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Heinrich Lieske genießt seine Zeit in der Tagespflege in Espelkamp

Mit 96 Jahren voll im Leben

Espelkamp

„Hier wacht man noch mal richtig auf!“, sagt ein fröhlicher Heinrich Lieske. Er wurde in Milzig (Kreis Grünberg in Schlesien, heute polnische Woiwodschaft Lebus) geboren. Mit 96 Lebensjahren ist er der älteste Gast der Tagespflege am Ludwig-Steil-Hof in Espelkamp und gehört zu den fittesten.

Von und

„Hier können sie leben!“ schwärmt Heinrich Lieske. Mit 96 Jahren ist er der älteste Gast der Tagespflege am Ludwig-Steil-Hof. Foto: Ludwig-Steil-Hof

„Ich habe weiter keine Probleme mit der Gesundheit“, erzählt er. „Aber plötzlich wollten meine Beine nicht mehr.“ Deshalb sitzt er heute im Rollstuhl, in dem er sich so flink bewegt wie ein Junger. Lieske ist in der Tagespflege im Grünen zu Gast. Den Nachmittag brauche er eigentlich noch für sich allein, um zu lesen, zum Beispiel die Tageszeitung. Doch manchmal seien die Beschäftigungsangebote der Tagespflege einfach zu interessant. Dann nimmt er seine Zeitung später mit nach Hause, um sie neben den TV-Nachrichten anzuschauen und auch den Teletext zu lesen. „Ich muss doch wissen, was in der Welt geschieht. Das hält fit“, sagt er. Und danach richte er das Abendessen für sich und seine Frau an.

Die ist den ganzen Tag über nebenan in der Tagespflege II, dem Schwester-Hilde-Haus. „Sie kann nicht mehr gehen und auch nicht stehen,“ erläutert Lieske. „Da ist das zu Hause etwas schwierig, weil ich ihr ja nicht mehr so helfen kann.“ Beide sind sehr glücklich mit ihrer Situation. „Gut, dass es die Tagespflege gibt.“ Alle Mitarbeiter seien so umgänglich und fürsorglich, lobt der gelernte Maschinenschlosser die Mitarbeitenden in der Pflege, „auch die jungen Leute, die hier ein Praktikum machen oder ihr freiwilliges soziales Jahr“. Sie würden von zu Hause abgeholt und dann gebe es ein ausgiebiges gemeinsames Frühstück. Akribisch listet Heinrich Lieske das Angebot aus dem Gedächtnis auf: drei Sorten Brötchen, unterschiedliches Brot, zwei Marmeladen, Butter, gekochte Eier, drei Sorten Wurst, Quark und Käse, dazu auch Obst oder Paprika, Tomaten oder Radieschen. Selbst Sonderwünsche würden erfüllt. Um 11 Uhr gebe es einen kleinen Snack, zum Beispiel Obst und Buttermilch. Das Mittagessen komme dann aus der Großküche ein paar Häuser weiter. Das dort produzierte Essen schmecke ihm sehr gut, lobt Lieske.

Heinrich Lieske

Dazu kommt noch die Anregung durch viele Arten der Beschäftigung. Gerade wird im Nachbarraum gesungen. Er selbst spiele am liebsten täglich in einer kleinen festen Runde Rommé. „Da muss man rechnen und seinen Kopf ein wenig anstrengen“, betont Lieske, der in seinem langen und bewegten Leben eine ganze Reihe verschiedener Berufe erfolgreich ausgeübt und ein Menge erlebt hat. Aber auch zahlreiche andere Spiele würden geboten.

„Die Zeit vergeht hier wie im Flug.“ In den eigenen vier Wänden fehle oft die Anregung. Man schlafe zu viel oder döse so vor sich hin, „und dann werden sie auch so“, lacht der ehemalige Eisenbahner und macht mit dem Zeigefinger eine kreisende Bewegung vor der Stirn.

Auch seine Frau freue sich immer auf die Zeit im Steil-Hof. „Schade“, sage sie am Sonntag, wenn die Tagespflege geschlossen ist. „Heute haben wir gar nichts vor.“ So sei ihnen beiden die Zeit schwergefallen, als Corona bedingt geschlossen war. „Jetzt können wie endlich wieder zusammen sein“, freut er sich. Die Gäste werden einmal wöchentlich getestet und brauchen außer zur Fahrt im Bus drinnen keinen Mund-Nasen-Schutz zu tragen, wohl aber das Pflegepersonal.

Anfangs wollte er nicht

Nicht immer fand er den Gedanken, selbst die Tagespflege zu besuchen, gut. Als seine Kinder ihm diesen Verschlag gemacht hätten, sei er sehr zornig geworden. „Ich will da nicht hin und wenn ihr versucht, mich da hin zu bringen, lasse ich mich aus dem Rollstuhl fallen“, habe er gedroht. Aber dann hätten seine Frau, seine Kinder und sein Hausarzt ihn mit Mühe zu einem Kompromiss überredet. Er sollte doch nur mal einen Tag hinfahren, um zu sehen, wie es da so zugehe. „Einen Tag war ich hier, und der verging wie im Fluge“, erzählt Lieske. „Es war so interessant, so schön und voller Leben. Ich wollte gleich am nächsten Tag wieder hin.“ Er könne nur allen Menschen in einer ähnlichen Situation raten, in die Tagespflege zu kommen. „Hier können sie leben“, ruft er ihnen zu.

Informationen zu Probebesuchen und zur Tagespflege im Ludwig-Steil-Hof geben die Leiterin der Tagespflege Schwester Maria Kopp (Telefon 05772/564-144) oder Schwester Britta Ude (Telefon 07772/564-147).

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