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Nach gescheiterter Tunnelsperrung in Bünde: Fraktion macht Alternativvorschläge für angestrebte Verkehrswende

Linke wollen ÖPNV verbessern

Bünde

Nachdem der Bünder Stadtrat sich mehrheitlich gegen eine im Raum stehende, probeweise Sperrung des Bahnhofstunnels für den Autoverkehr ausgesprochen hatte, meldet sich in der Angelegenheit die Linkspartei zu Wort – und präsentiert einen Gegenvorschlag.

Die Sperrung des Bahnhofstunnels für Autos ist vom Tisch. Auch die Linkspartei hatte gegen die Maßnahme gestimmt. Foto: Daniel Salmon

In einer Stellungnahme führt Fraktionssprecher Thorsten Beuß aus, dass seiner Partei ein Gesamtkonzept hinter der beabsichtigten Abbindung gefehlt habe. „Etwas ausprobieren ist schön und gut, aber in welchem Zusammenhang ‚ausprobieren‘? Die Grundintention – nämlich den Tunnel auch dauerhaft sperren zu wollen – ist ja eigentlich recht klar“, so der Ratsherr.

Dafür benötige man aber kein teures Ingenieurbüro, das im Anschluss – wofür auch immer – Verkehrszählungen etwa an den Bahnübergängen vornehme. Beuß: „Der Verkehr durch den Tunnel ist nicht so umfangreich, dass wir im Anschluss ein riesiges Verkehrschaos zu erwarten haben. Maximal in der jetzt schon oft sehr stark verengten Wilhelmstraße im Bereich vom Marktkauf bis zum Toom, die zu den Alternativrouten gehören wird, könnte es noch enger – und auch gefährlicher – werden, was natürlich auch keine Lösung sein kann.“

Den Frust der Bürger und auch der Geschäftsinhaber im Bereich der Hauptstraße/Bahnhofstraße über eine etwaige Tunnelsperrung hatten die Linken bereits in der Ratssitzung thematisiert. „Hier stehen nicht erst seit Corona die Existenzen vieler kleiner Unternehmen auf dem Spiel, die wirklich auf jeden Kunden angewiesen sind“, so der Fraktionssprecher. Er schlägt daher eine anderes Projekt im Rahmen des neu aufzustellenden Bünder Verkehrsentwicklungsplans (VEP) vor – ein anderes „Leuchtturmprojekt“, das „sicher umfangreicher sein wird, von welchem aber auch alle Menschen in Bünde einen wirklichen Mehrwert haben“.

„Wir müssen den Menschen ein positives Alternativangebot zum Auto machen, wenn es darum geht, weniger PKW-Verkehr in der Innenstadt zu haben. Wir müssen die Menschen in unserer Stadt mitnehmen und sie nicht vor den Kopf stoßen“, so Beuß. Diese Alternative würde die Linkspartei im Bereich der Bünder Busse sehen, wo man sogar für „Verbindungen mit Zukunft“ werbe. „Denkbar wären für einen Versuch beispielsweise fahrscheinlose Samstage, wie wir sie an den Adventssamstagen in Bünde bereits hatten, flankiert von einer weiteren Stadtbuslinie, die dann etwa Holsen und Ahle endlich mit an das Netz anbinden könnte“, erklärt der Lokalpolitiker.

Eine solche Maßnahme sei zwar sicher nicht für die 25.000 Euro, die für das Tunnel-Projekt eingeplant waren, zu bekommen: „Aber wenn wir ernsthaft über eine echte Verkehrswende in Bünde sprechen wollen, wird es diese ganz sicher nicht zum Nulltarif geben.“ Ein leistungsfähiger und attraktiver Personennahverkehr sei einer der wichtigsten Schlüssel für eine lebenswerte und moderne Stadt mit Zukunft und einer belebten Innenstadt.

„Und damit wir bei diesem Thema vorankommen, müssen wir zwingend viel Geld in die Hand nehmen. Homöopathische Dosen, also hier und dort mal kleine Veränderungen vornehmen, die insgesamt zwar keinen gemeinschaftlichen Nutzen bringen, aber vielleicht gut für das kurzfristige Bauchgefühl und die schwarze Null in der Stadtkasse sind, bringen uns nicht weiter, weder kurz- noch langfristig“, argumentiert Beuß. Auch höhere Subventionen seien dabei unumgänglich. „Andere Städte, welche hier bereits weiter sind und es tatsächlich geschafft haben, die Menschen von Alternativen zum Auto zu überzeugen, sind diesen Weg ebenfalls gegangen, haben aber eben auch ihre Ziele erreicht“, meint Thorsten Beuß in seinem Statement abschließend.

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