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Kreis Paderborn verleiht Preis für Umwelt- und Klimaschutz an Fritz Buhr, den Vauß-Hof und die Firma Eviplan(R)

Nachhaltiges Engagement gewürdigt

Paderborn

Der neue Preis für Umwelt- und Klimaschutz des Kreises geht an den Paderborner Fritz Buhr, den Vauß-Hof in Scharmede und die Enviplan(R) Ingenieurgesellschaft in Henglarn: Landrat Christoph Rüther hat die Preisträger jetzt für ihr nachhaltiges und vorbildliches Engagement während der Kreistagssitzung ausgezeichnet.

Landrat Christoph Rüther hat die diesjährigen Preisträger des neuen Preises für Umwelt- und Klimaschutz für ihr nachhaltiges und vorbildliches Engagement ausgezeichnet (von links): Martin Hübner, Dezernent des Kreises Paderborn, Landrat Christoph Rüther, Robert Damann, Geschäftsführer und Gründer der Enviplan(R) Ingenieurgesellschaft mbH, Andreas Watzek und Dr. Alena Diedrich vom Vorstand der Solidarischen Landwirtschaft Vauß-Hof eG sowie Wolfgang Scholle, Vorsitzender des Ausschusses für Natur, Umwelt und Klimaschutz des Kreises bei der Preisverleihung während der Kreistagssitzung. Auf dem Foto fehlt Preisträger Fritz Buhr. Foto: Kreis Paderborn

Die natürlichen Lebensgrundlagen zu erhalten und für die nachfolgenden Generationen zu sichern, sei eine der großen Aufgaben in Gegenwart und Zukunft, betonte der Landrat: Der Kreis habe deshalb erstmals einen Preis für Umwelt- und Klimaschutz ins Leben gerufen, um außergewöhnliches Engagement auf diesem Gebiet auszuzeichnen und gleichzeitig andere zu motivieren, es ihnen gleich zu tun und sich ebenfalls einzubringen.

Bewerben konnten sich bis Ende Juni Personen, Vereine oder auch Firmen aus der Region, die sich mit ihren Projekten nachhaltig und vorbildlich für Umwelt, Tiere, Pflanzen, Boden, Wasser oder die Atmosphäre stark machen. Insgesamt wurden 2400 Euro an die Gewinner ausgezahlt, also jeweils 800 Euro.

Durchhaltevermögen

Preisträger Fritz Buhr kam 1964 als Referendar nach Paderborn und wurde 1965 dem Reismann-Gymnasium als Lehrer für Englisch und Sport zugewiesen. Er engagierte sich schon früh für den Umweltschutz. 1975 zählte er zu den Gründungsmitgliedern des „gemeinnützigen Grünflächenvereins Pro Grün“, dem heutigen „gemeinnützigen Umweltschutzverein Pro Grün e.V. Paderborn“, der zeitweise 300 Mitglieder führte. Ziel sei es nach wie vor, dem Verbrauch von Grünflächen durch Auflösung, Zerteilung und Bebauung zu begegnen und die vorhandenen Grünflächen in ihrer Geschlossenheit zu bewahren.

Buhr kämpfte als Vorsitzender unter anderem gegen Pläne, den Mittleren Ring durch die Paderaue zu vollenden, in der Gemarkung Dreihausen/Sander Bruch die Freiräume als Industriegebiet auszuweisen oder eine Multifunktionshalle am Schützenhof zu errichten. 1989 regte er an, das Vereinsziel zu erweitern und den Umweltschutz mit in den Vereinsnamen aufzunehmen. Immer wieder habe Buhr seinen Sachverstand unter Beweis gestellt und Schwachstellen in Planung oder Vorbereitung aufgezeigt, lobte der Landrat. 1993 wurde Buhr einstimmig zum Ehrenvorsitzenden des Vereins gewählt. Von 1984 bis 1989 und erneut von 1999 bis 2004 gehörte er dem Beirat der unteren Landschaftsbehörde als stellvertretendes Mitglied an. Insbesondere bei Planfeststellungsverfahren zur Abgrabung von Kies und Sand oder dem Schutz von Naturdenkmalen war er involviert. Seit 1999 gehörte er als Vertreter der Landesgemeinschaft Naturschutz und Umwelt NRW (LNU NRW) dem Beirat an.

