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Leiterin des Fachbereich Bildung, Tanja Mader, bezieht Stellung zum FDP-Antrag, im dem Filter für alle Schulen gefordert wird 

Lüftungsanlagen zu laut für den Schulunterricht

Schloß Holte-Stukenbrock

Stadtverwaltung reagiert schnell: Die FDP hatte noch mal „Luftfilter für alle Schulen“ gefordert (WESTFALEN-BLATT vom 23. Juli), da kommt auch schon die Antwort der Stadtverwaltung. Die Leiterin des Fachbereichs Bildung, Tanja Mader bezieht Stellung.

Luftfilteranlagen wie diese können das Lüften in Klassenräumen laut einer Studie nicht ersetzen. Foto: David Young/dpa/Archivbild

„Die Mitglieder des Haupt- und Finanzausschusses, des Corona-Arbeitskreises und des Familien- und Bildungsausschusses der Stadt haben sich im Frühjahr 2021 intensiv mit der Möglichkeit zur Senkung des Infektionsrisikos in Klassenräumen durch den Einsatz von mobilen Luftfilteranlagen befasst“, sagt Tanja Mader. Die Verwaltung hatte unter Verweis auf wissenschaftliche Untersuchungen und Einschätzungen des Umweltbundesamtes dargelegt, dass durch das Stoßlüften mit Fensteröffnung eine vergleichbare Reduzierung von Aerosol-Konzentrationen in der Raumluft erreicht wird wie durch den Einsatz von mobilen Luftreinigungsgeräten. Zudem wurde darauf hingewiesen, dass diese Geräte eine Dauerlärmbelästigung von 49 bis 57 db(A) in den Klassenräumen verursachen und hierdurch die Lernatmosphäre beeinträchtigt wird.

Die Inanspruchnahme von Fördermitteln aus einem Programm aus dem Herbst 2020 war nicht möglich, da diese nur für Räume vorgesehen waren, die nicht durch Fensteröffnung gelüftet werden können, was jedoch in allen Klassenräumen in Schulen in Schloß Holte-Stukenbrock möglich ist.  

Tanja Mader

Ende April haben sich Vertreter aller Ratsfraktionen, der Stadtschulpflegschaft, des Jugendparlaments und der Stadtverwaltung in der Pollhansschule ein mobiles Lufteinigungsgerät im Echtbetrieb in der Pollhans-Grundschule angesehen. Zuvor war das Gerät während der Notbetreuung eingesetzt worden. Die Schulleiterin habe berichtet, dass die Kinder wegen des Lärms ungern in dem Klassenraum gelernt haben und dass die gemessenen Echt-Werte der Geräuschbelastung über den Herstellerangaben lagen. Aufgrund dieser Erfahrung und des eigenen Eindrucks der Anwesenden, die eineinhalb Stunden neben dem laufenden mobilen Gerät diskutiert haben, erfolgte einheitlich die Einschätzung, dass sich die derzeit am Markt erhältlichen mobilen Luftreinigungsgeräte nicht für den Einsatz im Schulalltag eignen.

Im Corona-Arbeitskreis am 12. April wurde zuvor entschieden, dass die  Low-Tech-Anlagen, die auf einem Konzept des Max-Planck-Instituts beruhen, nicht umgesetzt werden können, da die notwendigen Komponenten nicht für die Anwendung  zertifiziert wurden, die Installation der Anlage durch eine Fachfirma aus Gewährleistungsgründen nicht erfolgen könnte und nicht davon ausgegangen werden konnte, dass die vom Max-Planck-Institut angegebene Reduzierung der Aerosole um bis zu 90 Prozent unter Normalbedingungen erreicht werden kann.

Insbesondere angesichts der guten Lüftungsmöglichkeit mit geöffneten Fenstern, der regelmäßigen Testungen der  Schüler, der – bisher bewährten, damals jedoch noch nicht begonnenen – Durchführung von PCR-Pooltestungen für die Grundschüler, der Impfstoffzulassung für Kinder ab 12 Jahren sowie der regelmäßig nicht schwer verlaufenden Corona-Erkrankungen von Kindern stand daher die Entscheidung fest: für die Schulen in Schloß Holte-Stukenbrock sollten keine mobilen Luftfiltergeräte angeschafft werden. Daraufhin hatte die SPD-Fraktion am 3. Mai ihre  Anträge zurückgezogen, was von den anderen Ratsfraktionen unterstützt wurde.

Tanja Mader

„Es gibt keine überzeugenden Erkenntnisse, dass die durch den Ortstermin in der Pollhansschule bestätigten Nachteile mittlerweile durch neue Entwicklungen  behoben werden können.   Der Antrag der FDP-Fraktion zur Bundesförderung von raumlufttechnischen (RLT-)Anlagen eröffnet die Fördermöglichkeit in Höhe von 80 Prozent der Kosten ohne Prüfung, ob ein ausreichender Luftaustausch durch Fenster ermöglicht werden kann. Die Verwaltung befasst sich mit der Prüfung der Inanspruchnahme dieser Förderung bereits seit Veröffentlichung der Förderrichtlinie. Über die Ergebnisse wird sie in der politischen Diskussion informieren“, so Mader.

Bisher noch nicht veröffentlicht ist die in der Presse angekündigte Fördermaßnahme für mobile Luftfilter. Nach bisherigem Kenntnisstand besteht eine Fördermöglichkeit zu 100 Prozent der Kosten lediglich für Räume, die nur über eine eingeschränkte Lüftungsmöglichkeit durch das Kippen von Fenstern oder durch Lüftungsklappen verfügen. Unabhängig davon,  besteht weiterhin die als unzumutbar bewertete Geräuschbelastung durch mobile Luftfiltergeräte.

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