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„Corvey digital“ ist gestartet: Kulturerbe-Portal mit Buchhandschriften der ehemaligen Reichsabtei

Mittelalterliche Bibliothek virtuell vereint

Höxter/Paderborn

Das neue Internet-Portal „Corvey digital“ bietet freien Zugriff auf die mittelalterlichen Buchbestände des ehemaligen Benediktinerklosters Corvey.

 

Die Corveyer Handschriften wurden digitalisiert und stehen nun allen zur Verfügung. Beispielsweise der Beginn des Buches Genesis aus einer Biblia sacra, entstanden um 1250. Foto: Ansgar Hoffmann

Im gemeinsamen Projekt der Erzbischöflichen Akademischen Bibliothek Paderborn und der Universitätsbibliothek Marburg wurden sowohl die jeweils vorhandenen Handschriftenbestände der ehemaligen Bibliothek Corvey als auch entsprechende Werke aus anderen Archiven und Bibliotheken digitalisiert und unter https://corvey.ub.uni-marburg.de/ weltweit verfügbar gemacht.

„Wir starten online mit 121 digitalisierten ehemals Corveyer Handschriften aus 31 Bibliotheken und sind stolz, dass die 24 Werke im Besitz der Erzbischöflichen Akademischen Bibliothek nun allen zugänglich sind zum Forschen oder einfach zum Staunen und Bewundern“, sagt Bibliotheksdirektor Professor Dr. Hans-Walter Stork.

Bibliothek war eine der bedeutendsten Bibliotheken Mitteleuropas

Die Bibliothek des Klosters Corvey war bis in das 12. Jahrhundert eine der bedeutendsten Bibliotheken Mitteleuropas. „Bislang ist die Bibliothek Corvey eher Gegenstand von Spezialforschung und in der breiteren Mittelalterforschung weniger präsent als es ihrer großen Strahlkraft und ihrer kulturgeschichtlichen Bedeutung entspricht“, erläutert Stork. „Das Webportal erleichtert nun Mediävistinnen und Mediävisten aller Disziplinen nicht nur ganz erheblich den Zugang zu den Corveyer Handschriften. Der Einsatz der neuartigen IIIF-Technologie, die ein schnelleres Laden, Blättern und Zoomen in den Digitalisaten möglich macht, hebt das digitale Arbeiten mit Quellenmaterialien auch auf ein neues Niveau. Es lädt auch Interessierte zum Staunen und Bewundern der Handschriften ein.“ Er sei „hoch erfreut“, dass das ambitionierte Projekt zusammen mit der Universitätsbibliothek Marburg in so kurzer Zeit verwirklicht worden sei. Er hoffe zudem, dass noch weitere Digitalisate aus der ehemaligen Bibliothek Corvey bereitgestellt werden können.

Professor Dr. Hans-Walter Stork freut sich, dass die mittelalterlichen Handschriften aus der ehemaligen Bibliothek Corvey nun digitalisiert sind und von allen digital genutzt werden können. Die wohl älteste erhaltene Corveyer Handschrift, ein Evangeliar, entstanden um 840, findet sich in der Erzbischöflichen Akademischen Bibliothek. Foto: Ansgar Hoffmann

„Die Bestände der Klosterbibliothek sind seit Jahrhunderten über die ganze Welt verstreut. Unser Portal führt die Corveyer Buchhandschriften erstmals wieder virtuell zusammen und bietet der Mittelalterforschung damit ein Instrument, um die Wissensbestände der Corveyer Bibliothek und die Buchproduktion des Scriptoriums zu untersuchen“, betont Dr. Andrea Wolff-Wölk, leitende Direktorin der Universitätsbibliothek Marburg. „Unser neues Open-Access-Angebot bietet dabei nicht nur Forschenden einen unkomplizierten Zugriff auf diese wichtigen historischen Originalquellen, sondern ermöglicht auch einer breiten Öffentlichkeit Zugang zu diesem einzigartigen schriftlichen Kulturerbe des Weserraums.“

Kooperation

Das Portal „Corvey digital“ ist das Ergebnis einer Kooperation der Universitätsbibliothek Marburg und der Erzbischöflichen Akademischen Bibliothek Paderborn, in deren Häusern sich heute die beiden größten noch zusammenhängenden Handschriftenbestände aus Corvey befinden. Im Rahmen des Projekts „Die mittelalterlichen Buchhandschriften der Klosterbibliothek Corvey digital“, das seit dem Jahr 2020 von der Deutschen Forschungsgemeinschaft an der Philipps-Universität Marburg gefördert wird, wurden Informationen zu allen weltweit noch erhaltenen Corveyer Handschriften zusammengetragen. Die Marburger und Paderborner Handschriften wurden in der eigenen Digitalisierungswerkstatt der Universitätsbibliothek Marburg digitalisiert und Digitalisate bei anderen besitzenden Einrichtungen in Auftrag gegeben. Die Entwicklung des Web-Portals auf Basis der Software DSpace erfolgte ebenfalls in der Universitätsbibliothek Marburg.

Den Grundstock des Portals bilden die Digitalisate von Corveyer Handschriften, die sich in Marburg und Paderborn sowie in weiteren deutschen Archiven und Bibliotheken befinden. Aus dem Bestand des Archivs des Erzbistums Paderborn ist beispielsweise eine Mappe mit Fragmenten Corveyer Provenienz online gestellt.

Sukzessive werden im Portal die Metadaten und Digitalisate ergänzt. In einer weiteren Ausbaustufe sollen die Metadaten und Digitalisate zu den Handschriften hinzugefügt werden, die sich in Einrichtungen außerhalb Deutschlands befinden. Ziel ist es, alle mehr als 160 weltweit erhaltenen Corveyer Handschriften über das Portal zugänglich zu machen.

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