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Amir Tadres und Hanna Kriese möchten im Kreis Paderborn Dolmetscherpool für geflüchtete Ukrainer aufbauen

„Wir wollen mit dem Projekt ein solidarisches Zeichen setzen und helfen"

Altenbeken/Paderborn

Amir Tadres und Hanna Kriese möchten im Kreis Paderborn einen ehrenamtlichen Dolmetscherpool für geflüchtete Ukrainer aufbauen und suchen dafür Menschen, die Ukrainisch oder Russisch sprechen.

Von Sonja Möller

Die gebürtige Ukrainerin Hanna Kriese und Altenbekens Sozialarbeiter Amir Tadres möchten die Flüchtlinge aus der Ukraine bestmöglich unterstützen und planen, einen kreisweiten Dolmetscherpool aufzubauen. Foto: Oliver Schwabe

Amir Tadres ist Sozialarbeiter in Altenbeken. Der 38-Jährige unterstützt geflüchtete Menschen dabei, Fuß in ihrem neuen Leben in der Eggegemeinde zu fassen. Um auch den Kriegsflüchtlingen aus der Ukraine bestmöglich zur Seite stehen zu können, möchte der vierfache Familienvater zusammen mit Hanna Kriese einen kreisweiten, ehrenamtlichen Dolmetscherpool aufbauen. Dafür suchen die beiden jetzt Menschen, die ukrainisch oder russisch sprechen und helfen wollen.

Hanna Kriese ist gebürtige Ukrainerin und lebt seit mittlerweile 25 Jahren in Deutschland. Doch die Verbindung zu ihrem Geburtsland ist noch stark: Ihre Nichten und Neffen und deren Familien leben im Osten der Ukraine und sind in ständigem Austausch mit der 46-Jährigen. Am Abend, bevor der Krieg ausbrach, hat sich der Sohn ihres Neffen auf eine Weltmeisterschaft vorbereitet, ihre vierjährige Nichte hat Gedichte für ein Kindergartenfest auswendig gelernt und Hanna Kriese per Videotelefonie vorgetragen.

„Nichts ist mehr, wie es war“

„Als wir dann am Donnerstag aufgestanden sind, haben wir unseren Augen nicht geglaubt. Krieg, Krieg, Krieg. Seit dem 24. Februar steht das Leben still. Nichts ist mehr, wie es war“, erzählt die 46-Jährige mit zitternder Stimme. Seit diesem Tag ist für die Mutter eines erwachsenen Sohnes alles anders. Über die sozialen Medien und Live-Nachrichtenseiten verfolgt sie das Kriegsgeschehen und kann die Bilder und Informationen kaum ertragen. „Meine Familie lebt 1000 Kilometer von der Grenze entfernt. Sie will nicht flüchten. Der lange Weg wäre auch viel gefährlicher als zu bleiben. Aber jedes Mal, wenn wir gute Nacht sagen, hat das jetzt eine ganz andere Bedeutung. Wir wissen nicht, ob wir uns noch mal sprechen“, erzählt die Paderbornerin unter Tränen. Viele Ukrainer hätten einen starken Bezug zu ihrem Land und ihrem Zuhause und wollten bleiben. Was bei Hanna Kriese bleibt, ist die Angst um ihre Familie und die Fassungslosigkeit über das Geschehene.

Auch Amir Tadres ist geschockt von den Bildern und fühlte sich in die Zeit von 2015 zurückversetzt. Für ihn war sofort klar, er will helfen. Seine Idee von einem Dolmetscherpool für den Kreis Paderborn erzählt er Hanna Kriese, die Deutsch und Ukrainisch auf Lehramt studiert hat und sofort mitmacht. „Wir wollen mit dem Projekt ein solidarisches Zeichen setzen und helfen. Wir bereiten uns intensiv darauf vor, Geflüchtete aus der Ukraine aufzunehmen und bestmöglich zu unterstützen“, sagt er.

"Insbesondere die ersten Tage sind sehr wichtig"

Unbürokratisch und schnell, so stellen sich beide die Hilfe vor. Für Tadres geht es nicht alleine ums Dolmetschen, sondern auch darum, den Menschen zur Seite zu stehen. „Die erste Zeit ist für Geflüchtete keine einfache. Insbesondere die ersten Tage sind sehr wichtig“, weiß er, der in Altenbeken eine sehr große Hilfsbereitschaft wahrnimmt: „Wir haben die Möglichkeit acht Familien aufzunehmen.“ An diesem Freitag komme die erste geflüchtete Person in der Gemeinde an.

Hanna Kriese kennt viele Ukrainer, die schon lange als Fachkräfte in Deutschland arbeiten. Softwareentwickler, Ärzte, Pfleger. Sie hofft, dass sich viele am Dolmetscherpool beteiligen. Zuversichtlich stimmt die beiden, dass bereits nach einem Tag sieben Menschen ihre Hilfe angeboten haben.

Wer ukrainisch oder russisch spricht und mithelfen möchte, meldet sich bei Amir Tadres, Telefon 0152/56799463, E-Mail: Amir.Tadres@altenbeken.de, oder bei Hanna Kriese, Telefon 0176/84217015, E-Mail: hannakr@live.de.

Gemeinde Altenbeken sucht Wohnraum

Auch die Gemeinde Altenbeken sucht auf ihrer Internetseite Unterbringungsmöglichkeiten für Geflüchtete aus der Ukraine, die in der Eggegemeinde Zuflucht suchen. „Wir bitten deshalb alle, die über freien Wohnraum verfügen, zu überlegen, ob sie diesen im Bedarfsfall zur Unterbringung von geflüchteten Menschen aus der Ukraine zur Verfügung stellen können“, heißt es auf www.altenbeken.de. Wer Platz hat, kann sich im Bürgerbüro unter Telefon 05255/12000 oder per E-Mail an info@altenbeken.de melden.

Über die aktuelle Entwicklung durch den russischen Angriff auf die Ukraine halten wir Sie in unserem Liveticker auf dem Laufenden.

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