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Beamte sollen aber mit dem Fall Lügde nichts zu tun haben

Lippe: drei Polizisten mit Sexualtaten vorbelastet

Detmold (WB). In der Kreispolizei Lippe (391 Be­amte) arbeiten mindestens drei Polizisten, die vor Jahren mit sexuell motivierten Taten aufgefallen waren.

Christian Althoff

Die Zentrale der Kreispolizei Lippe Foto: Althoff

Das hat LKA-Sonderermittler Ingo Wünsch nach Düsseldorf gemeldet. Nach den Polizeipannen im Missbrauchsfall Lügde durchleuchtet Wünsch im Auftrag von NRW-Innenminister Herbert Reul die Behörde.

Wolfgang Beus, Sprecher im Innenministerium, bestätigte am Wochenende den Sachverhalt, wollte aber zu Details nichts sagen: »Der Minister hat am 28. Februar die Obleute im Innenausschuss informiert. Die betroffenen Polizisten haben ihre Straf- oder Disziplinarverfahren längst hinter sich.«

Nach WESTFALEN-BLATT-Informationen handelt es sich zum einen um einen früheren Kommissar der Gütersloher Polizei. 2011 hatte ein Kollege auf dessen Laptop Kinderpornos entdeckt. Insgesamt wurden Tage später bei einer Hausdurchsuchung mehr als 3000 Dateien gefunden. Ein Video zeigte die minutenlange Vergewaltigung eines Kindes.

Versteckte Kamera montiert

Der Polizist wurde 2013 zu 3200 Euro Strafe verurteilt. Landrat Sven-Georg Adenauer (CDU) wollte ihn entlassen, doch die Richterinnen der Disziplinarkammer am Oberverwaltungsgericht Münster hielten das nicht für nötig. Die Kreispolizeibehörde Lippe erklärte sich bereit, ihn zu übernehmen. Er arbeitet aktuell nicht in Detmold, sondern in einer anderen lippischen Stadt.

Im zweiten Fall geht es um einen Polizisten, der in seinem Haus im Kreis Höxter im Bad eine versteckte Kamera montiert hatte. 2011 entdeckte die Tochter auf dem Handy des Vaters Videoaufnahmen, die eine Freundin zeigten. Die Staatsanwaltschaft nahm ein sexuelles Motiv an. Der Mann wurde zu 2400 Euro Strafe verurteilt und arbeitet nicht in Detmold.

Der dritte Polizist war ein sogenannter Tutor, der 2013 eine ihm zugewiesene Kommissarsanwärterin sexuell belästigt haben soll. Er soll ihr Nacktfotos geschickt haben, was die Frau meldete. Der Mann soll eine Disziplinarstrafe bekommen haben, und auch sein Arbeitsplatz ist nicht mehr in Detmold.

Keiner von ihnen mit dem Fall Lügde betraut

Am 27. Februar war Sonderermittler Wünsch auf den Fall des Polizisten mit der Kinderporno-Vorstrafe gestoßen. Darauf ordnete der Minister an, nach weiteren vorbelasteten Beamten zu suchen. Einen Tag später meldete Wünsch die zwei anderen Fälle ans Ministerium. Sprecher Wolfgang Beus: »Die Behörde Lippe wurde angewiesen, darauf zu achten, dass keiner der drei Polizisten mit Sexualstrafverfahren zu tun hat.« Nach derzeitiger Kenntnis sei keiner von ihnen mit dem Fall Lügde betraut gewesen, auch 2016 nicht, als erste Anzeigen gegen den heute Hauptbeschuldigten eingingen.

Michael Schröter, Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP) in Ostwestfalen-Lippe: »In jedem größeren Unternehmen wird man vorbelastete Mitarbeiter finden. Dass die Fälle der drei Polizisten mit dem Fall Lügde verknüpft werden, ist unseriös.« Inzwischen stünden Polizisten unter Generalverdacht.

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