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Michael Hansmeier lag acht Wochen auf der Intensivstation und überstand eine lebensbedrohliche Erkrankung

Leukämie-Patient kämpft sich zurück

Paderborn

Aufgeben kam für Michael Hansmeier nicht in Frage. Auch nicht, als er auf der Intensivstation aus dem künstlichen Koma erwachte und mit einem Schlauch im Hals vor sich hindämmerte.

PD Dr. Torsten Meier, Dr. Tobias Gaska und Oberarzt Muhannad Darkazanli (von links) haben Michael Hansmeier behandelt. Fachkrankenpflegerin Sabrina Gockel war auf der Intensivstation für den Patienten da. Foto: Brüderkrankenhaus

Der 30-Jährige strafft seinen Rücken und erzählt: „Als ich wegen unerträglicher Halsschmerzen und hohem Fieber in die Notaufnahme kam, war ich gerade mal zwei Tage lang verheiratet. Ich wollte leben“, sagt er.

Es ist weder eine Mandelentzündung noch ein Rachenkatarrh. Wie das Brüderkrankenhaus in einer Mitteilung schreibt, hatten Fachärzte aus der Klinik für Hämatologie und Onkologie ihm wenige Tage nach umfassenden Untersuchungen des Bluts und aller Organe die niederschmetternde Diagnose mitgeteilt: Hansmeier leidet unter einer Akuten Myeloischen Leukämie (AML). Das ist eine bösartige Erkrankung des blutbildenden Systems und laut Klinik die häufigste akute Leukämie bei Erwachsenen.

„Bei dieser Form der akuten Leukämie entartet eine frühe Vorstufe der im Knochenmark produzierten weißen Blutkörperchen und vermehrt sich unkontrolliert. Zu den im Knochenmark gebildeten Zellen gehören die roten Blutkörperchen, die Blutplättchen und ein Teil der weißen Blutkörperchen. Bei gesunden Menschen ist die Vermehrung und Erneuerung der Blutzellen strikt reguliert. Bei der AML ist dieser Prozess außer Kontrolle geraten“, erklärt Dr. Tobias Gaska, Chefarzt der Klinik für Hämatologie und Onkologie und Leiter des Zentrums für Hämatologische Neoplasien.

Die gute Nachricht: Behandlungsmöglichkeiten und Heilungschancen haben sich zuletzt deutlich verbessert. Die schwere Entzündung seines Halses bekommen die Ärzte im Juli 2020 langsam unter Kontrolle. Dem Patienten geht es trotzdem schlechter, er wird auf die Intensivstation verlegt und muss künstlich beatmet werden. „Der ganze Körper war enorm geschwächt. Obwohl der Allgemeinzustand des Patienten kritisch war, mussten wir unverzüglich mit der Chemotherapie beginnen“, sagt Muhannad Darkazanli, Leitender Oberarzt im Team von Dr. Tobias Gaska. Gemeinsam mit PD Dr. Torsten Meier, Chefarzt der Klinik für Anästhesiologie, operative Intensivmedizin und Schmerztherapie, kämpfen die Onkologen um das Leben des Mannes. „Einen Patienten, dessen Hals total zugeschwollen ist, zu beatmen, ist eine extreme Herausforderung“, erläutert Meier. Ein Luftröhrenschnitt war die letzte Option.

Hansmeier wird mehrfach am Hals operiert. Die Ärzte müssen den Eiter, der sich rund um die schwerwiegende Entzündung bildet, beseitigen. Von all dem bekommt der Patient wenig mit. Seine Frau, die ihn unter Corona-Bedingungen nur selten im Krankenhaus besuchen kann, schreibt in dieser Zeit ein Tagebuch. Hansmeier: „Damit schließe ich jetzt meine Erinnerungslücken.“

Bei seinem Besuch auf der Intensivstation, einige Monate nach der dramatischen Zeit, erkennt er auch die Gesichter der Intensivschwestern wieder, die sich ununterbrochen um ihn gekümmert haben. „Das ist eine wichtige Erfahrung: Im Gespräch mit den Mitarbeiterinnen des Intensiv-Teams kann ich mich jetzt an Augen und Stimmen erinnern.“

Der Krebs ist weg. Die Spuren der Erkrankung sind noch zu sehen. Hansmeier ist schmal, Narben am Hals deuten auf die Operationen hin. Demnächst beginnt er die Wiedereingliederung in seinen Beruf als Werkstattmitarbeiter in einem Unternehmen für Hydrauliktechnik. Darauf freut er sich: „Das ist wieder ein Stück mehr Normalität. Ich mache gerade viele kleinere und größere Schritte zurück ins Leben.“

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