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Nach Kritik von Bürgern erklärt die Stadt Werther, wie sie ihre kommunalen Wiesen und Blühflächen pflegt

Mähen für mehr Blüten und weniger Gräser

Werther

Das Thema polarisiert offenbar. „Die schönen Blumen!“, heißt es dann manches Mal: Den einen wird auf städtischen Flächen in Werther viel zu früh noch in der Blühphase gemäht, manche andere wiederum beklagen das angeblich „wuchernde Unkraut“ auf diesen Arealen. Jetzt meldet sich die Stadtverwaltung zu diesem Thema zu Wort.

Auch er soll durch die Bewirtschaftung der städtischen Blühflächen angelockt werden: Ein Distelfalter sammelt Nektar. Foto: Christa Lachmann / BUND

„In Werther werden seit einigen Jahren Grünflächen verschiedener Größe im gesamten Stadtgebiet nach ökologischen Gesichtspunkten gepflegt, um die biologische Vielfalt zu erhalten und möglichst zu stärken, und um damit die Lebensqualität in der Stadt zu erhöhen“, erklärt Umweltbeauftragte Dr. Nadine Dannhaus. Darunter gebe es mehrere Flächen in Grünanlagen und Wohngebieten. „Die beachtliche Zahl von rund 25 dieser kommunalen Flächen wurden als Blühflächen angelegt, indem auf diesen – regionales – Saatgut mit Wildblumen aufgebracht wurde, um den Blühaspekt zu erhöhen.“

Die ausgewählten Blüh- und Wiesenflächen werden laut Stadtverwaltung in der Regel ein- oder zweimal jährlich gemäht. Während die eingesäten Blühflächen größtenteils nur einmal jährlich im Herbst oder im Frühjahr gemäht werden, werden die Wiesenflächen zweimal im Jahr gemäht. „Durch eine erste Mahd der Wiesen im Mai bis Juli werden diesen Flächen Nährstoffe entzogen und diese sozusagen ‚ausgemagert‘. Dadurch haben bunt blühende Wiesenkräuter eine größere Chance, sich gegen dominante Gräser durchzusetzen“, erklärt Dr. Nadine Dannhaus weiter.

Dominanz starkwüchsiger Gräser verringern

„Auch wenn durch so eine frühe Mahd der Eindruck entsteht, dass die Flächen zur schönsten Blütezeit abgemäht werden, ist das Ziel dieser Mahd, langfristig die Dominanz starkwüchsiger Gräser zu verringern und mehr Kräuter und damit eine höhere Artenvielfalt und mehr Blühaspekte auf den Flächen zu etablieren.“ Je eher die erste Mahd durchgeführt werde, desto stärker könne sich eine zweite Blühphase zu einem späteren Zeitpunkt im Sommer entwickeln.

„Einige der Wiesen werden dabei in einem Schritt komplett gemäht, andere Flächen dagegen in zwei Ab-schnitten“, so Dannhaus. Letztere Vorgehensweise hatte zuletzt auch einen Anwohner am Talbrückenweg verwundert. Aber, so die Umweltbeauftragte: „Durch das abschnittsweise erfolgte Mähen bleiben Teile der Blumen, Wiesenkräuter und Gräser als Unterschlupf und Nahrung stehen für Vögel, Insekten und andere Kleintiere. Diese können sich hierhin zurückziehen, bevor einige Wochen später auch dieser Teil der Flächen gemäht wird und sie sich wieder auf dem bereits wieder nachgewachsenen Teil der Fläche ausbreiten können.“

Verblühtes bietet Lebensraum im Winter

Auf einigen Flächen bleiben zudem im Herbst die verblühten Pflanzen stehen, um auch über den Winter Lebensraum zu bieten.

Diese sogenannte extensive bzw. ökologische Grünflächenpflege wird in Werther derzeit durch einen externen Dienstleister durchgeführt, der in enger Abstimmung mit der Stadtverwaltung steht. Zur Abstimmung der Art und Weise der Pflege sowie des Zeitpunktes des Schnittes steht die Stadt zudem in engem Kontakt mit der Biologischen Station Gütersloh/Bielefeld. Daher, so die Stadt, könne es immer mal wieder sein, dass einzelne Flächen auch zu anderen Zeitpunkten oder ein weiteres Mal gemäht werden, um dort die Artenvielfalt zu erhöhen.

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