St. Josef Paderborn und St.-Vincenz-Kliniken, MZG Bad Lippspringe) sowie Dr. Ulrich Polenz (Leiter der Bezirksstelle der Kassenärztlichen Vereinigung) einig. „Hier würden wir an der falschen Stelle ansetzen“, so die Verantwortlichen aus den Kliniken laut Mitteilung. „Außerhalb der Kreisgrenzen würden in diesem Fall keine schärferen Vorgaben angewandt. Nicht all unsere Mitarbeitenden und Patienten wohnen im Kreis Paderborn. Sie wären, genauso wie die Bürgerinnen und Bürger, die das Kreisgebiet verlassen, im Privaten weiterhin einem höheren Infektionsrisiko ausgesetzt.“

Landrat Rüther sei sich bewusst, dass sich die Menschen nach einem „normalen“ Leben sehnen: „Dieser Wunsch ist absolut verständlich. Das Auslaufen der Corona-Schutzverordnung in NRW hat den Eindruck erweckt, dass die Pandemie vorbei ist. Dies ist jedoch nicht der Fall.“ Das Land setze hier auf die Eigenverantwortung eines jeden Einzelnen und dies bedeute weiterhin: "Abstand, Hygiene, Impfen!"

Lage in Kliniken

Dieser Meinung schließen sich die Kliniken laut Mitteilung an. Sie machen sehr deutlich darauf aufmerksam, dass sie – wie berichtet – aufgrund von anhaltend hohen Corona-Patienten-Zahlen, Personalausfällen und Quarantäneregelungen an der Belastungsgrenze arbeiten. Die Personalsituation sei inzwischen hoch dramatisch: Allein in den St.-Vincenz-Kliniken gab es im März 254 positive Schnelltests der Mitarbeiter, im April bislang 93 (Stand 14. April). Ähnlich sieht es in den anderen Kliniken aus. Die Verantwortlichen sind sich einig: Die Versorgungssituation sei zunehmend schwierig.

Dennoch rufen sie Patienten auf, sich mit Beschwerden zu melden. „Niemandem ist geholfen, wenn Patienten durch Ängste, die aufgrund von neuen, lokal begrenzten Beschränkungen ausgelöst werden, die Kliniken meiden“, erklären Dr. Josef Düllings, Siegfried Rörig, Achim Schäfer und Martin Wolf. Ihrer Erfahrung nach trauen sich seit Beginn der Pandemie viele Menschen mit gesundheitlichen Problemen nicht mehr in Arztpraxen und Kliniken. Die Folge seien auffallend viele schwere Krankheitsverläufe, die in den vergangenen Jahren so nicht beobachtet worden seien. „Wir sind in den Krankenhäusern zu jeder Zeit in der Lage akute Notfälle umfänglich zu versorgen. Rufen Sie mit ernstzunehmenden Beschwerden, die auf schwere Krankheiten wie einen Herzinfarkt oder Schlaganfall hinweisen, immer sofort den Notarzt und kommen sie ins Krankenhaus“, appellieren die Verantwortlichen und fügen hinzu: „Es gibt an allen Häusern ein eingeschränktes Leistungsangebot. Dieses betrifft jedoch ausschließlich die sogenannten Elektiveingriffe – d.h. Behandlungen, die nicht zwingend sofort erfolgen müssen.“ Niemand sollte aus Angst vor dem Coronavirus notwendige Untersuchungen meiden.

Verantwortliche werben für Vorsichtsmaßnahmen

Stattdessen werben Rüther, die Vertreter der Kliniken und Polenz gemeinsam dafür, die Vorsichtsmaßnahmen weiterhin ernst zu nehmen und sich selber und somit auch das Gesundheitswesen zu schützen. Dies bedeutet konkret: „Bitte setzen Sie weiterhin eine Maske auf, halten Sie Abstände ein und lassen Sie sich, falls noch nicht geschehen, impfen“, erklärte  Polenz von der Kassenärztlichen Vereinigung. Zudem bitten die Akteure gemeinsam um Verständnis für Regelungen, die von den Kliniken und auch vom Kreis für ihre Einrichtungen erlassen wurde, wie die 3G-Regelung und eine Pflicht zum Tragen vom FFP2-Masken. Dies gilt beispielsweise auch im Kreishaus und in den Nebenstellen wie dem Straßenverkehrsamt. Mitarbeiter müssten hier oft Diskussionen zu den Vorgaben führen.

