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Beratungsstelle in Bielefeld ist besorgt

Mehr Zwangsheiraten

Düsseldorf/Bielefeld

Die Zahl der von der Polizei erfassten Fälle von Zwangsheirat ist in Nordrhein-Westfalen sprunghaft gestiegen. Nach 14 Fällen im Vorjahr registrierte die Polizei im vergangenen Jahr 26 Fälle. Experten gehen zudem von einem großen Dunkelfeld aus. Die landesweiten Fachberatungsstellen beraten im Jahr rund 250 Menschen, die zwangsverheiratet werden sollen.

Mit solchen Plakaten will die Landesregierung auf das Problem aufmerksam machen. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa

Mit der Ferienzeit und der Rückkehr der Reisefreiheit könnte nun eine Welle von Zwangsverheiratungen im Ausland bevorstehen. „Wir sind in Sorge“, sagte NRW-Gleichstellungsministerin Ina Scharrenbach (CDU) am Dienstag. „Bei einigen endet der Urlaub in einer Zwangsehe. Das ist zutiefst menschenverachtend.“ Viele junge Menschen seien während der Corona-Pandemie sozial isoliert gewesen und hätten sich womöglich deshalb niemandem anvertraut.

Deswegen startete die Landesregierung eine Kampagne gegen die Zwangsheirat mit 1700 Plakaten in 23 Städten, einem TV-Spot auf 1000 Bildschirmen des Öffentlichen Nahverkehrs und Auftritten in den sozialen Medien. Von Zwangsheirat betroffen seien in 90 Prozent der Fälle Mädchen und junge Frauen. Ihnen werde die eigene Lebensplanung zunichte gemacht, oft sogar die Rückkehr nach Deutschland in Schule, Beruf oder Studium verwehrt.

Zwangsverheiratung und Ferienverschleppung seien Menschenrechtsverletzungen. Sie verursachten immenses Leid, sagte Sylvia Krenzel, Leiterin der Fachberatungsstelle gegen Zwangsheirat in Bielefeld. In 65 Prozent der Fälle seien die Betroffenen, die Hilfe suchen, über 18 Jahre alt, in 35 Prozent minderjährig. Über 30 Prozent wollen von zu Hause weg. Wenn sich die Familie nicht von der Zwangsverheiratung abbringen lasse, organisiere man im äußersten Fall auch die Flucht und die anonyme Unterbringung.

„Für die Betroffenen würde eine Anzeige bei der Polizei den endgültigen Bruch mit der eigenen Familie bedeuten, deshalb schrecken die meisten vor diesem Schritt zurück“, berichtete Scharrenbach. Die drei häufigsten Herkunftsländer der Familien, deren Kinder bei der Fachberatungsstelle Hilfe suchen, sind Syrien, die Türkei und der Irak.

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