Verabschiedung der Schulentlass-Jahrgänge 2021 unter Hygiene-Auflagen möglich

Lehrern liegt Abschlussfeier am Herzen

Brakel/Höxter/Ste...

Keine Abschlussfeier, das Zeugnis kommt per Post: Dieses traurige Szenario eines sang- und klanglosen Abschieds wird sich für die Entlassjahrgänge der Schulen nicht bewahrheiten.

Von Sabine Robrecht

Abitur 2020: „Abschlussfeier“ des KWG in der Stadthalle Höxter: Sitzplätze mit Abstand, kurze Zeugnisübergabe, Fotos mit Drohne. Mehr war in Pandemiezeiten nicht möglich. Foto: Foto: Michael Robrecht

Die Lehrerinnen und Lehrer können – was ihnen am Herzen liegt – die scheidenden Schülerinnen und Schüler würdig in den nun anstehenden neuen Lebensabschnitt verabschieden. Zu den Vorschriften der Bezirksregierung für die Entlassfeiern gehören Mindestabstände, Sitzpläne, die Begrenzung auf zwei Begleitpersonen und die Testung aller Teilnehmenden.

Berufskolleg

Das Berufskolleg Kreis Höxter verabschiedet jedes Jahr etwa 750 Schülerinnen und Schüler. „Wir planen an die zehn Veranstaltungen“, berichtet Schulleiter Michael Urhahne. Zu den Örtlichkeiten der Feiern gehören die Stadthalle Beverungen (berufliches Gymnasium) und die Aula am Standort Höxter. Für die mit mehr als 130 Absolventen größte Gruppe der Fachoberschule Technik und Gesundheit und Soziales richtet das Berufskolleg wie im Vorjahr die Sporthalle her. Auf den Tribünen werden die Stühle wie vorgeschrieben im Schachbrettmuster angeordnet. Die Schülerinnen und Schüler, die jetzt mit der Fachhochschulreife in den nächsten Lebensabschnitt starten, haben während des zweijährigen Bildungsganges wegen der Pandemie nur ein halbes Jahr „normalen“ Schulbetrieb erlebt. Umso wichtiger ist es, so Michael Urhahne, sie jetzt möglichst feierlich zu verabschieden.

Die Eltern will das Berufskolleg bei ihnen und den anderen Entlassschülern möglichst einbinden. Fraglich sei allerdings, ob es in allen Fällen gelingt, dass zwei Begleitpersonen dabei sein können. Auch das Catering werde je nach Räumlichkeit unterschiedlich gehandhabt werden müssen.

Die Schulleitung des König-Wilhelm-Gymnasiums in Höxter ist froh, die Entlassung der 88 Abiturienten in der Stadthalle feierlich gestalten zu können. Termin ist am 26. Juni. „Wir klären noch mit dem Betreiber, ob wir den Jahrgang gemeinsam oder nacheinander in zwei Gruppen verabschieden“, kündigte Schulleiterin Heike Edeler an. Entscheidungskriterium ist die Einhaltung der Mindestabstände. Nach einer ersten Einschätzung des Betreibers könnte es mit einer gemeinsamen Feier klappen.

Die Schulleiterin spricht den jungen Menschen ein großes Lob aus: „Sie haben ihr Abitur unter besonderen Bedingungen abgelegt und die Situation zuverlässig, kooperativ und gelassen gemeistert.“ Daher hätten sie eine würdige Abschiedsfeier verdient. Ein kleiner Sektempfang bei schönem Wetter vor der Stadthalle und das Erinnerungsfoto sollen diesen besonderen Tag abrunden. Ein Ball ist wie 2020 nicht geplant. Der wäre auch keine Schulveranstaltung.

Interne Abschiedsfeiern

In der Gesamtschule Brakel nehmen fünf zehnte Klassen Abschied. „Wir fahren das Konzept des Vorjahres und organisieren klasseninterne Abschiedsfeiern“, berichtete Schulleiterin Sandra Florsch. „Uns war eine verlässliche Planung wichtig.“ Deshalb habe die Schule sich frühzeitig für die kleineren Feiern entschieden. Jede Klasse gestalte ihr Programm. „Selbst wenn die Corona-Zahlen hochgehen würden, könnten wir an dieser Planung festhalten – so dass die Schüler sich verbindlich auf etwas freuen können und wir nicht kurzfristig alles absagen müssten.“ Gemeinsamer Termin ist der 25. Juni. „Wir nutzen die Größe des Schulzentrums, um parallel arbeiten zu können.“

Nacheinander in drei Durchgängen verabschiedet die Peter-Hille-Realschule Nieheim am 25. Juni die 68 Schülerinnen und Schüler der drei Abschlussklassen. Mindestabstände, Sitzplan, Anordnung der Stühle im Schachbrettmuster, Zwischenreinigung nach der jeweiligen Feier: Den Vorschriften entsprechend organisiert die Schule die Feierlichkeiten, berichtet Konrektorin Patricia Arendes-Meyen.

Zwei Durchgänge in der Aula plant die Städtische Realschule Steinheim am 25. Juni. 91 Schüler werden an diesem Tag aus ihrer Schule verabschiedet. Ein Sektempfang auf dem Schulhof rundet die Feier ab. „Wir sind froh, dass wir die Feiern in diesem Rahmen gestalten können“, sagt Schulleiterin Verena Speer-Ramelow. „Eine Zeugnisübergabe in angemessenem Rahmen ist das Mindeste, was wir jetzt noch für die Schüler tun können.“ Die aktuellen Vorgaben der Bezirksregierung machen es möglich, die Abschlussfeiern wie im Vorjahr zu organisieren.

Tapfer durchgehalten: ein Kommentar von Sabine Robrecht

Auch wenn die Abschlussjahrgänge der weiterführenden Schulen nach dem Homeschooling des zweiten Lockdowns wieder täglich zur Schule gehen konnten, waren sie von jeglicher Normalität meilenweit entfernt. Zur Normalität gehört nämlich Gemeinschaft in großen Gruppen

Die war nicht möglich – weder in noch außerhalb der Schule. An Partys wie Vorabi-Feten war überhaupt nicht zu denken. Und auch der Abiball fällt (wieder) flach. All das sind Dinge, die eigentlich dazugehören – und die sich nicht nachholen lassen.

Die Corona-Pandemie hat den jungen Menschen, die jetzt zu neuen Ufern ausschwärmen, die letzten anderthalb Jahre ihrer Schulzeit gründlich verhagelt. Da ist es ein Lichtblick, dass sie jetzt in würdigem Rahmen ihre Abschlusszeugnisse überreicht bekommen können – sodass wenigstens dieses besondere Foto demnächst in ihrem Erinnerungsalbum klebt. Ansonsten werden sie später in der Rückschau von Maskenpflicht, Durchzug im Klassenzimmer und Selbsttests erzählen.

Gemacht haben die jungen Menschen aus der Situation das Beste. Deshalb sind ihnen jetzt von Herzen eine würdige Abschlussfeier, ein unbeschwerter, erlebnisreicher Sommer bei hoffentlich weiter abnehmenden Inzidenzen und eine nachhaltige Rückkehr des „richtigen Lebens“ zu wünschen. Ihr habt tapfer durchgehalten!

Startseite