„Wir bitten Sie eindringlich: Nehmen Sie die Regelungen ernst, damit unsere Mitarbeitenden sich auf ihre eigentliche Arbeit konzentrieren können“, so   Christoph Rüther, Achim Schäfer, Martin Wolf, Siegfried Rörig, Dr. Josef Düllings und Dr. Ulrich Polenz. „Unseren Mitarbeitern gilt hier der größte Dank für ihren außergewöhnlichen Einsatz in dieser so belastenden Situation. Helfen Sie unseren Teams, die Situation zu entlasten!“

Inzidenz

Das Robert-Koch-Institut (RKI) hat am Donnerstagmorgen für den Kreis Paderborn eine gesunkene Wocheninzidenz von 1102,7 (-31,8) ausgewiesen (Stand: 0 Uhr). Das entspricht 3400 Corona-Neuinfektionen in den vergangenen sieben Tagen. Die Gesamtzahl der bestätigten Corona-Fälle seit Pandemiebeginn beträgt laut Landeszentrum Gesundheit (LZG) NRW nun 68.292 – 520 mehr als am Vortag. 427 neue Fälle datiert die Einrichtung in Bochum auf Mittwoch (siehe unten: Melde- und Übermittlungsverzug).

Am Mittwoch lag die tagesaktuell gemeldete Inzidenz bei 1134,5, am Donnerstag vor einer Woche bei 1225,6 und am Donnerstag vor einem Monat bei 1039,5. Das LZG schätzt die Anzahl der aktuell Infizierten im Kreis auf 11.300 (-300).

Das DIVI-Intensivregister gibt für den Kreis Paderborn an, dass 61 von 74 Intensivbetten belegt sind – 7 mit Corona-Fällen, davon werden 5 invasiv beatmet (Stand: 14.4., 14.30 Uhr, stündliche Aktualisierung, Erwachsenen-Intensivstationen). Insgesamt werden laut Kreis zurzeit 66 Corona-Patienten im Krankenhaus behandelt.

Seit Pandemiebeginn sind im Kreis Paderborn 216 Todesfälle in Zusammenhang mit einer Corona-Infektion zu beklagen.

Inzidenzwerte

Der Inzidenzwert in Nordrhein-Westfalen liegt am 14. April bei 920,6 (Vortag: 944,9) und in Deutschland bei 1015,7 (1044,7). Der Blick in die Paderborner Nachbarkreise ergibt nach LZG-Angaben folgendes Bild: Gütersloh 1097,5 (1053,7) – Hochsauerlandkreis 1100,6 (1142,3) – Höxter 959,7 (1023,4) – Lippe 950,5 (961,8) – Soest 880 (839,5).

Der Inzidenzwert ergibt sich aus der Summe der neuen Coronavirus-Infektionen in den vergangenen sieben Tagen pro 100.000 Einwohner.

Blick auf die Altersverteilung

Nach Angaben des LZG sieht die Inzidenz im Kreis Paderborn wie folgt bei den verschiedenen Altersgruppen aus (gerundet; Stand: 14.4., 0 Uhr)

0 bis 4 Jahre: 447

5 bis 9 Jahre: 861

10 bis 14 Jahre: 1211

15 bis 19 Jahre: 1737

20 bis 24 Jahre: 1692

25 bis 29 Jahre: 1523

30 bis 34 Jahre: 1336,5

35 bis 39 Jahre: 1280

40 bis 44 Jahre: 1276

45 bis 49 Jahre: 1152

50 bis 54 Jahre: 1187

55 bis 59 Jahre: 1215

60 bis 64 Jahre: 1070

65 bis 69 Jahre: 615

70 bis 74 Jahre: 367

75 bis 79 Jahre: 535

80 bis 84 Jahre: 412

85 bis 89 Jahre: 450

90+: 225

Osterfeiertage: Impfstelle und Hotline

Impfungen

Impfungen in der Impfstelle des Kreises Paderborn in der Sälzerhalle in Salzkotten in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Roten Kreuz:

  • geimpft wird montags und dienstags von 9 bis 17 Uhr sowie mittwochs bis freitags von 12 bis 20 Uhr
  • durchgeführt werden Erstimpfungen, Zweitimpfungen und Auffrischungsimpfungen (erste und zweite Booster-Impfung)
  • montags bis donnerstags kann jeder spontan vorbeikommen und sich impfen lassen (während der Öffnungszeiten)
  • aus Gründen des Infektionsschutzes ist in der Impfstelle eine FFP2-Maske zu tragen
  • weitere Infos: kreis-paderborn.de/impfen

Hintergrund

Alle Entwicklungen rund um das Coronavirus in OWL, Deutschland und auch weltweit lesen Sie im Newsblog des WESTFALEN-BLATTES.

Das Infotelefon des Paderborner Kreisgesundheitsamts ist von Montag bis Freitag in der Zeit von 9 bis 16 Uhr und am Samstag in der Zeit von 12 bis 16 Uhr unter der Telefonnummer 05251/3083333 zu erreichen. Beantwortet werden allgemeine Fragen zu COVID-19, zu den aktuellen Quarantäne- und Isolationsregeln sowie rund um das Thema Impfen gegen das Coronavirus.
www.kreis-paderborn.de/corona
www.kreis-paderborn.de/impfen
www.kreis-paderborn.de/schnelltest

Patienten mit Verdacht auf Corona können sich außerhalb der Öffnungszeiten der Hausarztpraxen an den Bereitschaftsdienst der Kassenärztlichen Vereinigung, Telefon 116117 wenden. In Notfällen wie Atemnot oder starke Schmerzen im Herzbereich oder Brust sollte sofort der Notruf 112 gewählt werden.

