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Detmolder Naturfilmer Sarah Herbort und Robin Jähne drehen preisgekrönte Doku

Lippes elegante Greife

Detmold

Gerade ist die brütende Rotmilandame abgeflogen, als eine vorwitzige Blaumeise das Gelege der Greife aufsucht und schnell ein wenig Nistmaterial stibitzt. Das ist eine der besonderen Szenen im Film „Das Jahr des Rotmilans – Lippes elegante Greife“ der beiden Detmolder Naturfilmer Sarah Herbort und Robin Jähne. Eine aktuelle Fassung dieser international preisgekrönten Doku wird an diesem Donnerstag um 21 Uhr im Rahmen der Sendereihe „Abenteuer Erde“ im WDR gezeigt.

Aufbruch aus dem Lipperland: Sarah Herbort und Robin Jähne folgten den Milanen mit der Kamera von Detmold aus bis nach Spanien. Foto: Herbort/Jähne

Rotmilane sind die heimlichen Wappenvögel Deutschlands – mit weniger als 28.000 Paaren weltweit ist der Bestand nicht gerade hoch, Tendenz fallend. Sie werden Opfer von Vergiftungen, Windkraftanlagen oder finden wegen veränderter Bewirtschaftung der Flächen keine Nahrung mehr. Mehr als die Hälfte davon brütet in Deutschland. Besonders in Ostwestfalen gab es viele dieser schönen Greife – ein Grund für die Filmer, sich diesem Vogel besonders zu widmen.

Dazu beschritten sie ganz neue Wege. Beispielsweise bei halsbrecherischen Manövern im Hubwagen, um an die Horste zu kommen. Hier befestigten die Filmer eine von ihnen speziell entwickelte Technik, einen so genannten Kamerafahrstuhl. Der macht es möglich, aus wenigen Zentimetern Entfernung in den Horst zu schauen. Klar, dass auch die jungen Milane den Kasten nutzen, zwar nicht als Aufzug, wohl aber als Ausflugsziel bei den ersten Flugversuchen oder auch als Toilette.

In mehr als zwei Jahren Drehzeit sammelten die Filmer hunderte Stunden Material, schlotterten vor Kälte in Tarnzelten oder nahmen weite Fahrten zu den Winterquartieren in Südfrankreich, den Pyrenäen und Nordspanien in Kauf. Hier wurden sie Zeugen, wie hunderte Rotmilane sich abends zu Schlafgemeinschaften versammeln.

„Hallo, da bin ich“: In dem Standbild aus dem Film der Lippischen Filmer Sarah Herbort und Robin Jähne schaut das Küken unter der Rotmilanmutter heraus. Foto: Herbort/Jähne

„Ein besonderes Erlebnis war auch eine Rotmilan-Winterfütterung in der Schweiz. Hier kreisen dann hundert Rotmilane wie ein Tornado über dem Futterplatz“, berichtet Tierfilmerin Sarah Herbort. Die beiden Filmer konnten eine Kamera direkt auf den Futterplatz einschleusen, die einzigartige Bilder lieferte.

Aufnahmen mit spezieller Zeitlupentechnik, Luft- und Fahraufnahmen und viele andere ungewöhnliche Perspektiven machen den Film zu einem besonderen Erlebnis. Und nicht zuletzt gibt er wunderschöne Einblicke in die ostwestfälisch-lippische Kulturlandschaft, die die Heimat der Rotmilane ist.

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