Für seine neue Ausstellung am und im Böckstiegel-Museum Werther sucht der Bielefelder Fotograf Veit Mette 20 interessierte Teilnehmer

Menschen werden selbst zu Kunstwerken

Werther

Es ist eine spannende Gelegenheit: In Werther kann jeder zum Teil eines Kunstwerks und damit Teil einer kompletten Ausstellung werden. Möglich macht das der Bielefelder Fotograf Veit Mette in Zusammenarbeit mit dem Böckstiegel-Museum.

Von Volker Hagemann

Faszinierend irritierend: Veit Mette (links) zeigt an diesem Beispiel, wie ein menschliches Gesicht mit einem Böckstiegel-Bild verfremdet wird. Auf die für den Spätsommer geplante Ausstellung freuen sich auch Astrid Schütze (Kulturverein Borgholzhausen) und David Riedel (Museum Peter August Böckstiegel). Foto: Volker Hagemann

„Ich zwinge Menschen, länger hinzusehen; ich irritiere sie“, hat Veit Mette einmal über seine Fotokunst gesagt. Genau so dürfte – und soll – der Effekt bei den Besuchern auch im Zuge seines jetzigen Projektes in Werther sein. Diese Ausstellung soll im Spätsommer gezeigt werden, die Werke dafür müssen erst noch entstehen: Portraits, die Peter August Böckstiegel einst angefertigt hat, überhaupt Gesichter aus den Werken des Expressionisten, will Mette verschmelzen lassen mit Gesichtern interessierter Menschen – dadurch entsteht jeweils eine Art Doppel-Portrait aus zwei sich überlagernden Gesichtern. Wie David Riedel, künstlerischer Leiter des Museums, es ausdrückt: „Wo hört der Mensch auf, wo fängt das Böckstiegel-Bild an?“

Veit Mette will sich in den kommenden Wochen an die Arbeit machen und auch sich selbst überraschen lassen, was am Ende entsteht. 20 Personen können sich dafür vorab von dem Bielefelder fotografieren lassen, vom Kind bis zum Erwachsenen, altersmäßig sind keine Grenzen gesetzt. „Jeder Interessierte kann uns ab sofort unter Telefon 05203/2961221 im Museum anrufen und sich für einen Fototermin eintragen lassen. Die Fotosessions finden nach Absprache am Montag und Dienstag, 21. und 22. Juni, im Böckstiegel-Museum statt – immer eine Person, die unter Berücksichtigung der Coronaschutzregeln fotografiert wird“, kündigt David Riedel an. Seine Kolleginnen Vera Keßeler und Lilian Wohnhas weisen darauf hin: „Wir benötigen coronabedingt auch die Kontaktdaten und das Einverständnis, dass das Foto als Kunstwerk öffentlich gezeigt werden darf.“ Es gelte: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst.

Teilnehmergesichter mischen sich mit Arbeitern oder mit Böckstiegel selbst

Gerade das sei ja auch ein spannender Aspekt, findet Veit Mette: „Es soll keine Vorauswahl der Teilnehmer geben; jeder ist für sich einzigartig.“ Nach zwei Tagen habe er aus den 20 Teilnehmern sicher einen Fundus von etwa 100 Fotos. Anfang Juli will er entscheiden, welches Foto von jedem Abgelichteten er für die daraus entstehenden Doppel-Portraits verwende. Auch wisse er jetzt noch nicht, welche Böckstiegel-Aquarelle oder -Zeichnungen er verwende: „Die wähle ich intuitiv aus, sobald ich die Teilnehmerfotos habe“, erklärt der 59-jährige Kulturpreisträger der Stadt Bielefeld. Die in Szene gesetzten dürfen also gespannt sein, ob ihr Gesicht auf einen Bauern oder anderen Arbeiter, vielleicht auch auf einen Familienangehörigen oder Nachbarn Peter August Böckstiegels „trifft“ – oder sogar auf den Expressionisten selbst.

David Riedel ist fasziniert: „Das Projekt, das noch keinen Titel hat, bringt Böckstiegel in die Jetztzeit. Entwickelt hat es sich ziemlich spontan, auch aus den Einschränkungen, die der Lockdown mit sich gebracht hat.“ Veit Mette ist kein Unbekannter in Werther: Zum Richtfest des Museums hatte er 2017 eine Böckstiegel-Bilder-Edition herausgebracht. Weil das Haus coronabedingt für Besucher geschlossen war, hatte er im vergangenen Winter Böckstiegels Landschaftsgemälde in den Schnee projiziert, geradezu ausgerollt. Ähnlich kreativ war er in Karlsruhe, hatte in der Kunsthalle Bilder aus der Boucher-Schau fotografiert und auf Körper projiziert.

„Das wird ein visueller Overkill!“

Denn, und da ist sich Mette mit dem Team des PAB-Museums einig: „Im Lockdown kann man Kunst zwar ins Internet stellen; doch es fehlt das museale Gefühl, das Drumherum des Ortes.“ Dem tritt der Bielefelder nun mit seinem Projekt entgegen. Zu sehen sind die Werke, wetterfest angefertigt, vom 1. August bis zum 12. September auf der Wiese vor dem Böckstiegel-Museum. „Dort sind sie auch für Radfahrer und andere Passanten sichtbar, die hoffentlich Lust aufs Museum bekommen“, erklärt Lilian Wohnhas. Einige Bilder werden zudem im Museum gezeigt – „ein visueller Overkill!“, freut sich David Riedel. Veit Mette will begleitend dazu ein Leporello – ein Faltbuch – erstellen.

Mit im Boot bei den Vorbereitungen ist auch Astrid Schütze, Vorsitzende des Kulturvereins Borgholzhausen. Der Verein zeigte im Juli 2019 Veit Mettes jeweils neunfach belichtete Borgholzhausen-Fotos im Garten des Ladencafés Schulze und hatte dafür etwa Rahmen und Staffeleien selbst gebaut.

Den 20 Teilnehmern des jetzigen Projektes winkt neben staunend-irritierten Besuchern auch jeweils ein DIN-A4-Abzug „ihres“ persönlichen Kunstwerks.

Noch freie Besuchstermine für Felixmüller-Ausstellung

Für die aktuelle Ausstellung „Familienbande. Conrad Felixmüller – In Arrode“ mit etwa 70 Werken des Malers, Zeichners, Grafikers und Böckstiegel-Schwagers (geplant bis 27. Juni) können noch Besuchstermine für das kommende Wochenende gebucht werden. Wie gewohnt über die Internetseite:

www.museumpab.de

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