In einem Prozess am Landgericht Bielefeld geht es erneut um die Hanf-Plantage im Löhner Kaiser-Center

Marihuana gegen die Kokain-Schulden

Löhne/Bielefeld

50 Kilo bezeichnet man auch gerne mal als einen Zentner – und das ist etwa so viel, wie eine Marihuana-Plantage in Löhne vor etwa zwei Jahren erbracht haben soll.

Von Ulrich Pfaff

Wegen einer illegalen Hanf-Plantage unter dem Dach des Kaiser-Centers steht ein 37-jähriger Löhner vor Gericht. Foto: Finn Heitland

Für den Drogenanbau unter dem Dach des Kaiser-Centers steht zum dritten Mal einer der mutmaßlichen „Graspflanzer“ vor dem Bielefelder Landgericht.

Mehr als 50 Kilogramm Marihuana soll die illegale Hanf-Plantage im Löhner Kaiser-Center erbracht haben, die von drei Männern dort aufgebaut und betrieben worden sein soll. Zwei von ihnen standen bereits im vergangenen Jahr vor Gericht, allerdings wurde einer von ihnen vom Vorwurf der Beteiligung an der Plantage freigesprochen – aber weil beiden noch weitere Drogengeschäfte nachgewiesen werden konnten, wurden sie zu jeweils mehr als sechs Jahren Haft verurteilt. Jetzt ist ein 37 Jahre alter Löhner dran, und die Anklage klingt ziemlich ähnlich.

Die professionell aufgebaute Plantage, so heißt es seitens der Staatsanwaltschaft, sei zweigeteilt gewesen: Ein Teil habe sich in einem abgemauerten Kellerraum befunden, der andere Teil auf dem Dachboden des Gebäudes an der Albert-Schweitzer-Straße. Insgesamt waren dort von der Polizei Mitte April 2019 1077 Hanfpflanzen sichergestellt worden, die bereits abgeerntet waren und deren Ertrag auf exakt 51,5 Kilogramm Marihuana beziffert wird.

Zudem fand die Polizei 625 Setzlinge und 600 Gramm Samen für weitere Hanfpflanzen – diese hätten eine Ernte von weiteren 25 Kilogramm Marihuana ergeben. Ein Kilogramm Marihuana habe sich verkaufsfertig in den Räumlichkeiten befunden. Als Hintergrund der Plantage betrachtet die Staatsanwaltschaft ein auf kuriose Weise schief gegangenes Kokain-Geschäft: Der Angeklagte soll – gemeinsam mit dem 33-Jährigen aus Bünde, der vor bereits einem Jahr abgeurteilt wurde – ein Kilogramm Kokain im Wert von 40.000 Euro auf Kommissionsbasis gekauft haben, das ihnen dann angeblich gestohlen wurde, noch bevor davon etwas gewinnbringend hätte weiterverkauft werden können.

Um die Schulden bei dem Lieferanten bezahlen zu können, einem 34-jährigen Herforder, der im Dezember 2020 verurteilt wurde und den die Staatsanwaltschaft süffisant auch den „Pablo Escobar von OWL“ genannt hatte, sollen sie die Plantage betrieben haben.

Die Anklage gegen den 37-jährigen Löhner lautet auf gemeinschaftlichen unerlaubten Drogenhandel. Er schweigt bisher vor der 10. Strafkammer zu den Vorwürfen. Es sind noch vier weitere Verhandlungstage angesetzt.

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