1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. OWL
  4. >
  5. Löwenmama schenkt Hoffnung

  6. >

Höxteraner Weihnachtsaktion für kranke Kinder erlebt 20. Auflage – Kreis der Kliniken auf 60 Einrichtungen gewachsen

Löwenmama schenkt Hoffnung

Höxter

Los geht’s. Auf ein Neues: Als Susanne Saage (57) jetzt das Startsignal für ihre „Aktion Löwenmama“ gegeben hat, konnte sie es selbst kaum glauben: Zum 20. (!) Mal erfüllt sie schwerkranken Kindern, die das Weihnachtsfest in der Klinik verbringen müssen, einen Herzenswunsch.

Von Sabine Robrecht

Susanne Saage und Dietmar Larusch am Gabentisch. Das Geschäft war der erste Kooperationspartner. Am zweiten Adventswochenende starten Dietmar Larusch und sein Team auch wieder die traditionelle Waffelbackaktion für die „Aktion Löwenmama“. Foto: Sabine Robrecht

Ihr Tatendrang und ihre Herzenswärme sind so mitreißend wie in den ersten Jahren. Diese agile Frau hat das Herz am rechten Fleck. Ihr Lächeln ist authentisch. Es kommt von innen – und öffnet deshalb Türen. Kein Wunder also, dass sie immer wieder Kooperationspartner für ihre Mission gewinnt und auch der Kreis der Kliniken stetig wächst. 60 Häuser sind es in diesem Jahr.

Eingeläutet hat die Löwenmama die 20. Auflage ihrer Aktion bei einem Kooperationspartner der ersten Stunde, dem Haushalts- und Spielwarengeschäft Larusch in Höxter. Chef Dietmar Larusch erinnert sich wie heute an den Tag, als die in Sommersell lebende Löwenmama erstmals bei ihm reinschaute und ihre Idee vorstellte. „Meine erste Reaktion war: ‚Sie sind verrückt.’ Ein solches Projekt kannte man damals ja gar nicht. Es ist sensationell, was daraus geworden ist“, strahlt der Geschäftsmann. Und er beschloss, zusammen mit Susanne Saage, mindestens bis zum 25-Jährigen, also bis zur „Silberhochzeit“, durchzuhalten.

Bundesweit mehr als 100 Geschenk-Tische

Als beide den Vorsatz fassten, stand der Gabentisch für die 20. Auflage der „Aktion Löwenmama“ gut gefüllt bereit. Von diesem und den bundesweit inzwischen weit mehr als 100 Tischen in verschiedensten Geschäften können die Menschen eines der Präsente kaufen und damit einem schwerkranken Kind ein Lächeln ins Gesicht zaubern.

Die große Auswahl auf den Tischen geht auf konkrete Wünsche zurück. Diese fragt Susanne Saage jedes Jahr vom Spätsommer an in den beteiligten Krankenhäusern ab. Viele selbst geschriebene Wunschzettel erreichen die Löwenmama. Weil sie zum 20-Jährigen gern mit einer weiteren Null aufwarten wollte, verkündete sie stolz, dass sie den Kreis der Kliniken auf 60 aufgestockt hat. 2020 waren es 57 von Sylt bis München. Jetzt sind Mainz, Saarbrücken und Offenbach dazu gekommen. Die Aktion zieht also immer weitere Kreise. Das wird sich fortsetzen. Wer Susanne Saage kennt, der weiß, dass Stillstand für sie keine Option ist.

Den Überblick behält sie in der ihr eigenen zupackenden Art. Die dreifache Mutter ist eine Macherin. Daher beziffert sie auch die vielen Geschenke, die es zu beschaffen und zu verteilen gilt, nicht minuziös. „Wenn ich sie zähle, frage ich mich vielleicht, ‚Wie schaffe ich das?’ Also mache ich einfach“, sagt die Löwenmama.

Viel Unterstützung durch die Familie

Dass sie es schafft, verdankt sie, wie sie betont, nicht zuletzt auch der großartigen Unterstützung ihrer Familie. Ehemann Ansgar und die drei Söhne stehen voll hinter ihr und fassen mit an, auch wenn es darum geht, in der Zeit zwischen der Woche vor Weihnachten und der zweiten Januar-Woche die vielen Kliniken anzufahren und die Geschenke zu verteilen.

Susanne Saage ist fast immer mit an Bord und bringt den Kindern ihren Herzenswunsch wenn möglich ans Bett. Es sind magische Momente, wenn sie die kranken Kinder und auch die Geschwister, die sie immer mitberücksichtigt, lächeln sieht. Aus diesen Augenblicken der Unbeschwertheit ziehen die Familien Kraft und Zuversicht. Das ist es, was Susanne Saage verschenken möchte: Hoffnung aus Momenten des Glücks.

2020 war keine persönliche Übergabe möglich

An die so berührenden persönlichen Begegnungen war im Corona-Jahr 2020 nicht zu denken. Und auch jetzt steht noch nicht fest, ob an Weihnachten Besuche möglich sein werden. Bei allem Bedauern darüber, dass sie womöglich wieder nicht zu den Kindern darf, sagt die Löwenmama klipp und klar: „Im Vordergrund steht das Kind – dass sein Wunsch erfüllt wird. Es kommt nicht darauf an, wer das Geschenk übergibt.“

Entsprechend leidenschaftlich ist sie in den nächsten Wochen für ihre so segensreiche Mission unterwegs. Zu den Wünschen dieses Jahres gehört ein Elek­troauto zum Reinsetzen. Ein vierjähriger Junge hat es sich gewünscht. Ansonsten ist vom ferngesteuerten Auto bis zum Gesellschaftsspiel und Bastelsachen wie immer alles dabei, was Kinderherzen erfreut. Außergewöhnlich ist der Wunsch eines Mädchens aus Chemnitz. Sie hätte gern einen warmen Poncho für Rollstuhlfahrer. „Vielleicht gibt es jemanden, der einen solchen Poncho nähen kann“, wendet sich Susanne Saage an die Öffentlichkeit.

Aus Hospizen erreichen die Löwenmama Anfragen nach Trauerkerzen. Diese sind recht teuer. „Vielleicht gibt es eine Kerzenfabrik, die Trauerkerzen spendet.“ Wer in dieser Frage helfen oder auch einen Geschenketisch aufstellen möchte, kann sich unter 0174/2454651 direkt an Susanne Saage wenden.

Moritz vor 20 Jahren erkrankt

Dankbarkeit treibt Susanne Saage Jahr für Jahr für ihre segens- und arbeitsreiche Geschenke-Offensive mit dem weithin bekannten Namen „Aktion Löwenmama“ an. Dankbarkeit dafür, dass ihr Jüngster, Moritz, die Leukämie besiegt hat. Vor genau 20 Jahren erkrankte er im Alter von nur neun Monaten und kämpfte in der Uniklinik Göttingen um sein Leben. Gott sei Dank hat er es geschafft. Inzwischen ist Moritz 21 und führt ein normales Leben. Er möchte Physiotherapeut werden und hilft seiner Mutter bei der Aktion „Löwenmama“ Jahr für Jahr unermüdlich. Für die Genesung ihres Sohnes ist Susanne Saage so dankbar, als wäre es gestern gewesen.

Startseite
ANZEIGE