Leiterin der Kita Zwergennest in Hüllhorst-Tengern verabschiedet

Mit Freude die Kinder begleitet

Hüllhorst-Tengern

Nach 30 Jahren Leitungsfunktion übergibt Anne Lankes-Dickler den Stab der Kindertagesstätte Zwergennest an ihre Nachfolgerin Lisa-Marie Dreyer und ihre Vertreterin Kristin Güra.

Leiterin Kita Zwergennest Tengern Anne Lankes-Dickler Verabschiedung nach 30 Jahren Leitung Juni 2021. Foto: Kita Zwergennest

Bei ihrer Verabschiedung bedankt sich der aktuelle Vorstand rund um Nicky Wenzke für die beeindruckend engagierte Tätigkeit, während sich Anne Lankes-Dickler auch bei den aktuellen und ehemaligen Zwergennest-Kindern bedankt.

Das Zwergennest in Tengern ist fester Bestandteil der Hüllhorster Bildungslandschaft. Ausgezeichnet als Landessieger „Haus der kleinen Forscher“ und von zahlreichen politischen Gremien als Modelleinrichtung herangezogen, war die als Elterninitiative gegründete Kindertageseinrichtung im Jahr 1991 eine Alternative zu den Kindergärten in kirchlicher Trägerschaft.

Silvia Steffen-Klasen, die zur Gruppe der Gründerinnen gehört, schildert die damalige Situation für berufstätige Eltern mit Kindern als schwierig und ausbaufähig. Betreuungszeiten seien nicht kompatibel gewesen mit den Arbeitszeiten und viele Eltern hätten sich zudem eine Verpflegung in der Mittagszeit gewünscht. „Das Betreuungsangebot gab es für Kinder ab drei Jahren und von 8 bis 12 und 14 bis 16 Uhr.“

Kornelia Brockfeld-Hägerbäumer

Da kam die Initiative von Kornelia Brockfeld-Hägerbäumer, eine eigene Kindertagesstätte zu gründen, genau richtig. Gemeinsam mit weiteren engagierten Eltern stellten sie ein pädagogisches Konzept auf, das auf Naturnähe, Selbstwirksamkeit der Kinder und Teilhabe am alltäglichen Leben basiert. Diese Elterngeneration habe einen Umbruch in der Kinderbetreuung vorangetrieben, so die Eltern rückblickend. Heute seien Elterninitiativen in Deutschland und das Zwergennest in Tengern fest etabliert.

„Dass die Ernennung von Anne Lankes-Dickler als Kita-Leitung ein immenser Gewinn für unsere Institution ist, war uns schnell klar“, so Kornelia Brockfeld-Hägerbäumer. „Gemeinsam haben wir in kurzer Zeit immense Kräfte aufgewendet, um unser Ziel zu erreichen, auch gegen Widerstände.“ Das Versprechen der Leitung an die Gründungseltern, das Zwergennest als liebevollen Wirkungs- und Lebensort für Kinder zu gestalten, ihnen viel frische Luft und noch mehr Forschergeist mitzugeben, betrachtet Lankes-Dickler heute als erfüllt: „Durch die Ideen der Kinder habe ich einen ‚Kindergarten wie das Leben‘ geschaffen“, so die Kita-Leiterin, „die Begeisterung der Kinder für eine Sache ist ansteckend und eine Wohltat für mein eigenes Kindheits-Ich.“

Genau das zeichne Lankes-Dicklers Arbeit aus, finden auch andere ehemalige Vorstandsvorsitzende: „Ist sie von einer Idee, einer Sache überzeugt, motiviert sie auch andere dafür“, sagt Dirk Rösener, ehemaliger Vorstandsvorsitzender und Betreiber der Moorschäferei in Lübbecke-Nettelstedt: „Einige Kinder haben meine Schafe und mich mehrere Tage im Moor begleitet, das war eine tolle Erfahrung. Für die Kinder und für mich.“

Anne Lankes-Dickler

Das Zwergennest-Konzept weiter zu entwickeln, immer wieder neu zu erfinden und den neuen Erkenntnissen der Gehirnforschung anzupassen, ist für Lankes-Dickler Tagesgeschäft gewesen: Die aktuellen Literatur-Erscheinungen über Themen, die ihr für die Arbeit mit Kindern wichtig erschienen, waren stets bei ihr im Bücherregal zu finden.

Ein weiterer Baustein ihres Konzeptes ist die Selbstwirksamkeit, denn es sei enorm wichtig, den Kindern diese Erfahrung zu bieten: „Menschen blühen auf, wenn sie das tun können, was sie möchten. Das zu erleben, ist fantastisch.“ Die Kinder hätten so besonders spüren können, mit ihrem Forscherdrang und auf Entdeckungsreise zu sich selbst ernst genommen zu werden und dass sie etwas bewirken könnten.

Im Gespräch mit anderen Vorstandsmitgliedern, ehemaligen Kindern und Eltern der Initiative fallen Lankes-Dickler viele besondere Momente ein. „Kinder und Eltern werden sich an unseren Zirkus Brausepulver, das Märchenzimmer, das Baucamp auf der Obstwiese und den Kirchenbau in Tengern mit Pastor Ovesiek erinnern.“ Ein Geheimnis wollte Anne Lankes-Dickler noch nicht verraten: Warum das ganze Zwergennest jedes Jahr zur Weihnachtszeit eingepackt wird: „Das können die Kinder viel besser erzählen als ich.“

Anne Lankes-Dickler

In 30 Jahren habe es neben vielen besonderen Momenten auch Hürden und Trauriges gegeben, das es zu meistern galt – sowohl im Zwergennest als auch persönlich: „Wir mussten um die Finanzierung bangen, als es um das neue Kinderbildungsgesetz ging, hatten Bürokratisches zu erledigen und haben unsere Einrichtung auch manchmal in Frage gestellt. Der Verlust meines geliebten Mannes war für mich eine immense Herausforderung. Er war nach Feierabend immer meine Stütze und hat das Zwergennest seit der Gründung begleitet. Dafür bin ich ihm sehr dankbar. Auch der plötzliche Tod der damals 42-jährigen Astrid Hohendorf, einer sehr engagierten Erzieherin, war ein schwerer Schlag für uns und die Familie.“

Anne Lankes-Dickler zieht ein persönliches Resümee: „Die Kinder haben meine Sicht auf die Welt verändert, dafür danke ich ihnen. Ich hatte den Mut, das zu tun, was ich wollte und das Glück, die Arbeit mit den Kindern als Geschenk nehmen zu dürfen. Was gibt es Schöneres, als zuhörend mit wachen Ohren und Augen ein kleines Kind bei der Entdeckung der Welt zu begleiten?!“ Ihrer Nachfolgerin Lisa-Marie Dreyer, die selbst als Kind im Zwergennest war, wünscht Lankes-Dickler viel Unterstützung, „so, wie auch ich sie hatte“, dass alle ihre Begeisterungsfähigkeit teilen und begleiten, wenn es heißt, mal wieder über Hürden zu springen.

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