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Antonius Tillmann: „Landwirte brauchen Perspektiven!“

Lage der Schweinehalter angespannt

Kreis Höxter

Die Lage der Schweinebauern ist derzeit angeschlagen. „Die Erzeugerpreise liegen am Boden, und ständig kommen neue Auflagen von Handel und Politik dazu“, erklärt Antonius Tillmann, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Höxter.

Die Lage der Schweinebauern ist angespannt. Rund 300 Schweinehalter gibt es im Kreis Höxter, davon 65 Sauenhalter. Foto: Landwirtschaftsverband (WLV)

„Die Landwirte kennen den Markt mit seinen Höhen und Tiefen seit Jahrzehnten.“ Doch dieses Preistal sei anders. Neben niedrigen Preisen und gestiegene Kosten würden die Afrikanische Schweinepest in Deutschland, wegbrechende Märkte und vor allem fehlende Rahmenbedingungen hinzu kommen.

„Die Kosten für die Erzeugung – wie höhere Futterpreise – übersteigen deutlich die Erlöse“, verdeutlicht Tillmann. Dazu komme eine extreme Verschiebung der Weltmärkte. „Das Problem liegt nicht in Deutschland, hier ist die Menge an Schweinefleisch seit Monaten rückläufig“, so der Vorsitzende. „Doch ausländische Ware drängt durch das Verschieben der globalen Märkte auf unseren deutschen Markt.“

Rund 300 Schweinehalter gibt es im Kreis Höxter, davon 65 Sauenhalter. „Vor allem die Höfe, die Sauen halten, sind besonders stark betroffen“, sagt Tillmann. Sie würden nicht nur unter einer stockenden Abnahme und niedrigen Preisen leiden. Ihnen stehen zudem hohe Investitionen für gesetzliche Umbauten in den Ställen bevor.

Der Landwirtevorsitzende untermauert die Bereitschaft der Bauern für eine Weiterentwicklung in der Tierhaltung. Doch vieles könnten die Familien auf den Höfen nicht gleich von heute auf morgen stemmen. „Entscheidungen und Investitionen haben immer eine lange Tragweite“, betont Sauenhalter Rainer Menne aus Warburg. „Höhere Ansprüche an die Landwirtschaft kosten nun mal mehr Geld, für uns höheren finanziellen und bürokratischen Aufwand.“ Doch hohe Standards und Preise auf Weltmarktniveau passten nicht zusammen. Hinzu komme: Die heimischen Landwirte geraten im internationalen Vergleich wirtschaftlich eindeutig ins Hintertreffen.

„Uns fehlen verlässliche Rahmenbedingungen“, bringt es Rainer Menne auf den Punkt. Oft handele es sich um politische Scheinlösungen. So seien zum Beispiel Umwelt- und Tierschutz in Deutschland ein Zielkonflikt, mit dem die Bauern allein gelassen würden. Der Berufsstand fordert deshalb ein entschlossenes Handeln und Unterstützung und zwar auf allen Ebenen von Handel, Verarbeiter, Politik und Gesellschaft. „Wir brauchen das Bekenntnis des Handels zum hochwertigen deutschen Produkt“, untermauert Tillmann, „das gilt für Milch- und Fleischprodukte gleichermaßen.“

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