Unter www.corona-schutzimpfung.de ist ein Informationsangebot abrufbar, das bundeseinheitliche Informationen rund um die Schutzimpfung bereithält. Unter der Rufnummer 116117 werden Fragen rund um Corona-Schutzmaßnahmen und die -Schutzimpfung beantwortet – kostenlos, sieben Tage pro Woche, von 8 bis 22 Uhr.

Hier informiert die Bundesregierung zum Coronavirus und zur Corona-Schutzimpfung, und hier das Land Nordrhein-Westfalen: https://www.land.nrw/corona
(Coronaschutzverordnung in der ab dem 3. April gültigen Fassung).

Hintergrund: Fallzahlen

Stichwort: Melde- und Übermittlungsverzug

Da die offizielle Corona-Inzidenz des RKI für den Kreis Paderborn nicht mehr das Infektionsgeschehen abbildete, wurde Ende Januar das Meldeverfahren des Kreises ans LZG verändert. „Bei dem derzeitigen Infektionsgeschehen schaffen wir es nicht mehr, alle Fälle mit Meldebogen an das LZG zu übermitteln. Wir haben uns deshalb darauf verständigt, erst einmal nur die Fallzahlen zu senden, und die Meldebögen im Nachgang nachzureichen“, sagte die Leiterin des Kreisgesundheitsamtes, Dr. Constanze Kuhnert, am 27. Januar. Vom LZG gehen die Fälle ans RKI. Das Paderborner Kreisgesundheitsamt konzentriere sich "angesichts der derzeit explodierenden Zahlen auf seine originäre Aufgabe, die Eindämmung des Pandemiegeschehens", hieß es im Lagebericht des Kreises vom 3. Februar. Nach der Veränderung des Meldeverfahrens stieg die Inzidenz stark an und bildete das Infektionsgeschehen laut Kreis wieder ab.

Das Landeszentrum Gesundheit (LZG) NRW führt zum Meldeprozess auf seiner Website folgendes aus: „Dargestellt wird der jeweilige Meldestand, den die Gesundheitsämter entsprechend den Vorgaben des Infektionsschutzgesetzes (IfSG) anhand der örtlichen Meldungen feststellen und an das LZG übermitteln. Das LZG seinerseits leitet die Daten täglich im Laufe des Abends an das Robert-Koch-Institut (RKI) weiter, beide weisen einmal täglich zum Tageswechsel einen aktualisierten Stand aus. Dieser mehrstufige Meldeprozess ist vor allem in den örtlichen Gesundheitsämtern arbeits- und zeitaufwändig und unterliegt einer ständigen Qualitätssicherung. Daher kommt es immer wieder vor, dass die Angaben auf der örtlichen, der Landes- und der Bundesebene nicht vollständig deckungsgleich sind. Insbesondere ist es möglich, dass vor Ort bereits Informationen vorliegen, die noch nicht im Meldewesen weitergeleitet wurden.“

Das Robert-Koch-Institut (RKI) dazu: "Für die Gesamtzahl pro Bundesland/Landkreis werden die den Gesundheitsämtern nach Infektionsschutzgesetz gemeldeten Fälle verwendet, die dem RKI bis zum jeweiligen Tag um 0 Uhr übermittelt wurden. Für die Darstellung der neuübermittelten Fälle pro Tag wird das Meldedatum verwendet – das Datum, an dem das lokale Gesundheitsamt Kenntnis über den Fall erlangt und ihn elektronisch erfasst hat. Zwischen der Meldung durch die Ärzte und Labore an das Gesundheitsamt und der Übermittlung der Fälle an die zuständigen Landesbehörden und das RKI können einige Tage vergehen (Melde- und Übermittlungsverzug). Jeden Tag werden dem RKI neue Fälle übermittelt, die am gleichen Tag oder bereits an früheren Tagen an das Gesundheitsamt gemeldet worden sind. Diese Fälle werden in der Grafik Neue COVID-19-Fälle/Tag dann bei dem jeweiligen Datum ergänzt." Der genaue Infektionszeitpunkt der gemeldeten Fälle kann in aller Regel nicht ermittelt werden. Das Meldedatum an das Gesundheitsamt spiegelt daher am besten den Zeitpunkt der Feststellung der Infektion (Diagnosedatum) und damit das aktuelle Infektionsgeschehen wider. Durch den Meldeverzug sind die Daten die letzten Tage in der Grafik noch unvollständig und füllen sich mit den in den kommenden Tagen nachfolgend übermittelten Daten auf.

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