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Meteorologe Friedrich Föst hat nur einmal Schneefall im Wiehengebirge registriert

Mal wieder kein echter Winter

Lübbecke/Minden

Eine typische kalte Jahreszeit sieht anders aus. Die Winter-Bilanz für den Mühlenkreis von Friedrich Föst lautet: „zu mild“.

Schneeglöckchen auf dem Schützenplatz: Die hübschen Zwiebelblumen blühen im Februar und März und verbinden so Winter und Vorfrühling. Foto: Martin Nobbe

Es ist zwar derzeit kalt mit frostigen Nächten, aber die schönen Sonnenstunden tagsüber lassen Frühlingsgefühle aufkommen. Und das zu Recht: Mit dem 1. März beginnt der meteorologische Frühling. Wie winterlich der zurückliegende meteorologische Winter (Dezember bis Februar) im Mühlenkreis war, das hat der Lübbecker Wetterexperte Friedrich Föst jetzt ausgewertet.

Zwei Grad zu warm

„Gegenüber dem Mittelwert der letzten 30 Jahre fiel der Winter im Mühlenkreis rund 2 Grad zu warm aus, in Bezug auf das international geltende Klimamittel von 1961 bis 1990 sogar um mehr als 3 Grad“, sagt Föst. In der seit 1951 geführten Messreihe an der Wetterstation in Rahden sei es der sechst-wärmste Winter gewesen, ebenso an der Referenzstation für den nordwestdeutschen Raum in Bremen, wo seit 1890 Wetter aufgezeichnet wird. Der Diplom-Meteorologe: „Somit haben wir einen der wärmsten Winter in den letzten 130 Jahren erlebt.“

Diplom-Meteorologe Friedrich Föst aus Lübbecke Foto: Kai Wessel

Insbesondere Januar und Februar seien sehr milde Monate gewesen: Der Januar landet in dieser Rubrik auf Platz 9, der Februar sogar auf Rang 6 an der Wetterstation in Rahden. Kein Wunder also, so Föst, dass es auch lediglich 21 Frosttage (einem Tiefstwert von unter 0 Grad) und auch nur vier Eistage (mit einem Höchstwert unter 0 Grad) gab. „Schnee war ebenfalls Mangelware“, führt der Lübbecker weiter aus. Lediglich am Abend des ersten Advent gab es nach seinen Daten in den höheren Lagen des Wiehengebirges bis zu 5 Zentimeter Schnee, der am nächsten Morgen aber großteils wieder geschmolzen war. Föst: „Ansonsten gab es nur kurzzeitig bei stärkeren Schneeschauern eine matschige Schneedecke, in weiten Teilen des Kreises war der Winter aber gänzlich schneefrei und somit einer der schneeärmsten Winter der letzten 130 Jahre.“

Februar gleicht vieles aus

Beim Niederschlag – egal ob Regen, Graupel oder Schnee – kann der Winter 2021/22 eine ausgeglichene Bilanz aufweisen, wobei es innerhalb der einzelnen Monate beträchtliche Unterschiede gab: Dezember und Januar fielen deutlich zu trocken aus, erläutert Friedrich Föst. Da der Februar aber doppelt soviel Niederschlag gegenüber dem langjährigen Mittelwert brachte, stehe unter dem Strich noch eine schwarze Null. „Das ist insofern auch bemerkenswert, da der Februar 2022 der erste Monat mit überdurchschnittlich viel Niederschlag war seit August 2021“, betont der Experte.

Jetzt scheint sie, aber im gesamten Winter machte sich die Sonne oft rar: Mehr als 120 bis 130 Stunden kamen nicht zusammen, ein sattes Minus von 20 Prozent gegenüber dem langjährigen Mittelwert.

Viel Wind aus dem Westen

Zwei Wetterlagen bestimmten die vergangenen drei Monate, erläutert der Meteorologe: „Oftmals lagen wir am Rande eines Hochs über Großbritannien, so dass feuchte Luft von der Nordsee für dichte hochnebelartige Bewölkung sorgte, aus der es immer wieder nieselte.“ So sei zwar der Eindruck entstanden, dass es immer trüb und nass ist, die Niederschlagsmengen seien aber sehr gering gewesen. Im Februar stellte sich dann eine windige Westwetterlage ein, die weiterhin milde Luft brachte, mit den Sturmtiefs aber auch ergiebige Niederschläge, erläutert Föst weiter. Höhepunkt war die Sturmserie vom 16. bis zum 21. Februar, wo in kurzer Zeit gleich drei schwere Winterstürme über den Mühlenkreis hinwegzogen. Föst: „An der Wetterstation in Lübbecke wurden in Zusammenhang mit dem Orkan Zeynep Orkanböen von bis zu 124 Stundenkilometern gemessen.

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