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Zwei ehemalige Patienten der Bad Essener Berghofklinik II berichten von ihrem Weg aus der Sucht

Lebensqualität zurückgewonnen

Bad Essen/Preußis...

Der Weg aus der Sucht zurück ins Leben – Herr und Frau K. sind diesen Weg gegangen. Beide haben nach einer stationären Entwöhnungsbehandlung und einer darauf aufbauenden Adaptionsmaßnahme in den Bad Essener Suchtfachkliniken die Wende in ihrem Leben geschafft.

Heute gehen die beiden ehemaligen Patienten der Berghofklinik gemeinsam durchs Leben. Foto:

Die Adaptionsmaßnahme unterstützt Suchtpatienten dabei, den Übergang in einen suchtmittelfreien Alltag zu bewältigen und den Therapieerfolg zu festigen. Neben Praktika steht die eigenständige Lebensführung im Mittelpunkt der Behandlung. Ein Weg zu mehr Eigenständigkeit und Lebensqualität, der sehr wertvoll sein kann, wenn die Patienten sich darauf einlassen.

Für Herrn K. wurde mit der Therapie klar, dass eine räumliche und berufliche Neuorientierung stattfinden musste, damit sein Weg in eine zufriedene Abstinenz gelingen kann. „Ich bin gelernter Tischler, habe studiert und 15 Jahre Berufserfahrung. Mein Job hat mit dazu beigetragen, dass ich in Bad Essen gelandet bin.“ Die Adaptionsmaßnahme habe ihm das Gefühl zurückgegeben, wieder allein seinen Tag gestalten und normal leben zu können, wohlwissend um die begleitende Unterstützung der Therapeuten vor Ort. Sein erstes Praktikum absolvierte er in einer Tischlerei, in der Herr K. heute fest angestellt ist und als Gruppenleiter arbeitet. „Das war von Anfang an meine Traumstelle. Also habe ich nach dem Praktikum nie den Kontakt zum Arbeitgeber verloren und bin drangeblieben. Mit Erfolg“, freut sich Herr K. über seine berufliche Entwicklung.

Frau K. fügt ergänzend hinzu: „Es ist einfach schön zu sehen, wie viel Spaß und Freude er heute wieder an seiner Arbeit hat.“ Aber auch mit Rückschlägen musste er umgehen. Nach einem Rückfall suchte sich Herr K. jedoch sofort Hilfe, um seinen Weg wieder zu finden. „Die Zeit war schwierig und anstrengend. Wichtig war, sich darauf einzulassen“, resümiert er die Zeit nach dem Rückfall.

Frau K.

Der Weg in die Adaption erfolgte für Frau K. auf Rat ihres Therapeuten nach der zweiten stationären Therapie. „Bei meiner ersten Therapie war mir nicht klar, warum ich aufhören soll. Die zweite Therapie brachte Klarheit und war wichtig für mich“, erklärt sie ihren Entwicklungsprozess. Mit der Trennung vom Ehemann musste ihr Leben neu sortiert werden und die Erkenntnis reifte: „Ich kann für mich da sein und einen eigenen Lebensentwurf haben.“

Nach der Adaption folgte die Vorbereitung auf die Wiedereingliederung über das Arbeitsamt. „Mein eigener Anspruch war sehr hoch. Ich wollte möglichst viel für mich rausziehen, wodurch ich mich unglaublich unter Druck gesetzt habe“, beschreibt Frau K. die Zeit nach der Therapie. Starke Erschöpfungssymptome mit Panikattacken und Ängsten, die sie noch heute manchmal übermannen, sowie ein mehrwöchiger Klinikaufenthalt waren die Folge. Seit April diesen Jahres ist die gelernte Architektin ebenfalls beim Arbeitgeber ihres Partners angestellt. „Ich zeichne und kalkuliere Küchen, kümmere mich um die Akquise und die Büroarbeit. Früher ging es mir darum, Geld zu verdienen und Häuser zu bauen, heute visualisiere ich meine Ideen für private Kunden.“

Um im Alltag besser mit ihren Panikattacken und Ängsten umgehen zu können, unterstützt Frau K. seit gut acht Monaten eine weiße Schäferhündin als Assistenzhund. „Sie begleitet und unterstützt mich, wenn die Ängste wieder stärker werden, allein vor die Tür zu gehen. Wir haben eine sehr starke Bindung zueinander aufgebaut.“

Rückblickend steht für Frau K. fest: „Durch die Therapie habe ich meine Lebensqualität wiedergefunden, spüre wieder Freude und habe die Erkenntnis gewonnen, dass alle Gefühle ihre Berechtigung haben.“

Heute, rund drei Jahre später, bilden Herr und Frau K. quasi ihre private Therapiegruppe zu zweit. Die beiden hatten sich zum Ende ihrer Therapien als Paar gefunden, seitdem gehen sie gemeinsam durchs Leben. „Es ist herausfordernd und schwierig zugleich, aber auch ein tolles Miteinander. Wir stützen uns gegenseitig. Unser Credo: Kommunikation und reden sind wichtig!“, sind sich beide einig.

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