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Eine dreilagige Flechthecke ist im „Im Haidfeld“ in Bergheim eingebunden worden

Kulturgut soll erhalten bleiben

Steinheim-Bergheim

In Bergheim ist jetzt „Im Haidfeld“ mit Unterstützung von Ulrich Pieper, dem Vater der Flechthecke, entlang eines Feldes auf rund 100 Meter eine dreilagige Flechthecke eingebunden worden.

Von Heinz Wilfert

„Flechthecker“ haben in Bergheim eine Hecke nach dem Vorbild der dreilagigen Nieheimer Flechthecke eingebunden (von links): Wolfgang Schlick, Heinz Liene, Ulrich Pieper und Franz Sander. An der Aktion war ebenfalls Franz Weber beteiligt. Foto: Heinz Wilfert

Einst prägten Hecken die Landschaften der Region in besonderer Weise. Durch die großflächige Landwirtschaft wurden diese Hecken immer mehr verdrängt, die in der Nieheimer Flechthecke eine besondere Ausprägung erfahren haben. In den letzten 70 Jahren sind jedoch die Hälfte aller Hecken in Deutschland meist durch Flurbereinigungsmaßnahmen verschwunden.

Durch die Anerkennung als immaterielles Kulturerbe hat die Nieheimer Flechthecke einen zusätzlichen Schub erhalten. An vielen Orten außerhalb Nieheims gehen Heimatfreunde daran, das alte Kulturgut zu erhalten oder sogar wiederzubeleben. Der eigentlichen Arbeit ging eine längere Planungsphase voraus. „Die Hecke wurde mit Hilfe von Jugendlichen zurückgeschnitten und von überflüssigem Holz befreit“, erzählt Heinz Liene, der sich über das wachsende Interesse freut, solche Hecken neu zu entdecken. Man hoffe, dass sich gerade junge Heimatfreunde engagieren, um Heckenlandschaften langfristig zu sichern. Pieper bescheinigte den Bergheimern eine gute Vorarbeit.

Flechthecken auch in Vinsebeck und Ottenhausen

In Steinheim sind Flechthecken bereits in Vinsebeck und Ottenhausen entstanden. In Bergheim ist es die einzige Flechthecke seit mehr als 50 Jahren. Die Maßnahme war mit dem Pächter des angrenzenden Feldes abgesprochen, der davon auch profitiere, weil er durch die eingebundene Hecke mehr Fläche pflügen könne. Hecken dienten einst nicht nur zur Abgrenzung der Felder. Sie boten Schutz gegen Winderosion und sind ein idealer Lebensraum für viele Tiere.

Dass Hecken auch Klimaschützer sind, hat das Thünen-Institut für Agrarklimaschutz in Braunschweig erforscht. Eine auf Ackerland gepflanzte Hecke von 720 Metern kann langfristig die Treibhausemissionen kompensieren, die ein Durchschnittsdeutscher innerhalb von zehn Jahren verursacht. Pro Hektar werde in einer Hecke im langjährigen Mittel fast genau so viel Kohlenstoff gebunden wie in Wäldern, lautet das Ergebnis der Studie.

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