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Ermittlungen gegen weiteren Mann aus Steinheim allerdings eingestellt – Mutter hatte Anzeige erstattet

Fall Lügde: Missbrauchsvorwurf gegen weiteren Camper

Lügde/Steinheim (WB). Im Missbrauchsfall von Lügde (Kreis Lippe) hat es gegen einen weiteren Camper einen Missbrauchsvorwurf gegeben. Das bestätigte Oberstaatsanwalt Ralf Vetter am Dienstag dem WESTFALEN-BLATT.

Matthias Band

Auf dem Campingplatz Eichwald parkt vor der inzwischen eingezäunten Parzelle des mutmaßlichen Täters ein Polizeiauto. Foto: dpa

Die Ermittlungen gegen den Mann aus Steinheim (Kreis Höxter) wurden allerdings eingestellt, weil es »keinen hinreichenden Tatverdacht« gegeben habe, erklärte Vetter. Der Fall sei zwar an die Ermittlungskommission im Fall Lügde zur Kenntnis weitergeleitet worden. Der Fall werde aber nicht neu geprüft, betonte Vetter.

Mutter erhebt schwere Vorwürfe

Der Mann aus Steinheim war im April 2018 von Michaela Vandieken, Mutter einer 15-Jährigen, angezeigt worden. Er soll das Mädchen bei einem Grillabend auf dem Campingplatz vergewaltigt haben, so der Vorwurf der Mutter. Drei Wochen nach der Tat soll das Mädchen sich der Mutter, die früher ebenfalls auf dem Campingplatz »Eichwald« in Lügde eine Dauercamperin war, anvertraut haben. Mutter und Tochter erstatteten Anzeige bei der Polizei. In Detmold sei ihre Tochter viermal vernommen worden, sagte die Mutter dem Fernsehsender RTL, es sei aber nichts weiter passiert.

Die Mutter erhebt schwere Vorwürfe gegen die Polizei: Angeblich seien ihr keine Gründe genannt worden, warum nicht weiter gegen den Beschuldigten ermittelt wurde. Dem widerspricht allerdings Oberstaatsanwalt Vetter. »Die Gründe für die Einstellung des Verfahrens wurden ordnungsgemäß mitgeteilt«, sagte er dieser Zeitung.

Freund von Mario S.?

Bislang sitzen drei Verdächtige wegen der Missbrauchsvorwürfe in Untersuchungshaft: ein 56-Jähriger aus Lügde, ein 33-Jähriger aus Steinheim (Kreis Höxter) und ein 48-Jähriger aus Stade in Niedersachsen. Bei dem neuen beschuldigten Mann soll es sich nach Angaben der Mutter um einen Freund des 33-jährigen Tatverdächtigen Mario S. aus Steinheim handeln; die Parzellen der Männer auf dem Campingplatz sollen nah beieinander ge­legen haben. Mario S. soll bei der Vergewaltigung zugeschaut haben.

Ihr Vater sei ein guter Freund des Hauptverdächtigen Andreas V. gewesen, sagte Michaela Vandieken. Als Elfjährige sei sie selbst von Andreas V. mehrfach missbraucht worden. Die Erinnerungen seien durch das schreckliche Erlebnis ihrer Tochter wieder hochgekommen. »Ich habe es damals meinen Vater gesagt.

Aber er hat es nicht geglaubt. Er glaubt es bis heute nicht«, sagte Michael Vandieken dem Fernsehsender RTL, die auch Vorwürfe gegen die anderen Camper erhebt: »Mir kann keiner sagen, dass niemand hier etwas von mitbekommen hat, wie die Kinder missbraucht worden sind.«

Polizeibüros durchsucht

Nach den bisherigen Erkenntnissen der Ermittler hat der vielfache sexuelle Missbrauch von Kindern auf dem Campingplatz in Lügde bereits vor mehr als zehn Jahren begonnen. Insgesamt 31 Kinder und Jugendliche im Alter von vier bis 13 Jahren sind bis Ende 2018 Opfer geworden. Darunter ist ein Pflegekind, das bei dem hauptverdächtigen Dauercamper Andreas V. wohnte. V. soll das Mädchen missbraucht und als Lockvogel eingesetzt haben, um leichter an weitere Kinder heranzukommen.

Am Dienstagvormittag durchsuchten Beamte die Polizeiwachen in Bad Salzuflen, Lemgo und Blomberg, um nach einem Alukoffer, einer schwarzen Mappe und den 155 bei der Polizei verschwundenen CDs und DVDs zu suchen. Die Asservate werden seit dem 30. Januar aus den Räumen der Kreispolizei Lippe in Detmold vermisst.

Die Staatsanwaltschaft Detmold geht weiter davon aus, dass die Beweismittel nicht gestohlen wurden, sondern versehentlich abhanden kamen. Es wurde auch ein Elektriker befragt, der Zugang zum Auswerteraum gehabt haben soll, aber auch er will den Alukoffer nicht mitgenommen haben.

Am Dienstagnachmittag will NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) Abgeordnete im Innenausschuss des Landtags über den Fall Lügde informieren – zum Teil in öffentlicher Sitzung, aber auch im nichtöffentlichen Teil.

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