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Bündnis für Demokratie und Toleranz nennt Einzelheiten für die Aktion

Menschenkette in Paderborn soll für Solidarität werben

Paderborn

Das Paderborner Bündnis für Demokratie und Toleranz plant für den kommenden Samstag eine Menschenkette vom Rathaus bis zum Sankt-Vincenz-Krankenhaus. 

Von Dietmar Kemper

Die Paderborner Organisatoren folgen unter anderem dem Beispiel Schweinfurts, wo Menschen sich solidarisch miteinander verbanden und dabei trotzdem den Mindestabstand einhielten. Foto: Nicolas Armer/dpa

„Auf der 730 Meter langen Strecke sollen sich die Menschen mit Tüchern, Schals und Transparenten verbinden“, kündigte der Mitorganisator Johannes Menze an. Natürlich werde man die Corona-Schutzvorschriften und Abstandsregeln einhalten.

Zu Beginn werden demnach um 11 Uhr an beiden Orten Kundgebungen abgehalten. Vor dem Rathaus soll es um den hohen Wert der Demokratie gehen, auf dem Platz der Alten Synagoge vor dem Krankenhaus um die praktischen Erfahrungen mit der Corona-Pandemie, die Ärzte und Pfleger gesammelt haben. Sprechen wird Dr. Gregor Haunerland vom Impfzentrum Salzkotten. „Wir müssen und wollen konkret werden“, sagte Menze: „Wir machen deutlich, dass Corona gefährlich ist und sind solidarisch mit denen, die täglich damit zu tun haben.“

Gleichzeitig wolle das Bündnis für Demokratie und Toleranz klarstellen, „dass wir nicht in einer Situation sind, die als Diktatur bezeichnet werden kann“. Dadurch werde man sich von sogenannten „Spaziergängern“, Rechtsextremen und „Reichsbürgern“ abgrenzen. Wie mehrfach berichtet, wurde auf den Kundgebungen der Impfgegner wiederholt in Reden und auf Transparenten der Eindruck erweckt, als wenn sich Deutschland in einer „Corona-Diktatur“ befände, in der die Grundrechte nichts mehr zählten.

AfD nicht angefragt

Flankiert wird die Menschenkettenaktion am Samstag durch eine Erklärung im Internet, die für alle Paderborner gedacht ist, die am Samstag nicht live dabei sind. Die Veranstalter haben 400 Personen angemeldet. Die Kommunalpolitik sehen sie geschlossen hinter sich. Mit Ausnahme der AfD. Menze: „Wir haben die AfD nicht angefragt, weil wir uns von den ‚Spaziergängen‘ distanzieren, die AfD aber bei den ‚Spaziergängern‘ steht.“

Nach den Reden solle die Menschenkette als symbolischer Akt für Widerstand um 11.45 Uhr formiert und gegen 12.15 Uhr wieder aufgelöst werden. Dem Paderborner Bündnis für Demokratie und Toleranz gehören 42 Organisationen und weitere Personen aus der Zivilgesellschaft an. Als Redner hat das Bündnis auch Paderborns Bürgermeister Michael Dreier angefragt.

Wie am Dienstag berichtet, hatten am Tag zuvor erneut 1500 Gegner der Corona-Maßnahmen auf dem Maspernplatz und Inneren Ring demonstriert, vor dem Rathaus formierte sich zeitgleich eine Gegendemo mit etwa 300 Teilnehmern.

Kaum Demonstranten in Altenbeken

Auch in Salzkotten kamen erneut 80 Impfgegner zusammen. Für Altenbeken hatte der Veranstalter „Grundrechte Paderborn“ ebenfalls zu einer Demo auf dem Platz vor der Sparkasse aufgerufen. Hier fanden sich laut Polizei aber nur sechs Erwachsene und drei Kinder ein, die aber schnell wieder gegangen seien. Ob sich in anderen Kommunen des Kreises Gruppen von Gegnern der Corona-Maßnahmen bilden, ist der Polizei nach eigenen Angaben nicht bekannt.

Die Demos auf dem Mas­pernplatz haben auch Auswirkungen auf die Paderhalle. Dort stand am Montagabend um 20 Uhr das Musical „Ewig Jung“ auf dem Programm. „Wir haben versucht, die Kunden im Vorfeld zu erreichen, und sie gebeten, sich früher auf den Weg zu machen und auf die Parkhäuser Rolandsweg und Neuhäuser Tor auszuweichen“, berichtete Paderhallensprecherin Antje Ostermann am Dienstag.

Die Parkhäuser seien extra länger geöffnet gewesen, Ordnungsamt und Paderhallenteam hätten gut Hand in Hand gearbeitet. Dass die Demonstrationen Gäste davon abhalten könnten, Veranstaltungen zu besuchen, glaubt Ostermann nicht: „Die Besucher, die Karten hatten, sind auch gekommen.“ Etwa 250 Personen verfolgten das Musical in der Paderhalle, aber nicht das Schauspiel draußen.

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