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Klaus-Dieter Leßmann übt scharfe Kritik an der Logistik-Studie für Atommülllager Würgassen

„Nadelöhr in Höxter außer Acht gelassen“

Höxter/Beverungen-Würgassen

Die Logistik-Studie der BGZ zum Atommüll-Zwischenlager in Würgassen hat auch bei Klaus-Dieter Leßmann, Sprecher der BI „pro B64/83 und Kreisvorsitzender des CDU-Mittelstandsvereinigung (MIT) für Unmut gesorgt. Er bringt in einer Stellungnahme seinen Eindruck auf den Punkt, dass Studien einseitig für den Auftraggeber gestaltet werden können.

Auf dem Gelände des ehemaligen Kernkraftwerks Würgassen soll ein Atommüll-Zwischenlager entstehen. Die Logistik-Studie der BGZ sorgt für viel Unmut. Foto: Michael Robrecht

„Vorab möchte ich ganz klar und unmissverständlich sagen, dass ich absolut gegen ein Atommüll-Zwischenlager in Würgassen bin“, betont Klaus-Dieter Leßmann. „Dieser Reaktorstandort, der er nun mal noch laut Flächennutzungsplan ist, könnte wunderbar zu einem Standort zur Produktion ‚Power to Gas‘ genutzt werden, ohne dass große Teile der Bevölkerung und auch der Fremdenverkehr in unserer Region zusätzlich und vollkommen überflüssig belastet wird.“

Es sei schon beachtlich, wie sehr Studien doch einseitig für den Auftraggeber gestaltet werden können. Das fange schon mit der geschickten Formulierung der Anzahl der Transporte an. „Hier schreibe man, es wären nur 20 Transporte – allerdings 20 Anlieferungen und 20 Auslieferungen, wie man bei genauerem Betrachten mal so eben lesen kann. Also sind das schon einmal 40 zusätzliche, tägliche Atommülltransporte die durch unseren Kreis durch absolut ‚sichere Transportwege‘ gehen sollen“, konstatiert Klaus-Dieter Leßmann. Es gebe, so könne man lesen, keine Unfallschwerpunkte und keine Problemfälle auf allen fünf Routen. „Eine ganz klare und grob fahrlässige Lüge“, nimmt Leßmann kein Blatt vor den Mund. Vier Routen, wenn man den Hin- und Rückweg als je eine Route sieht, seien definitiv problematisch. Alle diese Routen führten nämlich durch die Ortschaften Ottbergen und Godelheim. Abgesehen davon, dass seit der Einführung der Lkw-Maut die Menschen an der B64 zusätzlich mit zunehmenden Schwerlastverkehr belastet würden, kämen dann noch einmal 20, maximal 40 Transporte, und die auch noch mit Atommüll, durch diese Orte.

Die Gutachter der Studie hätten dabei völlig außer Acht gelassen, dass es in Ottbergen ein Nadelöhr in Form der bekannten extrem engen Bahnunterführung gebe. „Und sie haben anscheinend nicht mitbekommen, oder haben es absichtlich übersehen, dass es hier allein in den letzten Jahren schwere, tödliche Unfälle gegeben hat. Ich möchte mir nicht vorstellen, was passiert, wenn dies mit einem Atommülltransporter geschieht.“

Somit müsse die neue Ampelregierung, die ja in ihrem Koalitionsvertrag stehen habe, dass ein Atommüll-Zwischenlager definitiv gebaut werden soll, „sich entweder für einen anderen Standort entscheiden, was mir und allen Einwohnern des Kreises Höxter, aber besonders auch den betroffenen Bewohnern von Ottbergen und Godelheim sicherlich das Liebste wäre, oder schnellstmöglich dafür sorgen, dass die Infrastrukturmaßnahmen, also gemeint ist der Ausbau des gesamten Lückenschlusses zwischen Ottbergen und Godelheim, dann beschleunigt fertig gestellt sind, oder erst mit dem Bau beginnen, wenn diese unausweichlichen und nötigen Straßenbaumaßnahmen realisiert worden sind“.

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