Fritz Buhr. Foto:

Buhr ist zudem örtlicher Vertreter der LNU NRW, was bedeutet, dass er Stellungnahmen der anerkannten Verbände im Kreis koordiniert und im Rahmen von laufenden Verfahren Stellungnahmen abgibt. Buhr habe stets mehr als seine Pflicht erfüllt und hervorragende Leistungen für die Gemeinschaft erbracht, lobte Rüther. Selbstlos, konsequent und mit dem erforderlichen Durchhaltevermögen habe er Dinge bewegt und durchgesetzt.

Lernort Bauernhof

Preisträger ist zudem der Vauß-Hof, der von der Familie Pötting zu einem Ökohof mit Direktvermarktung ausgebaut wurde. Durch den Verzicht auf Pestizide und chemische Dünger, dem schonenden Umgang mit der Ressource Wasser und dem Anbau samenfester und biologischer Gemüsesorten stelle sich der Hof zukunftsgerichtet auf, sagte Rüther. 2016 wurde die gemeinnützige Genossenschaft „SoLawi Vauß-Hof eG“ gegründet: Das Prinzip einer solidarischen Landwirtschaft ist es, gemeinsam mit anderen die Landwirtschaft zu finanzieren, den Anbau zu begleiten und die Ernte zu teilen, nach dem Motto „Gemeinsam ackern, gemeinsam ernten“.

Die Erzeugnisse werden lokal verbraucht. Das sei auch positiv für die Klima­bilanz, da so Transportketten verkürzt oder vermieden werden. Mehr als 250 Mitglieder engagieren sich auf dem Hof, der auch Bildungsangebote macht. Themen sind Umwelt und Nachhaltigkeit sowie Landschafts- und Naturschutz. Auch Kitas und Schulklassen sind auf dem „Lernort Bauernhof“ willkommen.

Angestrebt wird zudem ein Agroforstprojekt, das der Bodenerosion entgegenwirken, die Fruchtbarkeit des Bodens steigern und die Biodiversität fördern soll. Dieses Projekt stehe für die zukunftsgerichtete Denkweise und den Willen zur Weiterentwicklung, sagte der Landrat. Durch die solidarische Landwirtschaft mit lokalen Produkten und einem hohen Maß an Wissensvermittlung werde in vorbildlicher Weise zum Umwelt- und Klimaschutz beigetragen.

Innovationskraft

Die Enviplan(R) Ingenieurgesellschaft in Lichte­nau-Henglarn wurde für ihre Entwicklung von Technologien zur Erhaltung und Verbesserung der Gewässerqualität sowie für „jahrzehntelange Innovationskraft“ als international tätiges Unternehmen ausgezeichnet. Geschäftsführer und Gründer Roland Damann nahm den Preis entgegen.

Wasser sei eine der wichtigsten Ressourcen, mit der verantwortungsvoll umzugehen sei und die es zu schützen gelte, sagte Rüther. Der Aufbereitung von Abwässern komme dabei eine besondere Bedeutung zu. Dadurch würden Natur und Umwelt sowie das Grundwasser geschützt. Auf diesem Gebiet habe sich Enviplan(R) einen Namen gemacht – auch international. Sie hat Verfahren zur Abwasserbehandlung entwickelt, die den Weg zur energie­autarken Kläranlage eb­neten. Der Platzbedarf verringere sich durch den Wegfall von Klärbecken. Auch für die Gewässersanierung biete die Firma Lösungen an. Sie entwickelte ein Verfahren, das es ermöglicht, Phosphat und Nitrat im Boden zu eliminieren. Beide verändern den Sauerstoffgehalt in Gewässern, was viele Lebewesen gefährdet. Landrat Rüther: „Sie leisten hier in vorbildlicher Weise weit über den Kreis Paderborn hinaus einen international bedeutsamen Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz.“

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